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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Rezension „Vogelfrey – 12 Schritte zum Strick“

Im Mittelalter-Rock-Genre scheinen es Newcomer schwer zu haben. Zumindest kenne ich kaum hoffnungsvolle kleine Bands dieses Genres. Vogelfrey sind hier eine rühmliche Ausnahme. Nach ihrem Debutalbum „Wiegenfest“ anno 2010 folgte nun ihr zweiter Streich – 12 Schritte bis zum Strick. Doch aufgeknüpft wird für dieses Album sicher niemand.

Los geht’s mit einem melodiösen Intro – welches auf das erste Lied 6 Vaganten vorbereitet. Zu flottem Schlagzeug und elektronischen Gitarrenklängen werden, umspielt von „Hintergrundinformationen“ die Protagonisten vorgestellt. Düsterpflicht zeigt, was die Jungs und das Mädel so drauf haben. Treibendes Schlagzeug, Cello und Violine die besser nicht eingesetzt werden könnten. Ein Traum für alle Headbanger. Allein schon das Intro zu diesem Lied kann ich mir immer und immer wieder anhören. Mit Schuld ist nur der Met kommt das erste kleine Highlight – live sicher mehr als nur ein kleines Highlight – Tanzen, Hüpfen, Mitgröhlen garantiert und auch für nicht Met-Trinker bestens geeignet. Der Tod und das Mädchen kommt etwas abrupt. Ohne einen Übergang vom fröhlichen Met fängt dieses Stück doch recht langsam und düster an, entwickelt sich dann aber schnell zu einem tollen, abwechslungsreichen Lied mit Tiefgang und guter Melodie. Das Lindwurm Massaker legt wieder ordentlich an Tempo zu. Beginnt es fast schon schillernd mit Glamour-Rock-Elementen wird es dann heftig treibend. Vor Heinrich dem Schlächter wird eben nichts verschont… Der Freitod folgt. Dunklere Metal-Sounds gemischt mit mittelalterlichen Klängen – perfekt zum Springen und Headbangen. Selbst beim Schreiben zuckt es mir im Nacken. Mit Sommer findet eine traurig-schöne Ballade ihren Weg auf das neue Album. Sicher kein Stimmungskracher für’s Lagerfeuer, aber mit ruhigem Schlagwerk, akustischer Gitarre und Cello-Klängen sehr schön anzuhören.

Und dann – was ist das denn? Der Tusch! – ach ja, mein neues Lieblingslied und Ohrwurm. Melodie: Super (auch wenn, oder gerade weil auch ein bisschen was von Mozart geklaut wurde) – Text: Witzig und durchdacht – einfach super. Dieses Lied wird Live sicher der Kracher. Auch Lebenslehre zählt definitiv zu meinen Favoriten. Musikalisch witzig und argumentativ gibt es wohl nichts daran zu rütteln, dass die käufliche Liebe und Alkohol nicht zu verachten sind… Flamme bin ich sicherlich schüttelt den Humor wieder ab und fegt in alter Folk-Metal Manier los. Es wird zwar zeitweise wieder etwas ruhiger – generell aber ein Stück das Spaß macht. Auch das letzte Stück Galgenvogel geht noch einmal ordentlich ab. Teilweise nur von Cello und Schlagzeug getrieben ist es doch melodisch wie textlich gelungen.

Alles in allem macht das neue Album wirklich Spaß. Persönlich hätte ich noch auf ein Stück wie Heldentot vom Vorgängeralbum gehofft, aber Schuld ist nur der Met kommt da schon sehr gut ran. Und Der Tusch! ist für mich kaum zu toppen. Vogelfrey sind auf jeden Fall ein Geheimtipp für die kommende Festivalsaison. Eine junge, sympathische Band mit viel musikalischem Potential und lustigen Ideen diese umzusetzen. Dieses Album sollte in keiner Mittelalter-Rock / Folk-Metal – Sammlung fehlen!

Tracklist:
01. Intro
02. 6 Vaganten
03. Düsterpflicht
04. Schuld Ist Nur Der Met
05. Der Tod Und Das Mädchen
06. Lindwurm Massaker
07. Freitod
08. Sommer
09. Der Tusch!
10. Lebendlehre
11. Flamme Bin Ich Sicherlich
12. Galgenvogel