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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Rezension „Oomph! – Des Wahnisnns fette Beute“

Gut 4 Jahre nach „Monster“ gibt es endlich wieder eine neue Platte von den Herren rund um Dero Goi. Was habe ich erwartet? Guten Rock, elektronische Sounds, harte Riffs. Habe ich das bekommen? Fast. Manche Lieder fallen aus dem Raster und überraschen – aber – positiv. Musikalisch zumindest. Was die Texte angeht habe ich allerdings mehr erwartet. Zumindest tauchen keine Kindergesänge auf ;) Aber bei manchen Liedern frage ich mich doch für wen diese getextet wurden. Sicher nicht für die Fans die seit über 20 Jahren mitgereift sind. Denn das sind die Texte leider nicht. Gefühlt richtet sich ein Großteil der Lieder an pubertierende Kiddies die ihre Sexualität (neu) entdecken müssen. Anfangs noch Lustig (Bonobo) dann aber mehr und mehr zum verwirrt Dreinschauen und auch ein bisschen Fremdschämen. Aber – fangen wir vorne an…

Los geht das Album genau so – wie ich mir ein Oomph!-Album vorstelle. Unzerstörbar ist Hart, laut, gut. Nichts überragend neues – aber solides Material. Mit Zwei Schritte Vor findet direkt ein krasser Stilwechsel statt. Jazzig angehaucht erinnert das Stück etwas an Experimente der Ärzte von vor ein paar Jahren. Mir gefällt es ausgesprochen gut, mit eines meiner liebsten Stücke des Albums. Man möchte einfach Mitschnipsen… Eingängig und Abwechslungsreich. Mehr davon, denk ich mir. Kein Wunder, dass dieses Stück als Single ausgekoppelt wurde. Weiter geht es mit Such Mich Find Mich – elektronische Beats, klarer Gesang und tanzbar. Es klingt wie OOMPH! klingen müssen. Mit Bis Der Spiegel Zerbrichtnehmen die Jungs etwas Fahrt raus. Melodisches Mid-Tempo, stellenweise epochale Klänge und dabei direkt eines meiner Favoriten auf dem Album. Live ist es sicher perfekt mit Gänsehautfeeling zu genießen. Mit Die Geister Die ich Rief wird noch etwas mehr Tempo raus genommen – und – ich weiß nicht, was ich von dem Lied halten soll. Es erinnert mich irgendwie an ein Boygroup Stück. Es ist nicht schlecht, ich mag die Melodie – und doch erinnert sie mich an Chart-Pop-Gedudel. Verknüpft mit dem Text kann das durchaus gewollt sein, aber meins ist es irgendwie nicht.

So – und jetzt beginnt der zweite Teil des Albums. Musikalisch ist Bonobo ziemlich genial. Anfangs fast nur Rhythmus und Gesang. Im Refrain mit vollen Klängen und „widwidiwid“. Aber textlich? Naja. „Steck dir nen Finger in den Po und machs wie der Bonobo“ gehört nicht unbedingt zu den anspruchsvollsten Texten… Deine Eltern macht da weiter, wo Bonobo aufgehört hat, zumindest textlich. Musikalisch nimmt das Album immerhin wieder Fahrt auf, inhaltlich nicht. Außer man ist in der Pubertät und beginnt gerade sich selbst zu entdecken. Auch Kleinstadtboy macht hier weiter. Immerhin nicht ganz so platt wie die Stücke davor – und musikalisch mit guten elektronischen Parts hörbar und definitiv zum Schmunzeln. MitRegen folgt eine schöne Ballade. Klarer, ruhiger Gesang, Melancholie und Feuerzeug-Stimmung. Schön, wenn man sich unter der Bettdecke verkriechen möchte. Kosmonaut wird wieder etwas härter, bleibt aber dennoch eher in ruhigen Gefilden. Beim ersten Hören musste ich dabei an „30 Seconds to Mars“ denken. Ein schönes Stück mit einem Refrain der gut ins Ohr geht. Komm Zurück findet zurück zum harten Sound mit einer guten Portion Elektro. Mitsingen, Tanzen – Sehr gut. Ein weiterer meiner Favoriten. Aus Meiner Haut – hm – musikalisch mag ich das Stück. Textlich hätte man aus dem Thema doch deutlich mehr machen können. Die Grundidee aus seinen Normen auszubrechen, frei zu sein, das zu tun was man will und was man fühlt, finde ich enorm gut. Aber – die Art wie es umgesetzt wurde finde ich zu sehr ins Lächerliche gezogen. Genau so geht es mit Seemannsrose weiter. Für mich einfach deutlich zu platte Texte. Ich hab ja nichts gegen zweideutiges. Aber so? Ich glaub ich bin zu alt ;) Die musikalische Umsetzung hingegen ist wieder genial. Akkordeon, aufbrausende Parts – Toll. Unendlich – das letzte Stück des regulären Albums – fängt mit düsteren Gitarrensounds an und geht dann in ein schaurig-trauriges Stück über. Traurig, aber sehr gut. Sowohl Text als auch Musik. Die „Deluxe“-Version des Albums beschert uns noch zwei weitere Songs. Fütter Mich legt wieder etwas zu, der Absacker im Mittelteil des Albums ist überwunden. Geile Gitarrenparts, harter Gesang und ein Text, über den der eine oder andere mal nachdenken könnte. Der Tod Ist Ein Herzschlag Entfernt – eigentlich fällt mir dazu nur Eins ein: Bond, James Bond. Der Titelsong des nächsten 007-Abenteuers?

Hätte das Album im Mittelteil nicht so sehr ins eindeutig zweideutige abgeschweift, wäre es für mich perfekt. So gibt‘s in meinen Ohren für die Texte leider Abzüge. Die Jungs wären mittlerweile alt genug, reifere Texte für die gleichen Themen zu produzieren. Musikalisch trifft es aber genau meinen Geschmack. Eine gute 7/10. Sowohl für alte Fans als auch für neu reinschnuppernde hat das Album was zu bieten. Einige der Lieder werden definitiv einen festen Platz in meiner Playlist bekommen.

Tracklist:
01. Unzerstorbar (03:39)
02. Zwei Schritte Vor (04:24)
03. Such Mich Find Mich (03:31)
04. Bis Der Spiegel Zerbricht (03:35)
05. Die Geister Die Ich Rief (03:04)
06. Bonobo (03:59)
07. Deine Eltern (04:03)
08. Kleinstadtboy (03:58)
09. Regen (04:12)
10. Kosmonaut (04:00)
11. Komm Zuruck (03:09)
12. Aus Meiner Haut (03:07)
13. Seemannsrose (03:08)
14. Unendlich (05:15)
15. Futter Mich (03:38) (Bonus Track)
16. Der Tod Ist Ein Herzschlag Entfernt (04:06) (Bonus Track)