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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Versengold / Club Zentral in Stuttgart

Coppelius / Club Zentral

Unzucht / Club Zentral Stuttgart

Your Army / Club Zentral Stuttgart

Vlad in tears / Club Zentral Stuttgart

Interview mit Herrn Comte Caspar / Coppelius


IMG_1121 Kurz vor der allgemeinen Bühnenvorbereitung treffen wir den Herrn Comte Caspar zu einem kurzen Plausch im Club Zentral und stellen unsere unverschämten Fragen. Das Prinzip entwendeten wir der Kriminologie, bei der man mit kurzen prägnanten W-Fragen den Tatort zügig erfasst.

Dark Pictures: „Also wir dachten uns, wir machen das ganz kurz und knackig.“

Le Comte Caspar: „Was ist denn das für ein Einstieg für eine Befragung? Das ist überhaupt kein Einstieg!“

Er holt tief Luft und beginnt mit dem Aufnahmegerät zu flirten: „Hoch verehrtes Auditorium, ich bin Comte Caspar, Klarinettist und Sänger der Kapelle Coppelius und heiße Sie herzlich Willkommen, heeeerzlich Willkommen – nein, das war nichts … herzlich WillKOMMmen – nein, das war übertrieben – herzlich Willkommen – ja – das können Sie nehmen, den Rest können Sie rausschmeißen. Ich heiße Sie herzlich Willkommen zu dieser spannenden und interessanten Befragung.“

wer

Dark Pictures (leicht beleidigt): „Sie halten das Interview nicht mit diesem Gerät hier, sondern mit mir. Sie nehmen meine erste Frage eigentlich schon vorweg – Wer sind Sie eigentlich? Wir haben uns nämlich nach dem kriminalistischen Prinzip 6 Fragen ausgedacht, mit denen man normalerweise einen Tatort begeht – nämlich: Wer, Wie, Was, Wann, Wo, Warum?“

IMG_1146Le Comte lächelt interessiert.

Dark Pictures:  „Wir stellen aber noch eine richtige Wer-Frage, uns interessiert nämlich brennend, wer eigentlich dieses wunderschöne „Plopp“ macht, wenn sich Ihre neue Litfaßsäule von einem zum anderen Fleck bewegt.“

Le Comte: „Die Litfaßsäule macht das. Ich kann das nicht – wenn ich das mache klingt das so (kurze Vorführung eines völlig unzureichenden Plopp): <<Blopf.>> Sissi Voss kann das besser. Aber das Geräusch stammt natürlich von der Litfaßsäule selber. Ich habe die galvanischen Feinheiten nicht ganz verstanden, aber wenn das Gerät im Raum verschwindet und einen Unterdruck hinterlässt, saugt es die Luft ein und deswegen macht es wohl dieses Plopp-Geräusch.
Aber ich bin ja auch Musiker und kein Ploppologe, daher kann ich das nicht so genau beantworten. Zu welcher Tafel gehörte diese Frage?

Dark Pictures:  „Wer.“

Le Comte: „Wer!“

Dark Pictures: „Wer macht dieses Plopp? Wir sehen die Litfaßsäule schon fast als neues Bandmitglied, deswegen wird sie persönlich angesprochen.

Le Comte: „Sie hat aber keinen Zylinder!“

Dark Pictures: „Aber da gibt es ja auch andere, die das nicht haben – und vielleicht kriegt sie ja bald einen?“

Le Comte: „Unwahrscheinlich. Aber ich habe etwas von einem 24-Zylinder-Antrieb gehört – im Maschinenraum – vielleicht zählt das.“

Wir staunen nicht schlecht. 24 Zylinder sind selbst für einen Asphaltproleten enorm. Angesichts dieses Beweises coppelianischer Überlegenheit gehen wir zur nächsten Frage über:

wie

Dark Pictures:  „Wir haben uns ein wenig irritiert gefragt, wie Sie immer auf diese gewaltverherrlichenden Texte kommen. Bei Ihnen sterben reihenweise die Leute an Armbrust- oder sonstigen Schussverletzungen, lauter tote Frauen. Wie kommen Sie da drauf, haben Sie da was zu verarbeiten und wie ist das eigentlich so mit der Vorbildfunktion?

Le Comte: „Also da muss man natürlich jeden Einzelfall einzeln betrachten, nicht wahr.“

Dark Pictures (denkt „Zeit vergeht, Zeit verrinnt“): „Ach herrje.“

Le Comte: „Wenn Sie jetzt „mitten ins Herz“ ansprechen, da wird ja überhaupt nicht die Gewalt oder der Tod verherrlicht. Im Gegenteil, das ist ein tragischer Unfall, der vom Schützen zutiefst bedauert wird. Und man möchte dieses Bedauern emotional in einem Lied darstellen und dies natürlich gut begründen, warum der arme Mörder jetzt so aufgelöst ist! Wenn er seinen Blumentopf umgeschmissen hätte, dann wäre es verständlich, dass er ein wenig traurig ist … womit wir auch schon bei der „Butterblume“ wären. Da stirbt aber niemand. Und das ist auch nicht schlüpfrig. Ich weiß nicht, wie man darauf kommen kann, bei diesem schönen, liebevollen, tröstenden Lied von Schlüpfrigkeit zu reden.“

Dark Pictures‘ hilfreicher Erklärungsversuch: Vielleicht wegen der Butter?

Le Comte irritiert: „Ich weiß nicht, was an Butter schlüpfrig sein sollte.“

Dark Pictures:  „Ich habe auch nie „schlüpfrig“ erwähnt, Sie haben davon angefangen.“

Le Comte: „Das schwirrt so durch die Kommunikationskanäle.“

Dark Pictures: „Apropos Kommunikationskanäle … moderne Kommunikation …“

IMG_1705Le Comte stolz: „… ja, ich bin jetzt auch im Internet! Ich habe ganz viele neue Freunde, da waren auch welche dabei, die ich kenne.“ Le Comte gerät ins Schwärmen: „Das ist ganz großartig, in diesem Internet kann man z. B. schreiben, Blubberblasen wären ganz toll. Und schon gibt es am nächsten Tag ganz viele Blubberblasenmaschinenkanisterchen. Es sind auch sogar noch drei übriggeblieben in Hannover. Hochverehrte Blubberblasenmitbringer, vielen Dank, dass Sie diese haben stehen lassen, die sind nicht verloren gegangen, die sind eingepackt und werden heute wieder ausgepackt und verteilt, damit die Blubberblume in einem stetig steigenden Blubberblasenmeer versinkt. So habe ich mir das gedacht. Vielen Dank! Dafür ist das Internet nützlich!“

Blubberblasen-Werbesequenz Ende.

was

Dark Pictures begibt sich auf dünnes Eis: „Was sagen Sie dazu, dass Sie von Herrn Coppella als der drittbeste Klarinettist bezeichnet wurden …?“

Le Comte: „Der DRITTbeste!?“

Dark Pictures begibt sich in Lebensgefahr: „… nach ihm selbst und Herrn Voss?“

Le Comte ist eine Viertelsekunde lang sprachlos: „Das ist eine Unverschämtheit, wann hat er sich das denn zuschulden kommen lassen?“

Dark Pictures: „Ach, das schwirrt auch so durch die Kommunikationskanäle.“

Le Comte mit Mordlust im Auge: „Ich hoffe für alle Beteiligten, dass das nur ein schlimmes Gerücht ist.““

Dark Pictures: „Ja, dementieren Sie das, oder wie?“

Le Comte entrüstet: „Ja. Das ist völliger Quatsch.“

Dark Pictures: „Sie haben es auch gar nicht nötig, das zu begründen?“

Le Comte: „Mein Klarinettenspiel steht doch hoffentlich für sich!“

Dark Pictures: „Ich habe gehört, Sie haben da auch eine Umfrage gestartet?“

Le Comte: „Eine repräsentative Umfrage mit einem großen Teil neutraler Nutzer, bei der EINDEUTIG und zweifelsfrei zutage kam, dass ich der bessere Klarinettist bin. Und das ist nun damit statistisch belegt!“

wann

Dark Pictures: „Dann wäre das damit geklärt. Es folgt die nächste Frage: WANN kommt eigentlich das neue Coppelius-Album heraus?“

Le Comte: „Das ist schon draußen! Das Extrablatt!“

Dark Pictures: „Sie HABEN schon ein neues Album? Ich bin fasziniert, erzählen Sie doch mal davon!“

IMG_2024Le Comte: „Ja, wir haben ja auch aus der Presse davon erfahren. Wir haben das Album zugespielt bekommen, haben es uns dann angehört und ich muss sagen, so schlimm ist es eigentlich gar nicht geworden. Herr Coppella macht es immer unnötig mies. Es waren ja auch eigentlich nur die Probeaufnahmen zu Probeaufnahmen zu Probeaufnahmen …“

*schnarch*

„… für Probeaufnahmen, um irgendwann einmal zu überlegen, vielleicht eine neue Produktion zu starten. Aber vielleicht, gerade dadurch, dass es so rohes Vormaterial ist, das gar nicht perfekt bis auf den letzten Ton ausgestaltet wurde, sondern mit allem akustischen Dreck, der da dabei ist, mit aller Wildheit und den spontanen „Ich-spiel-mal-schnell-ein-paar-Tönchen-dazu-ein“, wirkt es eigentlich ganz frisch.“

Dark Pictures erwacht: „Sie sagen also, hätte man Ihnen weitere 200 Jahre gegeben, wäre das noch viel brillianter geworden?“

Le Comte: „200 Jahre wären gar nicht nötig gewesen! Ein Jahrzehnt hätte schon gereicht, aber wer weiß, vielleicht wäre es gar nicht besser geworden. Vielleicht hätten wir es verschlimmbessert, vielleicht wäre es dann so perfekt geworden, dass es den Reiz des Ursprünglichen verloren hätte.“

Dark Pictures: „Wo wir doch vorher bei Brillianz waren. Wo kommen Ihnen denn eigentlich die besten Textideen, an welchen Orten … wie z.B. „Brillianz der Dominanz“?

Le Comte: „Naja, das ist einfach nur ein schöner Reim! Und in dem Lied geht es auch nur um einen Spaziergang in der Sonne. Wenn Sie in den Text hineinschauen, da ist absolut nichts Verwerfliches zu finden. Es ist ausschließlich eine schöne Spaziergangsbeschreibung…“

Dark Pictures:  „…mit Reimen auf „anz“.“

Le Comte: „… und einer wunderbar wuchtigen Basslinie!“

wo

Dark Pictures (wir insistieren): „Und wo kommen Ihnen dann die Ideen? Sind Sie dann auch wirklich spazieren gegangen durch die Sonne und dachten „Brillianz, Dominanz, Ignoranz“?“

Le Comte, der alte Romantiker, führt aus: „Ignoranz ist nicht dabei! Wissen Sie, so ein Spaziergang durch ein sonnendurchflutetes Wäldchen, ein laues Sommerlüftchen, ein plätschernder Bach, ein paar zwitschernde Vögelchen, da schwirren so viele Naturmelodien durch den Raum. Das klingt jetzt kitschig, ist aber so! Und wenn man dann ganz entspannt ist und der Geist sich entfalten kann und die Melodien im Kopf ihren Lauf nehmen, dann freue ich mich immer, wenn ich ein Notenblatt mitgenommen habe, um es aufschreiben zu können!“

Dark Pictures: „Sie sind also eigentlich ein naturverbundener Romantiker? Wenn man so an Butterblume denkt und jetzt diese Spaziergänge? Oder reisen Sie doch lieber schnell in Ihrer neuen Litfaßsäule?“

Le Comte (inbrünstig): „Ich kann Ihnen sagen, 12 Stunden in einer klapprigen Kutsche ist nicht romantisch! In der Litfaßsäule ist es ein viel angenehmeres und schnelleres Reisen. Und das hochverehrte Auditorium hat auch etwas davon, wenn wir entspannter, schneller, glücklicher, unzerstrittener auf der Bühne ankommen.“

warum

Dark Pictures: „Warum ist Ihr neues Album eigentlich so gesellschaftskritisch? Sie kritisieren die moderne Zeit, sie ist Ihnen zu schnell, die Kommunikationsmittel gefallen Ihnen nicht – mögen Sie die Welt eigentlich?“

Le Comte: „Es war mal entspannter. Wahrscheinlich spielen Sie auf „Welt im Wahn“ an. Das Stück stammt ja aus der Feder des Herrn Graf Lindorf und man muss sagen, dass er durchaus Recht hat. Alles muss heutzutage so hektisch gehen, keiner hat mehr Zeit, innezuhalten. Ich glaube, auf Dauer macht das die Menschen krank. Und dies hängt z.B. auch mit der „Spieldose“ aus der Feder des Herrn Max Coppella zusammen. Es trägt auch zur Hektik bei, dass die Leute ihre Spieldosen immer dabei haben und nicht mehr miteinander sprechen. Oder immer erreichbar sind für ihre Vorgesetzten, die dann oft abends noch irgendetwas wollen und die Menschen gar nicht mehr in Ruhe lassen. Da ist es ganz gut, die musikalische Position, die wir uns in den Jahren erarbeitet haben, auch mal zu nutzen, um solche Probleme anzusprechen.“

Dark Pictures: „Also eine Reflexionsmöglichkeit bieten, dass man auch mal über sein eigenes Verhalten nachdenkt, z.B. die eigene Internetnutzung?“

Le Comte: „Ja, aber ich würde nicht so weit gehen, dem Auditorium vorzuschreiben, was es für Schlüsse daraus zu ziehen hat und ob es überhaupt Schlüsse daraus zieht. Aber wenn natürlich der ein oder andere sich das Lied anhört und einen Moment innehält, dann haben wir schon viel erreicht. Und „Reichtum“ schlägt ja auch in eine ähnliche Kerbe. Ich finde, die Kunst hat die Aufgabe, den Zuschauern oder Zuhörern eine andere Sichtweise auf die Dinge zu eröffnen.

Man hört in den ganzen letzten Jahren immer „Kein Geld, zu wenig Geld, alles schlimm“ und dann sind plötzlich doch immer wieder Millionen da, um dieses oder jenes Unternehmen zu stützen. Aber dann heißt es wieder „Für die Kunst ist leider kein Geld da“ … es sollte einfach mal aufgezeigt werden, dass es reichtumsbezogen auch ganz andere Probleme gibt, dass es auch wirklich Leute gibt, die die Sorge haben, wohin damit, und die ganz einfach viel zuviel haben … naja, ich möchte jetzt nicht das Umverteilungskapitel aufschlagen, aber es ist vielleicht einfach mal ein angenehmer Gedanke für Leute, die sonst immer vom „Das kann ich mir nicht leisten“-Gedanken geplagt sind, einfach mal abzuschalten und nicht an das Loch im Portemonnaie zu denken.“

Es scheint dieses Thema dem Comte wirklich am Herzen zu liegen, aber draußen bibbern die Fans (die die sich Konzertkarten leisten konnten) und wir nähern uns dem Ende.

Dark Pictures: „Das heißt, im Großen und Ganzen mögen Sie die Welt und wollen auch noch die nächsten 200 Jahre so weitermachen? Nicht dass Sie aus all dieser langen Erfahrung heraus sagen, jetzt ist die Welt so furchtbar geworden, Schluss jetzt? Denn die kritischen Töne sind ja durchaus mehr geworden im Vergleich zu den älteren Alben.“

Le Comte: „Es hat ja auch immer etwas mit Inspiration zu tun für den Künstler. Wenn man ein spannendes Lied schreiben möchte, muss ja auch immer ein persönliches Anliegen, eine Idee dahinter stehen. Man kann nicht einfach so ein paar läppische Reime hinkloppen und das dann lieblos runtersingen.“
 Seine Augen glänzen, denn er hat einen Kalenderspruch erfunden: „Wissen Sie, ein gutes Lied ist wie ein Eisberg. Und die Spitze vom Eisberg ist das, was man von dem Lied mitbekommt. Wie bei „Glanz und Eleganz“, wo vielleicht DOCH mehr dahintersteckt. Es macht ein gutes Lied aus, wenn man viel Geschichte und Ideen im Kopf hat, Handlung und Charaktere, aber man nur den interessantesten, wirklich erzählenswerten Teil in das Lied bringt. Der Rest ist als Unterfütterung vorhanden, das gibt den auftretenden Personen und angesprochenen Sachverhalten mehr Tiefe.
Irgendwas wollte ich noch sagen … ach ja, zur modernen Zeit! Die moderne Zeit hat ja nun auch ihr Gutes … wenn ich an die neue Klangtechnik denke…“

Dark Pictures: „…ah, der Tonabnehmer!“


IMG_1134Le Comte ist bei seinem Lieblingsthema angekommen:
„Genau, die neuartigen galvanischen Gerätschaften mit ihren wunderbaren Impulsantworten, die –Sie werden es heute Abend hören – die Klarinetten viel mehr nach Klarinetten klingen lassen, obwohl sie galvanisch amplifiziert sind. Ich habe heute übrigens einen neuen klanglichen Effekt, und zwar ein Bandecho. Das ist eine unglaublich tolle Sache, da läuft ein kleines Band von einer Kassette immer im Kreis, es wird also wiederholt und man kann die Geschwindigkeit des Bandes ändern. Das heißt, je schneller man es abspielt, desto höher wird der Ton, je langsamer, desto tiefer.
Das macht dann so Tuuut tuuut tuut tuut tut tutututut tuut tuuut tuuuuut tooooooot booooop. Ein unglaublich großer Spaß! Sie werden es heute hören, wenn ich mit Cellolitis zusammen spiele und vielleicht mache ich es als Spaß zwischendurch mal, aber das dürfen die anderen nicht mitbekommen.“

Akustischer Beweis oben genannter Klarinetten-Effekte / Anmerkung der Redaktion

Dark Pictures völlig geplättet von den akustischen Fähigkeiten des Comtes und seines Tonabnehmers: „Herzlichen Dank!“

Le Comte: „Ja dann, hochverehrtes Auditorium: Coppelius hilft!“

Coppelius / Club Zentral

Cellolitis / Club Zentral

Helldorados / Club Zentral

Stahlmann / Club Zentral Stuttgart