dark-pictures.org

Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Rezension „Letzte Instanz – Ewig“

Mit gemischten Gefühlen habe ich die neue CD der Letzten Instanz in meinen Player gelegt. Ich kenne die Instanz jetzt schon recht lange und bin doch eher ein Fan der alten Alben. Schuldig und Heilig – die beiden Vorgänger der Trilogie die nun mit Ewig ihren Abschluss findet waren zwar nicht schlecht – hatten für mich aber nicht den Charme der älteren Alben. Was also erwartet mich? Als Brachial-Romantiker bezeichnen sich die Jungs – aber Romantik bitte nicht im weichgespülten Unheilig-Stil…

Mit den ins Deutsche übersetzten Worten Oscar Wildes „Every saint has a past and every sinner has a future.“ bereitet Aeternitas durch imposante Klänge auf das vor, was da noch kommen mag. Ewig startet mit ruhigen Klängen, geht dann aber in ein durchaus rockiges Stück über. Als titelgebendes Stück ein sehr guter Start für das neue Album. Nur für uns klingt mit akustischer Gitarre eingeleitet, imposanten Streichern und einem guten Rhythmus richtig nach meinem Geschmack. Genau so muss die Instanz für mich klingen. Denn gerade die Mischung aus Bennys Cello und Muttis Geige machen doch den Reiz aus. Bei Blind, einem melodisch melancholischen Duett, hören wir Ria (Eisblume) zusammen mit Holly beim Versuch eine über die Zeit festgefahrene Beziehung zu retten. Regenbogen ist in meinen Ohren ein gelungenes Lied im neuen Instanz-Stil. Der Refrain hat definitiv Live-Qualitäten. Ich kann es geradezu hören wie dabei inbrünstig mitgesungen wird.

Wieder einmal rot beginnt mit einem einvernehmenden Schlagzeug-Part. Kurz darauf setzt der Gesang ein – aber was für einer. Man spürt es förmlich, wie hier die Emotionen rausgepfeffert werden. Einfach nur gut. Auch darf sich David Pätsch gegen Ende des Stücks am Schlagzeug noch mal so richtig austoben. Was man vom Text hält, sei dahingestellt, aber musikalisch ist das Stück aller erste Sahne. Tausendschönkommt wieder etwas runder daher. Imposante, epische Streicher – ein schönes Arrangement der Möglichkeiten die die Instanz zu bieten hat. Hier würde ich direkt mit Brachial-Romantik unterschreiben.

Dumpfer Bass, „Schwarzer Tempel, Schwarzer Sand“ ins Mikro gegrummel, fieses Gitarre – hier kommt wohl ein etwas härteres Stück. Und ja, die Erwartungen die in den ersten Sekunden aufgebaut werden erfüllen sich. Springen, bangen und rocken ist angesagt! Und mit Et in Arcadia Ego geht es mit einem instrumentalen Stück, aber ähnlich düster und rockig weiter. Das Album gefällt mir von Titel zu Titel besser. Aber irgendwie klingt es auch fast schon ein wenig nach dem Ende. Doch weit gefehlt, mit Von Anfang an kommt ein Stück, das man in den letzten Wochen schon oft aus diversen Radios trällern hörte. Typische Instanz – Streicher, Rockig, perfekt auf Hollys Gesang abgestimmt. Schön. Chartstauglich. Aber nicht mein Favorit – wohl gerade weil es so chartig daher kommt… Scheinbar sind wir wieder in einem etwas ruhigeren Teil angekommen, denn Wo das Meer… startet mit leiser akustischer Gitarre und sanft gesungenen Tönen. Passend begleitet von Geige und Cello. Ein schönes ruhiges Stück wie es sie auch geben muss. Mit Schuld kommt wieder etwas mehr Härte – gepaart mit einem nachdenklich stimmenden Text. Auch hier wieder: Brachial-Romantik vom Feinsten. Es scheint noch mal ordentlich zu krachen gegen Ende. Auch Unterwegs geht mit mehr Tempo und aggressiveren Tönen an den Start. Mit dem Leitthema „Wo komm ich her, wo will ich hin?“ nicht unbedingt eine neue Idee, aber passend und stimmig umgesetzt. Mir gefällt’s. Und, was höre ich da? Sing!, mein Favorit. Schon auf diversen Festivals angetestet geht dieses Lied live richtig gut ab – und macht auch aus dem CD-Player ordentlich Spaß. Man muss einfach mitsingen – und wer nicht kann, muss eben tanzen… Den Abschluss macht Mein Kind, ein ruhiger, schöner Abschluss. „Leide ich, oder freue ich mich?“ – Schöner Text. Schöne Melodie. Eine sehr schöne Ballade, auch wenn sie für mich durchaus eher in den ruhigeren Mittelteil des Albums gepasst hätte.

Das Album hat mich überrascht, positiv überrascht. Für mich persönlich das Beste aus der aktuellen Trilogie. Es hat mich schon beim ersten Hören gepackt und überzeugt. Ich freue mich auf die Tour, bin sehr gespannt welche Lieder es in das Live-Set geschafft haben. Die Mischung aus Balladen und rockigeren Stücken ist gelungen. Offensichtlich haben die Jungs alles richtig gemacht, noch etwas dazu gelernt, sich weiterentwickelt und doch auch ihre Wurzeln wieder etwas mehr beachtet. So gefällt mir das.

Tracklist:
01. Aethernitas
02. Ewig
03. Nur Für Uns
04. Blind
05. Regenbogen
06. Wieder Einmal Rot
07. Tausendschön
08. Schwarzer Sand
09. Et In Arcadia Ego
10. Von Anfang An
11. Wo Das Meer…
12. Schuld
13. Unterwegs
14. Sing!
15. Mein Kind