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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

ASP – 15 Jahre: RAR UND PUR / Theaterhaus Stuttgart

ASPs von Zaubererbrüdern / Forum am Schlosspark

Konzertbericht Asp / Theaterhaus Stuttgart

Des Wahnsinns knusprige Beute…

Theaterhaus Stuttgart – kulturelle Theaterkunst, Literatur, klassische Veranstaltungen. So dachten wohl auch die Gäste des „Literarischen Foyers“ und wundern sich ob der seltsam düsteren Leute, die sich wartend aufs ASP-Konzert im gleichen Foyer tummeln.

Bald ordnet sich jedoch das Chaos, die Literatur verschwindet ins Obergeschoss, während die große Bühne im Erdgeschoss von den ASPianern in Beschlag genommen wird. Durchaus überschaubar in der Größe ist dies dennoch eine der geräumigeren Locations fürs Genre – wer hier spielt, darf an die 1.000 Leute beschallen.

Dieses Privileg hat bei der aktuellen ASP-Tour die Vorband „LaHannya“ inne, schon zum zweiten Mal. LaHannya, mit der gleichnamigen Frontfrau und drei weiteren Mannen mixt harten Metal mit elektronischen Klängen und einer interessanten weiblichen Stimme. Wie so oft ist es eine Gratwanderung, dabei die Dame nicht im Instrumentarium untergehen zu lassen. Damit hat LaHannya auch öfter zu kämpfen, so dass leider oftmals wenig Melodie im Ohr blieb. Erst beim zuletzt performten Highlight „Burn“ scheint ihr das Lied zum ersten Mal auch selbst wirklich nahe zu gehen.

Auch und gerade bei einem Voract zu ASP hätte man sich gewünscht, dass sie in ihrem durchaus gut sitzenden Latex-Outfit ein wenig mehr ins Schwitzen kommt. Mehr Herzblut, will man ihr zurufen, lass dich gehen und gib alles! Das spürt das Publikum, dann fliegen dir die Herzen zu. So bleibt der Auftritt leider ein wenig hölzern, was sich aber mit zunehmender Bühnenerfahrung ja durchaus noch geben kann.

In der Umbaupause hüpfen und zappeln immer mehr Gestalten gierig auf den Hauptact um uns herum. So wird jeder Ton des Soundchecks mit fröhlichen Antworten geehrt, so dass die Stimmung bei der Verdunkelung der Bühne schon ordentlich brodelt.

Die Bühnendeko hält sich sehr zurück, angenehm schlicht, vier Banner mit Grafiken, natürlich darf der obligatorische schwarze Schmetterling nicht fehlen.

Drei Silhouetten lassen auch nicht lang auf sich warten – links ein Bassist und rechts einer, ein Lockenkopf weiter hinten im Nebel und das Schlagzeug ist auch schon besetzt. Der Herr und Meister lässt noch ein wenig auf sich warten – das schreiben wir einfach mal seinem Zombiewalk zu, mit dem er schließlich auf die Bühne wankt. Kaum aber da, springt seine latent wahnsinnige Bühnenpräsenz auf uns über und es erklärt sich spätestens beim Anblick des mimikreichen Frontmanns, warum ASP so erfolgreich sind.

Erste Irritation – ist das nun der Bassist von LaHannya, der auch bei ASP oder der Bassist von ASP, der auch bei LaHannya spielt? Lässt sich bis Ende des Konzerts nicht klären, vielleicht ist es auch Lucius Malfoy.

Gleich zu Beginn starten wir mit dem von allen wahren Fans längst einstudierten Wechselbalg, der ersten Single aus dem neuen Album.

ASP stürzt sich im wahrsten Sinne des Wortes in seine Musik, hier kommt das, was man bei der Vorband vermisste, voll zur Geltung. Sprünge, Tänze, Kniefälle voller Inbrünstigkeit – man bangt schon um die Herztätigkeit des Sängers. Aber die Bühnenerfahrung ist sichtbar groß, und so ist es umso erstaunlicher, dass seine Mimik und Gestik immer noch sehr authentisch rüberkommen. Er MAG uns einfach und er FREUT sich sichtlich, wenn wir auf sein Geheiß hopsen und springen und grölen. Dann verzaubert ein freudiges Lächeln das düster geschminkte Gesicht und lässt es strahlen. Da springt etwas über, vielleicht der Funke des Wahnsinns, dessen (nicht mehr ganz so) knusprige Beute der Sänger mit Sicherheit ist. Man wird sehr schnell in den Bann der Band gesogen, auch wenn der Löwenanteil des Charismas vom Sänger ausgeht. Hinter seinem sehr emotionalen Wirken gehen die anderen Bandmitglieder fast ein wenig unter, was eigentlich schade ist.

Zwischendurch ein paar geworfene Wasserflaschen für die durstige Menge – gut ist das, denn seit wir einen neuen Bahnhof bauen, können wir uns leider keine Wasserversorgung mehr leisten. Außer Wasserflaschen fliegen hauptsächlich Drumsticks ins Publikum, ich zähle gut und gerne sechs Stück – bei dem Verschleiß lohnt eine Großpackung.

Nun kündigt Asp ein Wiedersehen mit LaHannya an, was beim Publikum auf geteilte Meinung stößt. Sichtlich betroffen fragt er den unbegeisterten Teil „Hey, was macht ihr da?“ und sorgt im Handumdrehen für ein schlechtes Gewissen und wohlwollende Mienen. Schon ein Phänomen, der Mann. Gemeinsam mit LaHannya, die ihre blauen Rastas für ihn fliegen lässt, singt er das ältere Stück „Werben“.
Man merkt, er hat sein Publikum gut trainiert im Laufe der Jahre, denn selbst ohne ihn als Choreograph schaffen wir es, ein vielstimmiges Eeeeee-ooo einigermaßen synchron erklingen zu lassen. Sichtlich gerührt ist er, und dies macht einen großen Teil der Faszination aus. Er scheint selbst immer noch über die Hunderte von Menschen da unten zu staunen, die ihm zujubeln und sein Wirken und Werken anerkennen.

So kann er auch die Mehrheit nicht täuschen – bevor es nicht „Ich will brennen“ gab, ist ein ASP-Konzert nicht zu Ende. Insgesamt drei Zugaben gewährt er uns, und erst nach den letzten Takten von „Schwarzer Schmetterling“ verlässt er, dann aber zügig, die Bühne.
Jedoch kurz ist der Abschiedsschmerz, denn draußen in im Foyer gibt es schon ein Wiedersehen. Den Kontakt zu den Fans hält die Band immer noch und unterschreibt wacker Eintrittskarten, Autogrammbücher und besagte Drumsticks. Ein rundum gelungener Abend. Nur die schwarze Schmetterlingsdose, die brauche ich wirklich nicht. ;)

Texte von K von Koriolis

ASP / Theaterhaus