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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Rezension „Die Kammer – Season I: The Seeming and the Real“

Im Dezember 2011 gegründet hat es knapp ein Jahr gedauert, bis „Die Kammer“ – Matthias Ambré und Marcus Testory – ihr erstes Album veröffentlichen. Beide sind keine Neulinge im Business und kennen ihre Stärken ganz genau – und genau diese spielen sie voll aus. Tiefe Stimmen, satte Klänge, interessante Arrangements aus Streichern, Bläsern – und dem klassischen Singer-Songwriter-Gitarren-Sound. Ein Ohrenschmaus, für den der etwas mit düster rockigen Balladen anfangen kann.

Schon das erste Lied The Orphanage geht super ins Ohr. Ruhiges Schlagwerk, Bläser, eingängige Melodie und ohrwurmhafter Refrain. Fate/Illusion hat mich im ersten Moment etwas an Johnny Cash erinnert. Tiefe Stimme, Gitarre, Streicher. Traumhaft. Labyrinths of Despair ist eine eher klassische Ballade – ruhige Streicher, sanfter Gesang. Aber dann doch wieder ein paar Schmankerl – wie die sehr charakteristischen Bläser – samt Tuba, wenn mich nicht alles täuscht. Klasse. Mit The Seeming and the Real folgt das Titelgebende Lied. Für mich nicht das Top-Stück des Albums – aber wieder mit sehr spannenden Passagen, ein fast schon fröhliches Stück – im Vergleich zum düstereren Umfeld. Black as Coal nimmt wieder Tempo raus, und schwelgt in melancholisch tiefen Gefühlen. Riding the Crest kann man wohl als das Pop-Stück des Albums bezeichnen – leicht an Serj Tankian erinnernde Elemente, zusammen mit etwas flotterem Tempo und fast schon hohen Tönen. Ganz anders klingt da A Backward Glance – ruhige Gitarrenklänge und sanfte Stimme holt einen wieder auf romantische Ebene zurück. Home in Your Eyes zeigt welche klänge man Gitarre und Streichern so entlocken kann – und kommt doch im großen Ganzen sehr minimalistisch daher. Eine weitere Ballade die gekonnt mit wenigen Elementen spielt und diese wunderbar zur Geltung bringt. Singing: Surrender lässt das Bein schwingen – die Finger schnippen. Ob man den Rhythmus schon als Upbeat bezeichnen kann, weiß ich nicht, aber ich kann zumindest nicht wiederstehen zu zucken. The Grand Graveyard of Hopes vereint klassische Gitarre mit ruhigem Gesang. Traurig. Melancholisch. Unterstützt von Cello und Streichern. Final Days ist eines der fröhlichsten, zum Mitsingen geeignetsten Lieder. Auch wenn auf „lalalalaaa“ zurückgegriffen wird, doch ein sehr schönes Stück. Den Abschluss macht The Painter Man’s Spell welches nochmal zu ruhigen Klängen zurückfindet. Leicht Schräg. Leicht Augenzwinkernd ein sehr schöner Abschluss für ein sehr schönes Album.

Da ich Die Kammer noch nie live gehört hatte war ich doch sehr gespannt was mich auf dem Album erwartet. Bei einer wilden Party und gefüllter Tanzfläche würde ich das Album nicht unbedingt einlegen – bei einer gemütlichen Runde zu Hause – oder abends in der Badewanne bei Kerzenlicht – perfekt. Wer auch mit ruhigeren Klängen etwas anfangen kann wird seine Freude an den Arrangements, den Stimmen, den Gitarren, Streichern und Bläsern haben. Ein paar komödiantische, fast schon volksmusikhafte Ausflüge, hätte es in meinen Ohren nicht gebraucht, aber 90% der Stücke gefallen mir ausgesprochen gut. Mein Fazit: Ein klasse Erstlingswerk zweier gar nicht mehr so erstlingshaftiger Musiker. Etwas mehr Abwechslung, etwas weniger Tuba – und es wäre für meine Ohren perfekt.

Tracklist:
01: The Orphanage
02: Fate/Illusion
03: Labyrinths of Despair
04: The Seeming and the Real
05: Black As Coal
06: Riding the Crest
07: A Backward Glance
08: Home in Your Eyes
09: Singing: Surrender
10: The Grand Graveyard of Hopes
11: Final Days
12: The Painter Man’s Spell