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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Impressionen Copplius / Annaberg-Buchholz

Eden weint im Grab / Annaberg-Buchholz

Coppelius / Annaberg-Buchholz

Konzertbericht Coppelius / Annaberg-Buchholz

Der Jahresabschluss der Herren Coppelius in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz hat Tradition. Zum bereits zehnten Mal in Folge erklangen die coppelianischen Instrumente und Stimmen Ende Dezember in der sympathischen kleinen Location im Erzgebirge.

Die alte Brauerei ist Jugendhaus, Veranstaltungsort und „soziokulturelles Zentrum“. Bespielt wurde ein eher kleinerer Raum mit gemütlicher Bühne. Für eine vielköpfige Band wie Coppelius heißt es da Zusammenrücken und auch die Fans waren dicht gedrängt. Ein ebenso großer Nebenraum mit Bar und Sitzgelegenheiten entzerrt das Ganze und bietet eine kurzzeitige Fluchtmöglichkeit.

Einziges Manko der Location: Der Nebenraum war vor Einlass verständlicherweise für die Bands reserviert. Ende Dezember ist das Warten im Freien jedoch nur mäßig angenehm. Tipp aus der Konzerte-Trickkiste: Glühwein hilft beim Aufwärmen und verkürzt die Wartezeit.

Um 21 Uhr Startschuss zu einem Kurzauftritt der Fan-Gruppe „Roseelius“, die im letztjährigen coppelianischen Interpretationswettbewerb um das Stück „Das Amulett“ den dritten Platz belegten. Der Preis bestand in einem Live-Auftritt mit dem prämierten Stück. Mit Querflöte, Klarinette, Gesang und einem kurzfristig eingesprungenem Glockenspiel erklang das Stück vom Album „Tumult“ von 2009. Einzig die Technik spielte einen kleinen Streich: Eine dem Wahn verfallene Nebelmaschine verhüllte große Teile des Ensembles und führte zu unfreiwilliger Komik.

Butler Bastille kündete uns die darauffolgende offizielle Vorband an: Eden weint im Grab. Bitte nicht das Verb vergessen, sonst drehen sie sich in ebenjenem um.

Eden Weint Im Grab (abgekürzt EwiG), eigentlich eine deutsche Gothic Metal-Band, spielte hier akustische Versionen ihrer Lieder und lud zu einer düsteren, burlesken Geisterstunde mit den Klängen eines E-Cellos, einer Violine, zweier Akustikgitarren sowie Schlagzeugs. Dazu sang der langhaarige (was auch sonst ) Sänger mit dunkler, manchmal kratziger Stimme schwarzhumoristisch angehauchte Stücke von Tod und Düsternis. Einer der Höhepunkte war sicherlich der Auftritt des coppelianischen Herren Le Comte Caspar, der mit seinem Klarinettenspiel die „Moritat des Leierkastenmannes“ auffrischte.

Coppelius begann mit wohlvertrauten Klängen und erfreulichem Tempo sein Bühnenspektakel. Nach dem Diener stürmten die Meister des Kammercore die Bühne: Graf Lindorf am Cello, Sissy Voss am Kontrabass, Herr Nobusama am Schlagwerk, die Herren Max Coppella und Comte Caspar an der Klarinette (jeder hat eine, Gott bewahre!) und Butler Bastille an Triangel und Percussion. Gesungen wird im Wechsel von den drei letztgenannten. Zum Abschlusskonzert der Zinnober-Konzertreisen gaben die Herren noch einmal alles. Trotz steigender Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wurden nahezu nur temporeiche, schnelle Stücke gespielt, oft folgte der Übergang nahtlos und Menschen auf und vor der Bühne kamen ganz schön ins Schnaufen. Wie gewohnt stieg Le Comte auch einmal von der Bühne herab und spielte sich durch die Menge bis zum Mischpult im hinteren Bereich. Interaktion wird großgeschrieben bei den Herren aus dem neunzehnten Jahrhundert. Wer schon immer mal im Takt auf ein Becken eindreschen oder sein Haupt auf der Bühne schütteln wollte, wird bei dieser Band beglückt. Utensilien der ersten Reihe werden gerne kurzzeitig entführt und ins Bühnengeschehen eingefügt, in Annaberg wurde so das Schlagwerk-Solo des Herrn Nobusama seifenblasentechnisch in Szene gesetzt.

Zur Freude vieler langjähriger Fans fand auch das in Kürze veröffentlichte, ungeduldig erwartete vierte Album namens „Extrablatt“ seinen Weg in die Setlist. So wurden zwei Stücke namens „Welt im Wahn“ sowie „Reichtum“ dem geneigten Publikum dargebracht. Letzteres verdient besonderes Augenmerk, riefen doch die Herren zu einem zugehörigen Videographiewettbewerb auf. Bis Anfang Februar gilt es, angemessene Bild- zu den Klangwelten zu erschaffen.

Doch weiter im Text: Den Herren sieht man ihre zweihundert Jahre wahrlich nicht an, vor allem Max Coppella überrascht durch akrobatisch anmutende Leibesübungen. Der legendäre Streit um erste oder zweite Klarinette ging nun vorgestern ins zweihundertundzehnte Jahr und ist bis dato ungeklärt. Die Rivalität der beiden wird auf der Bühne aber ungebrochen zelebriert und so bietet die coppelianische Bühnenshow wie immer schauspielerischen Hochgenuss und ist mit ihrem Detailreichtum ein wahrer Augenschmaus.

Nach einer durchgehend temporeichen Show (langsamere Stücke wie 1803 oder Ade mein Lieb wurden diesmal nicht gespielt) waren Band wie Publikum ziemlich eingeweicht, fehlt es der Brauerei doch leider an einer ausreichenden Belüftung für eine vielhundertköpfige begeisterte Truppe. Gleichwohl wurde die Band aber nicht sang- und klanglos entlassen, sondern nach den obligatorischen Da Capo-Rufen gaben sie immerhin eine Zugabe von drei Stücken.

Wer nun eine der zahlreichen Waren der coppelianischen Krämerin Kunigunde von Heller signiert haben wollte, wurde wie immer nicht enttäuscht. Nach einer kurzen Umzieh- und Abbaupause zeigten sich die Herren zu einer ausgiebigen Plauderstunde, bevor sie sich zu später Stunde wieder in ihre abfahrtbereite Schlafwagen-Kutsche schwangen.

Fazit: Ein ausgesprochen gelungener Jahres- und Tourabschluss, der nach Wiederholung ruft und die Vorfreude auf das neue Album schürt. Wer einmal dabei war, wird es wieder sein und die Kunde wird eifrig ins Land getragen. Ich befürchte, die Brauerei muss bald anbauen!

Setlist Coppelius am 29.12.2012 in Annaberg-Buchholz

1. Transilvania
2. Der Advokat
3. Risiko
4. Dreaming
5. Nachtwache
6. Rightful King
7. Murder in the Rue Morgue
8. To my Creator
9. Urinstinkt
10. Ouvertüre
11. Reichtum
12. Esc. I
13. Lilienthal
14. Welt im Wahn
15. Outlaw
16. Innocent exile
17. Die Glocke
18. Schöne Augen
19. Habgier
20. Der Handschuh

Da Capo
* Running Free
* Time-Zeit
* Operation

Bericht von K. von Koriolis

Zu den Bildern von:
Roseelius
Eden weint im Grab
Coppelius

Roseelius / Annaberg-Buchholz