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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Coppelius / clubCANN

Rezension „Coppelius – Hertzmaschine“

Rezension "Coppelius - Hertzmaschine" 1

Ein Jubiläum steht an, werft hoch die Zylinder!  
Mit der „Hertzmaschine“ bringt Coppelius sein bisher steampunkigstes Album heraus, das sechste in der nun aufs Jahr genau 200-jährigen Kapellengeschichte. Auch wenn Coppelius wohl bereits für Steampunk stand, bevor dieser in den Fokus der Allgemeinheit rückte, ist es nach wie vor ein heikles Experiment, überall Zahnräder und Ventile anzuschrauben. Mehr Kraken, Luftschiffe und Maschinen hätten nicht sein dürfen, um den Duellen wegen Vorwurfs des „Mainsteam“ aus dem Wege zu gehen.

2014-08-23_coppelius_Bild_75040005Aber Coppelius wäre nicht Coppelius, wenn sie diesen Spagat nicht virtuos schaffen würden. So bleiben sie trotz der Luftschiffe und Dampfmaschinen ihren morbiden und romantischen Geschichten sowie ihrem durch klassische Instrumente dominierten Klang treu. Diesen bringen sie mit der Hertzmaschine voll wie nie auf die kleine runde Scheibe, so dass es eine reine Freude ist, den Bassschlägen und Celloläufen zuzuhören. Die instrumentale Reise im gleichnamigen Stück sei hier als lohnenswertes Beispiel für musikalische Weltenbummelei erwähnt. Ebenso trifft man natürlich alte Bekannte wie mysteriöse Damen im „Moor“, wahnsinnige Professoren mit riskanten Experimenten und den melancholischen Butler mit unter anderem einer wirklich herausragenden Ballade. „Sternenstaub“, wunderbar begleitet durch das bei Coppelius ungewohnte Klavier sowie Cello und Kontrabass, hat das Zeug, über die üblichen Szenegrenzen hinaus Spuren am Nachthimmel zu hinterlassen. Für Blumen mit ihren Köpfchen ist es in diesem Lied glücklicherweise einfach zu kalt. Jedoch war es wohl ein unerwarteter Zufall, dass ausgerechnet Eric Fish zu fraglicher Zeit auf dem Herrensitz logierte und dem nächtens eingenickten Komponisten den Zwischenteil einflüsterte, ehe das Stück seine ursprünglich klirrende Atmosphäre wieder aufnimmt und still und wunderbar sein Ende findet.

2013-08-23_Coppelius_Bild_3632Eigentlich dürfte man schon gar nicht mehr staunen, denn wie so oft schafft es Coppelius, jedes Lied mit einer Besonderheit zu einer Preziose zu machen. Spaziert auch manche Ballade behäbig auf dem Cembalo daher, darf man sich nie einbilden, ein Lied oder gar das Album nach zwei Minuten bereits einschätzen zu können. Die unterschiedlichen Einflüsse der beteiligten Herren sowie die zunehmend mutige Verzerrung der eingesetzten Instrumente machen das ganze Werk vielgestaltig und mit sehr unterschiedlichen Stücken gesegnet. Herrlich beispielsweise das von Max Coppella sprachlich virtuos hervorgebrachte quietschende und knarzende „Experiment“, das den Hörer auf eine explosive und sehr anschauliche Phantasiereise mitnimmt. Auch der Rhythmus, mit dem man Damen bei Coppelius aus dem „Moor“ errettet, ist erfrischend und würde auch einen Farin Urlaub erfreuen und zeigt deutlich, welch Klangfülle in den Köpfen unter den Zylindern herrscht. Neben dem gewohnt coppelianischen Klarinetten-Cello-Kammercore füllen die Hertzmaschine auch famos sinnfreie, doch stimmlich gekonnte A Cappella-Stücke über Tintenfische und den bei Coppelius nicht gänzlich unerwarteten Hang zur Zerstörung. Mit „Killers“ und „Black is the colour“ finden nicht nur zwei der wenigen englischen Stücke, sondern auch von treuen Fans sehnlichst erwartete coppelianische Klassiker auf der Platte Platz. Auch klassisches deutsches Liedgut wird mit „Es fiel ein Himmelstaue“ wieder vertont, musikalische Experimente wie „Contenance“ und „Konzert“ machen das Album anspruchsvoll und nicht zum nebenbei Berieseln.

2014-04-05_coppelius_Bild_6445Und immer wieder wirken atmosphärische Geräusche wie das Gewitter während der desaströsen Luftschiff-Reise oder das Rattern eines Dampfzuges positiv auf die Gesamtatmosphäre des Albums, die wie immer zwischen Genialität, Wahnsinn, Melancholie und Morbidität pendelt. Leider wird viel treibendes dampfendes Liedgut bereits zu Anfang verheizt, so dass das Tempo des Albums zwar hoch ansetzt, dann aber deutlich abremst, was beim ersten Hören verwirrt. Es nimmt jedoch schon zur Mitte hin erneut an Fahrt auf, um nach dem deutlichen Ende „Aus und Schluss!“ des „Musenkuss“ mit dem rezitierten Gedicht „Konzert“ einen meditativen Ausklang zu finden.

Das Artwork des Albums wird passend zum Inhalt ebenfalls industrialisiert. Waren noch beim „Extrablatt“ nostalgische Schnörkel auf antikem Grund am Werk, so wird es nun düster-mechanisch. Der Moloch der schönen neuen Welt lässt grüßen. Töne, Text und Mensch werden auf Millimeterpapier gebannt und in ihre Einzelteile zerlegt. Die Coppelianer selbst erscheinen unbekleidet wie die Probanden eines Experiments, vielleicht lassen sie aber auch einfach nur tiefer blicken, bis ins (fast) titelgebende Maschinenherz?

2014-04-05_coppelius_Bild_9427Ein langer Text braucht ein Fazit: „Hertzmaschine“ hält, was der Titel verspricht. Diese Maschine produziert akustische Schwingungen der feinsten Art und ist ein Album für alle – coppelianische Ersthörer, die sich von der Vielfalt des coppelianischen Schaffens mitreißen, aber auch alte Fans, die sich neu beeindrucken lassen wollen. Der Neuhörer wird vielleicht erst nach einer Weile bemerken, dass es keineswegs eine e-Gitarre ist, die am Mast des „Luftschiffharpunisten“ fräst, aber so bleibt die Freude beim Herausfinden. Kein Stück ist wie das andere, manches eingängig, anderes erst nach mehrmaligem Hören zugänglich. So bleibt das Album lange frisch, denn es gibt immer etwas zu entdecken. Um es mit Coppelius zu sagen: Es quietscht und es knarzt, so wie ich es mag!

Lieblingsstücke: Moor, Sternenstaub, Ein Experiment, Contenance

Tracklist:
1. Tragisches Ende eines Luftpiraten
2. Der Luftschiffharpunist
3. Moor
4. Harmonie
5. Herzmaschine
6. Sternenstaub
7. Reise
8. Ein Experiment
9. Glad to be dead
10. Contenance
11. Killers
12. Es fiel ein Himmelstaue
13. Des Bettlers Traum
14. Black is the Colour
15. Der Musenkuss
16. Konzert

Silberling vorbestellen: Beim coppelianischen Krämer oder auf Amazon 

Die Hörprobe zum Luftschiffharpunisten gibt es hier:

Aktueller Zinnober: CD-Release-Party mit Fanatikertreff und Maskenball, 30.01.15 in Berlin

Kommende Tour:
30.01.15 Berlin, Grüner Salon, Record Release Party
11.03.15 Osnabrück, Lagerhalle
12.03.15 Bochum, Matrix
13.03.15 Hamburg, Knust
14.03.15 Hannover, Musikzentrum
20.03.15 Berlin, LIDO
21.03.15 München, Backstage
22.03.15 Nürnberg, Hirsch
02.04.15 Stuttgart, Club Cann
03.04.15 Wien, Szene
04.04.15 Annaberg-Buchholz, Alte Brauerei
30.04.15 Magdeburg, Factory
01.05.15 Nohfelden/Bostalsee, Hexentanz-Festival
02.05.15 Leipzig, Werk 2
10.07.15 Flugplatz Ballenstedt/Harz, Rock Harz Festival
08.08.15 Hildesheim, M’era Luna

Autor: K. von Koriolis

Coppelius / Dark Current Fest Speyer

Interview Dark Current Festival

Dark Current Fest 2014 / Speyer 1WER steckt eigentlich hinter dem Dark Current Fest? Begriffe wie Rockwinzer und Rock im Wingert scheinen damit zusammenzuhängen, aber wer seid ihr genau? Und was macht ihr sonst so, wenn ihr nicht gerade ein Festival inszeniert?

Hinter dem Dark Current Fest steckt ein gemeinnütziger Verein, der Rockwinzer e.V. aus Bad Dürkheim. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und sind  in den unterschiedlichsten Berufszweigen tätig. Unser Hauptevent, das „Rock im Wingert“ findetbjeden Juli im Stadion Trift Bad Dürkheim statt. Mit beiden Festivals geben wir Nachwuchsbands die Möglichkeit, mit den „Großen“ aufzutreten und größerem Publikum ihr Können unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig sorgen wir neben der total überlaufenen Pop-Kultur für etwas musikalische Abwechslung in der Region.

WIE seid ihr auf die Idee gekommen, ein Festival und noch dazu eines im November drinnen zu veranstalten? Es ist ja nicht unbedingt eine übliche Jahreszeit und ein Hallenfestival stellt ja immer nochmal andere Herausforderungen an die Veranstalter als die üblichen Sommer-Wald-und-Wiesen-Festivals. Stichworte Markt und Stände, Übernachtungen, Bandbuchungen, und alles, was ich jetzt als Nicht-Festival-Veranstalter noch nicht bedacht habe…

In der Tat stehen wir vor einer großen Herausforderung. Es ist nicht einfach, bei dem Angebot an Festivals noch Publikum für ein weiteres zu begeistern. Sicher, der November glänzt nicht gerade mit Sonne und Hitze, jedoch sind wir in der Halle wetterunabhängig. Die Halle an sich ist fix und fertig eingerichtet, benötigt somit wenig Vorbereitung. Mit der Übernachtungssituation wurden wir total überrascht. Speyer ist zu dem Termin ziemlich dicht und die Fernreisenden haben Mühe, freie Zimmer zu finden. Ich schaue jede Woche durch die Angebote der Umgebung und poste sie auf unserer Facebookseite. Bands zu buchen war kein Problem. Einen Verkaufsstand haben wir auch. Insgesamt war die Resonanz auf Anfragen bzgl. Veraufsstände doch sehr gering, gleiches gilt für Sponsoren. Ein neues Event birgt Risiken, welche die meisten einfach nicht eingehen wollen.

WAS ist euch alles bei der Planung Kurioses passiert? Also wenn ihr jetzt am Stammtisch eine „Ihr glaubt es nicht“-Geschichte aus der Festivalplanung erzählen wollt, was packt ihr auf den Tisch?

Naja, in der Planung an sich eigentlich nichts. Erstaunlich ist allerdings, aus welchen Ecken unsere Besucher kommen. Wir haben Gäste aus Chemnitz, Wilhelmshaven und sogar den Niederlanden, um ein paar Beispiele zu nennen. Das ist schon ziemlich abgefahren. Wir hoffen, dass der Vorverkauf in den nächsten zwei Wochen nochmal richtig in Fahrt kommt. Je voller, desto doller. Nicht wahr? :-)

WANN könnt ihr euch entspannt zurücklehnen? Wenn die Gäste rein- oder eher wenn sie rauslaufen? Oder die Geldbündel gezählt sind? Oder gar nicht, weil es gleich mit der Planung für 2015 weitergeht? Apropos … ^^ verratet ihr uns da schon etwas? 

Zurücklehnen können wir uns, wenn alle Rechnungen bezahlt und wir nicht zu weit ins Minus gerutscht sind. :-) 2015 steht noch gänzlich in den Sternen. Wird 2014 ein Erfolg, so werden wir uns die Ergebnisse des Bandvotings anschauen, welches wir in diesem Jahr durchgeführt haben.

WO soll euer Festival mal hin? Wofür soll das Dark Current stehen, welche Lücke wollt ihr füllen? Und was wünscht ihr euch für die kommenden Jahre? Außer der Weltherrschaft natürlich, aber die wünscht sich ja jeder …

Wenn wir mal 4 Wochen vor Termin das „Ausverkauft“-Schild an die Tür hängen müssen, haben wir unser Ziel vorerst erreicht. „Dark Current“ steht schlicht für „Dunkelstrom“ und ist unter anderem eine Kenngröße bei Photodioden. Ich selbst kenn ihn aus der instrumentellen Analytik.

Das Team von dark-pictures.org bedankt sich ganz herzlich für das Interview und freut sich auf den 29. November :)
Aktuelle Infos über das Festival gibt es in Facebook hier: https://de-de.facebook.com/darkcurrentfest

Interview: K. von Koriolis

Coppelius / Schlosshof Festival 2014

Fairytale Festival 2014 / Osnabrück

2014-06-14_ThePorters_Bild_95293721Rocken im Schlosshof – Fairytale Festival 2014 in Osnabrück

Das vom AStA der Uni Osnabrück organisierte Fairytale Festival im Schlosshof zu Osnabrück ging 2014 in eine neue Runde. Am Samstag, den 14.06.14 trafen sich viele hundert Menschen im Inneren des idyllischen Schlosshofes zum kostenlosen Musikgenuss.

Nur durch die Getränkeeinnahmen finanziert, bietet das Fairytale dennoch hochkarätige Bands aus den Bereichen Rock, Punk, Ska und Metal. Dieses Jahr konnten unter anderem The Skatoons, Coppelius, The Sentiments und die Antilopen Gang gewonnen werden. Geschickter Trick der Veranstalter: Durch die zwei im Wechsel bespielten Bühnen auf den gegenüberliegenden Seiten des Schlosshofes ergaben sich für das Publikum kaum Wartezeiten.

2014-06-14_Budzillus_Bild_95801712Diese Geduld musste man dafür an den leider hoffnugnslos überlaufenen Getränkeständen aufbringen, bei denen teils nach einer halben Stunde noch kein Getränk zu kriegen war. Dafür gab es eine leckere und auch für Vegetarier ansprechende Essensauswahl, das Wetter spielte einwandfrei mit und die Stimmung war gut bis ausgelassen, aber immer friedlich. Einige Fußballfans fanden dank kostenlosem Eintritt ihren Weg in die vorderen Reihen, konnten aber schnell zur Räson gebracht werden und feierten schließlich fröhlich mit. Ein kleiner Merch-Bereich gab die Möglichkeit, die Musik frisch erhörter Favoriten und das günstige Fairytale-T-Shirt zu erwerben und durch den grasbestandenen Hof ließ es sich überall wunderbar in der Sonne sitzen und feiern. Für diejenigen, die nach zehn Bands immer noch nicht genug hatten, gab es im Anschluss noch eine Aftershow Party im Bastard Club, so dass am Ende ein wunderbarer Tag, Abend und Nacht in Erinnerung blieb. Gerne wieder!

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Das gesamte Album gibt’s auf Facebook: Fairytale Festival 2014

Coppelius / Club Zentral

Coppelius / Nachtleben Frankfurt am Main

„Coppelius ausgestöpselt“ und ein makabrer Tanz

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Ein Wochenende ganz unter coppelianischem Stern – mit einer Doppelpack-Veranstaltung für Freitag und Samstag, erfreulicherweise auch im Kombiticket zu erwerben. Es ging los am Freitag Abend in der sehr überschaubaren TheArter Gallery, einer sehr gemütlichen und familiären Location im tiefsten östlichen Berlin Lichtenberg, aber per S-Bahn sehr gut zu erreichen. Getränke, Licht, Merch und Kasse tummelten sich nebst schwarz behängten Bänken und Stühlen auf kleinstem Raum, was von Anfang an für Tuchfühlung sorgte. Nun sind die coppelianischen Fans zum Glück kein bisschen kontaktscheu, so wurde das Gewimmel auf den Bänken zum fröhlichen Bekanntschaftmachen genutzt und die Stimmung war bereits vor Beginn sehr ausgelassen. Die tollen Getränkepreise waren daran nicht ganz unschuldig. Den Auftakt machte der einigen schon wohlbekannte Szene-Verhöhner Christian von Aster, der die schwarzen Gestalten seit Jahren mit scharfem Blick beobachtet, um sie dann mit spitzer Feder und Zunge satirisch zu sezieren. Gekonnt vorgetragen brachten die ausgefeilten Texte die Menge zum Johlen, fühlte sich doch manch einer bei Erzählungen von Patchouli-umwölkten Lack- und Lederdamen fortgeschrittenen Alters an eigene Erfahrungen erinnert.

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In der Pause gab es Bücher zu erwerben und zu signieren, allerdings nutzten viele die kurze Unterbrechung, um dem alten Laster des Sauerstoff-Genusses nachzugehen, welches in der Enge des Clubs leider nicht gestattet ist. Bis dato waren allerdings keine Verluste zu beklagen, so dass es alsbald weitergehen konnte mit den Gästen des Abends, den Herren nebst Butler von Coppelius, die in ungekannter Form unplugged ihre Kunst unter Beweis stellten. „Coppelius ausgestöpselt“ war ein Hochgenuss. Alte wie neue Stücke in unbekanntem Klangkleid, oftmals bewusst noch verändert und in bis dahin nicht bekannter Form vorgetragen, sorgten für Gänsehaut beim Publikum und sichtlicher Freude bei der Kapelle. Besonderes Schmankerl war ein bislang nicht veröffentliches Stück, aber auch Klassiker wie Gumbagubanga bekamen ein völlig neues Percussiongewand, und das obwohl der Herr Nobusama einmal nicht hinter seinem Schlagwerk, sondern auf einem schlichten Cajon saß. Es wurde aber nicht nur Musik vorgetragen, sondern unter Leitung von Ina Kass vom Rocklabor-Radio wurden die Herren zu aktuellen Themen befragt. Sich gegen fünf anarchische Herren

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und ihren bisweilen schlecht gelaunten Butler durchzusetzen, schien nicht immer ganz leicht, aber ein großer Topf Bowle entschädigte für vieles. Die Frage zu neuen musikalischen Tonträgern wurde von Comte Caspar in gewohnt nebulöser Weise möglichst ungenau beantwortet, aber es klang ein Versprechen nach Neuigkeiten durch. Vielleicht die seit langem geforderte Live-DVD?

Die kulinarischen Gelüste der Anwesenden wurde auf höchst charmante und groteske Weise durch fiese kleine rote Getränke und einen großen Klops Hackfleisch befriedigt, welcher vom Butler kredenzt und auf einem Tablett durchs Publikum wanderte, auch Bowle wurde großzügig ausgeschenkt, man teilte Glas und Gabel. Ein weiterer Beitrag des

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Abends war die Präsentation der Videographie-Wettbewerb-Gewinner eines von Coppelius ausgelobten Wettbewerbes um das Stück „Reichtum“ von der neuen Platte „Extrablatt“. Die Gewinnervideos wurden auf Leinwand gezeigt, während ein kurzer Abriss der Entstehung besprochen wurde. Sieger des Wettbewerbs wurde Sarah G. mit ihrer witzigen Stop-Motion-Erzählung der Abenteuer des kleinen Lego Comte. Gegen später erklommen weitere mutige Fanatiker das Podium, stellten Fragen an die Band und tranken Bowle. So erfuhren wir, dass Herr Nobusama die Lieder am meisten bevorzugt, bei welchen er in Ruhe lauschen kann, da sein Schlagwerk schweigt. Herr Graf Lindorf plauderte aus dem Nähkästchen, wenn er nicht gerade mit seinem Cellobogen nach Bowlefrüchten tauchte und alles in allem lernte man die Herren Coppelius auf sehr persönliche und ehrliche Art kennen. Ein Abend der besonderen Art mit Liebhaber-Siegel für alle wahren Fans!

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Am Samstag erwartete uns ein Tanz der etwas anderen Art – La Danse Macabre im Ballhaus Berlin. Organisiert von der illustren Truppe von GothUnited, lokalisiert im alten und sehr pittoresken Ballhaus im Bezirk Mitte. Gut gelegen und sogar mit angrenzendem Hostel versehen, konnte man sich perfekt auf das Bekleiden konzentrieren, denn die Gäste hatten einem gehobenen Dresscode zu gehorchen. „Zeigt, was hinter eurer Maske steckt, welch dunkle Seite ihr des Tags verhüllt“ – man durfte sich auf angenehm exzentrische Gesellschaft freuen. Vom Buckligen über Sukkuben, tote Augenhöhlen und wild gehörnte Schönheiten bis hin zum unvermeidlichen Exorzisten war alles vertreten und gekonnt inszeniert.

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Das Ballhaus mit seinem im Stil der 20er-Jahre gehaltenen, teils originalen Interieur verströmte ein ganz eigenes Flair, von der Spiegelwand über die pittoreske Wendeltreppe bis hin zu original Tischtelefonen. Welche Freude, als sich herausstellte, dass diese tatsächlich funktionstüchtig waren! Tisch 17 ruft Tisch 46 zum coppelianischen Buffet! Die Fanatikerschaft hatte sich mal wieder nicht lumpen lassen und für das dem Ball vorausgehende Fanatikertreffen eine wahre Flut an Kaffeeshots und anderen Leckereien mitgebracht, wodurch kaum auffiel, dass die Location selbst keine kulinarisch-makabren Genüsse zu bieten hatte.

IMG_6736Doch nicht genug – neben Fressalien wartete die erste fanatisch-fantastische Coppeliade auf willige Teilnehmer. Vier Teams unter der Schirmherrschaft je eines coppelianischen Herren stellten sich mit vollem Körpereinsatz den scherzhaften und temporeichen Aufgaben. Vom Tee-Duell, das das Team um Sissy Voss nicht ganz überraschenderweise für sich entschied bis zu einem Butlerlauf und musikalischen Fragen gab es ungefähr eine Stunde lang viel zu lachen und zu erleben. Im Anschluss wurde das Ballhaus für die restlichen schauderhaften Gestalten geöffnet und mit Musik und Tanz ging es in den makabren Abend. Die Veranstalter boten ihren Gästen neben Seifenblasenkünstler und Walzertanzkurs mehrere Live-Acts sowie einen Fotostand, an dem man sich vor passender Kulisse professionell und kostenfrei ablichten lassen konnte.

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Die Gruppierung „Stimmgewalt“ trug einige ihrer Stücke vor und man durfte Comte Caspar noch einmal an den Tasten bewundern. Die Musik war angenehm gemischt, lediglich auf Lieder der Herren Coppelius wurde vergeblich gewartet und die wenigen Walzer ließen jedesmal die ganze gehörnte Bande aufs Parkett stürzen. Die Tanzfläche war bis in die späten Nachtstunden gut gefüllt und das vielfältige Getränkeangebot ließ wenig Wünsche offen. Fazit: Ein gelungener Abend, der trotz einigem Chaos in positiver Erinnerung bleiben wird! Die nächste Coppeliade kann kommen!

Text: K. von Koriolis

www.coppelius.eu
www.thearter.de
www.vonaster.de
www.gothunited.de

Coppelius / theARTer Gallery

Feuertal Festival / Wuppertal

 Ab ins Feuertal!

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Seinem Namen seit zehn Jahren alle Ehre macht das idyllisch zwischen Felsen und Bäumen gelegene Festival, welches erstaunlich zentral und doch grün im Wuppertaler Stadtgebiet liegt. In fußläufiger Entfernung vom Hauptbahnhof erstreckt sich das Festivalgelände hangaufwärts Richtung botanischer Garten und ist damit so gut erreichbar wie kaum ein anderes Sommerfestival. Als eines der letzten im Jahr muss es seinen Besuchern auch einiges bieten, um die bereits gesehenen Highlights zu übertreffen. Veranstalter, Unterkunft und Location geben dabei erfolgreich ihr Bestes. Die übliche angeschlossene Campingwiese fehlt aufgrund der städtischen Lage, dafür wird das historische Freibad „In der Mirke“ zum ungewöhnlichen, wenn auch abgelegenen Zeltgelände. Dass man nachts auf dem abschüssigen Gelände durchs Zelt kullert, wird durch Aftershow-Partys, warme Duschen, Frühstück und spaßige Planschbecken in außergewöhnlichem Ambiente wettgemacht. Das Festival selbst ist 2013 zum zweiten Mal zweitägig, was die recht zünftigen Eintrittspreise erträglicher macht. Wer allerdings einmal drin ist, bekommt Speis‘ und Trank zu fairen Preisen, somit ist dies auch wieder ausgeglichen.

Musikalisch gab es den eher mittelalterlich angehauchten Freitag sowie einen schwärzeren und härteren Samstag, beides allerdings gut durchmischt mit genügend Abwechslung für alle Ohren. Erwähnenswert sind auch die beiden Moderatoren, keine geringeren als Eric Fish von Subway To Sally am Freitag und Teufel von Tanzwut am Samstag.

Freitag, 23.08.2013:

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Den mittelalterlichen Anfang am Freitag machen vor bereits locker gefüllten Reihen die bayrischen Mannen und Frau Vivianne von Vermaledeyt. Nach einem rhythmus- und melodienreichen Einstieg gaben die Meister des Dudelsack und der Schalmei alles, um das Festivalpublikum zu begeistern, welches dies auch willig mit sich machen ließ. Ob Jean der Franzose jedoch das Versprechen, im Nachgang noch mit allen Interessierten zu trinken, überlebt hat, ist nicht bekannt.

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Ein zeitlicher Sprung ins späte neunzehnte Jahrhundert erfolgt mit dem gewohnt chaotisch-rasanten Auftritt der befrackten Herrschaften von Coppelius samt ihrem Butler Bastille, die Bühne und Zuschauerbereich mit einer wahnwitzigen Show und wohlchoreografierter Anarchie erfüllen. Besonders des Butlers Ausflüge ins Publikum sind legendär. Diesmal waren leider keine Sektgläser zur Hand, so wurde zu Esc. I der Sekt direkt vom Butler in die brav aufgesperrten Schnäbel gekippt. Viel zu schnell geht die Stunde coppelianischer Harmonien vorbei. Da capo!

Bei fünf Bands am Tag spielt ja jede Gruppierung erfreulich lang, so ist der Auftritt der Dritten im Bunde, Fiddler’s Green, mit einer starken Stunde schon fast ein eigenes kleines Konzert. Der gutgelaunte Folkrock der gebürtigen Deutschen gibt jedes Mal Anlass zu spontaner Freude und wildem Gehüpfe. Die ersten Reihen füllen sich zunehmend mit einem nackten Durcheinander aus Armen, Haaren und Trinkhörnern. Wie immer bleibt aber alles friedlich und die nach hinten ansteigenden Stufen ermöglichen einen unverstellten Blick auf die sechs, an eine durchgeknallte und gealterte Schulband erinnernden, Musiker.

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Mit zwei großen Bands endet der temporeiche erste Tag – den Anfang macht die Letzte Instanz, bei deren vielschichtigen Texten und Balladen auch mal ein paar Momente zum Innehalten dabei sind. Nichtsdestotrotz füllt sich das Halbrund vor der Waldbühne zusehends und die Atmosphäre wird dichter. Der Tag vergeht, aber es bleibt warm und angenehm. So lässt es sich gemütlich aushalten, bis die letzte Band des Tages, die alten Hasen von Saltatio Mortis das Feld betreten. Viele Stücke aus ihrer neuen Platte werden angespielt und selbst nach der frühen anwohnerfreundlichen Beendigung des Konzertes gegen zweiundzwanzig Uhr sind die letzten Töne nicht gespielt. Es vergeht keine Viertelstunde, da entern die SaMos den unteren Getränkestand, was diesem zwar die Einnahmen verhagelt, ein beglücktes Häufchen Fans jedoch mit einem außergewöhnlichen Festivalerlebnis in den Feierabend entlässt.

 

 


Samstag, 24.08.2013:

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Der Samstag fängt mit einem der vielversprechendsten Newcomer der Szene an – die Unzucht lässt mit ihren unverschämten und freizügigen Texten die Menge begeistert erbeben. Erst 2009 gegründet, machen sie bereits beim zweiten Album professionellen Gothic Rock bei gutem Sound und intensiver Bühnenpräsenz. Und Frontmann Daniel Schulz sollte man auch nicht zum letzten Mal an diesem Tag gesehen haben.

2013-08-24_Nachtgeschrei_Bild_1147Doch zuerst folgen die düsteren und schwarzbelederten Männer von Nachtgeschrei, deren Outfit schweres Metall vermuten lässt. Sie erfreuen jedoch die Mittelalter-Fraktion unter den Fans mit den typischen Instrumenten wie Drehleier und Dudelsack. Hinzu kommt, dass sie seit kurzem einen neuen Sänger ihr eigen nennen, der der Band ein neues Gesicht wie auch eine neue und andere Stimme gibt.

Härter geht es weiter – die silbernen Jungs von Stahlmann kommen ganz in der Tradition des Rammstein’schen Sounds daher, bringen aber eine seit neustem auch ungewohnt melodische Note zum Tragen. Ob Stahlmänner rosten?

2013-08-24_Stahlmann_Bild_4326Frontmann Martin lässt sich jedoch vom einsetzenden Regen nicht beirren und auch die Zuschauer nehmen es mit Gelassenheit und feiern ungetrübt weiter, besonders als es sich der Teufel höchstpersönlich nicht nehmen lässt, auf der Bühne zu erscheinen. Die harten Klänge von Stahlmann bereiten wunderbar das Feld für die Durchstarter der Szene, Mono Inc.. Das finden diese wohl auch, schließlich waren sie auch schon gemeinsam auf Tour.
2013-08-24_Mono_Inc_Bild_1475Mono Inc. legt die üblich rasante Show mit ihren dunklen, von elektronischen Klängen durchwebten Songs hin. Neu ist, dass Martin seit dem letzten Album auch auf Deutsch singt, was wohl das Interesse der Bildzeitung geweckt hat. Der ehemals freundliche Trommler und nun Gruftirocker Martin nimmt’s mit Humor und sorgt wie so oft mit seinen kurzen Anekdoten für herzliche Lacher im Publikum. Ein Wiedersehen gibt es mit Herrn Schulz von Unzucht, der mit Martin Viva Hades im Duett zum Besten gibt. Es haben sich alle offenbar sehr lieb, so viel wird da umarmt und geküsst.

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Derart aufgewärmt sind es nur noch ein paar Grad Unterschied bis zur folgenden Feuershow von Subway To Sally, die diese schon fast vorlegen müssen, um nicht hinter sich selbst zurückzustehen. Seit zwanzig Jahren sorgen die Mittelaltermetaller mit ihren eingängigen Texten und treibenden Melodien für wilde Eruptionen im Publikum. Ob Frau Schmidt feuerumtobt ein Violinensolo spielt oder Eric Fish selbst zum Feuerstab greift, bei Subway geht es immer heiß her. Mit einer inzwischen langen Reihe an wohlbekannten Hits sorgen sie für einen würdig heißen Abschluss des feurigen Festivals.

Autorin: K. von Koriolis

Coppelius / Feuertal Festival

Coppelius / WGT 2013

Hexentanz Festival / Losheim

Hexentanz – oder besser Regentanz?

Bei Outdoor-Aktivitäten Ende April ist natürlich immer mit wettertechnischen Überraschungen zu rechnen, aber diesmal wäre es wünschenswert gewesen, die Regengötter hätten sich nicht ganz so akribisch an die Vorhersage gehalten.
Der Freitag startete mit Regen – und einer neuen Location. In Losheim am See, einige Kilometer vom bisherigen Veranstaltungsort am Bostalsee entfernt. Idyllisch zwischen Wiesen und Wäldern am Hang gelegen, bietet sich eine durchaus passende Kulisse für Bühne, Mittelaltermarkt und großzügigen Zuschauerbereich. Einer der größten Pluspunkte ist das ansteigende Gelände, welches einen freien Blick auf die Bühne auch noch aus großer Entfernung gewährleistet. Bei schönem Wetter ein Päuschen auf der Picknickdecke und danach erfrischt ins Getümmel stürzen, so hatten es sich die Veranstalter sicher auch gedacht. Bei knöcheltiefem Schlamm wurde das Gefälle jedoch leider so mancher Festivalbekleidung zum Verhängnis und sorgte für den Einsatz von Gummimatten am zweiten Tag – der Golfrasen war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ein wenig angeknickt.

2013-04-26_Hexentanz_69eyes_Bild_12Der Freitag (26.04.2013)
Die Walpurgisschlacht am Freitag – der offizielle Auftakt zum rasenden Hexentanz – startete allem Wetter zum Trotz mit guter Laune und einem abwechslungs- und temporeichen Line-up. Jetzt erst recht, schien das Motto vieler Besucher und so tummelten sich schon bei den ersten Bands zahlreiche Feierwütige vor dem großzügig bemessenen Fotograben. Das Warm Up machte [soon], eine melodische Rock/Metal-Band aus Hamburg. Leider war der Bereich zur Bühne zu Beginn des Auftritts noch nicht fürs Publikum freigegeben, so dass der Band nichts anderes übrigblieb, als vor leerer Grasfläche zu starten. Ein unnötiger Patzer der Organisation zu Beginn, den die Band mit dem Kommentar „Ihr könnt uns zwar nicht sehen, aber zumindest hören“ überspielte. Spätestens bei Lord of The Lost waren aber alle, wo sie hinwollten, sei es an den zahlreichen Bier- und Metständen, vor der Bühne oder auf dem überschaubaren, aber vielseitigen Mittelaltermarkt. Mit ihrem letzten Stück Dry the Rain stießen sie natürlich beim Publikum, leider aber nicht bei den Wettergöttern auf offene Ohren. Ein Highlight des ersten Tages waren mit Sicherheit Van Canto, die Metal A Cappellaner, deren Schrabbel di Schrumm aus vielen Kehlen zeitweise vergessen ließ, dass sich außer einem Schlagzeug keine Instrumente auf der Bühne befanden. Klassiker wie Fear of the dark und Sabatons Primo Victoria hoben die Laune im Publikum merklich an. Im Anschluss bespielte uns die finnische Metalband 69 Eyes, die seit 2012 mit ihrem neuen Album X alle willigen Ohren mit ihren melodischen, sehr radiotauglichen Klängen beschallen. Die Apokalyptischen Reiter sorgten mit ihrer mitreißenden Bühnenshow für gewohnt ausgelassene Stimmung, die im wilden Bühnentanz einer Dame aus dem Publikum gipfelte. Peinlich für die Technik: der tonale Totalausfall über zwei Songs. Mit den Finnen von Sonata Arctica war eine weitere skandinavische Band am Start, die den Headliner für den ersten Festivaltag stellte. Mit leichter Verspätung bot sie für Ohren und Augen eine gute, melodische und, da englisch, verständliche Bühnenshow. Wölfe gehören hier sowohl musikalisch als auch grafisch zum unverzichtbaren Repertoire.

2013-04-27_Hexentanz_Maerzfeld_Bild_08

Der Samstag (27.04.2013)
Die eröffnende Band, Maerzfeld, auch unter dem Namen Stahlzeit als Rammstein Tribute Band bekannt, spielte ihre eigenen, harten und in Richtung Industrial gehenden Kompositionen. Die Stimmung war aber trotz ziemlicher Eiseskälte von Anfang an sehr gut. Die nachfolgende, estnische Gruppierung Metsatöll war eine weitere Hommage an das nordische Klischee der langhaarigen blonden Männer und ihrer harten Musik. Mit tiefen Stimmen spielten sie sehr hörbaren Heavy Folk Metal und versammelten eine gute Menge Publikum vor der Bühne. Den musikalischen Bogen zum NDH schlugen die silbernen Herren von Stahlmann. Mit harten Gitarrenriffs und mitreißenden Rhythmen ließen sie den Stimmungsfunken schließlich ganz auf die Zuschauer überspringen. Doch hatte man immer wieder mit tontechnischen Problemen zu kämpfen, was leider die Nachfolger von Coppelius mit ihren Kammerinstrumenten ebenfalls zu spüren bekamen. Mit aufwendigem Bühnenbild und adäquaten Outfits nahmen sie uns dennoch mit auf eine Reise ins unverhofft rockige 19. Jahrhundert. Immer schön im Wechsel – die nächsten Finnen warteten auf ihren Augenblick: Korpiklaani mit solidem naturverbundenen Folk-Metal. Vorletzte Band des Abends waren die allbekannten Mono Inc., die in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg vollbracht haben und im Herbst schon wieder mit einem neuen Album aufwarten – Tempo, Tempo! Dieses halten sie auch auf der Bühne ordentlich durch und werden mit einer stetig wachsenden Fangemeinde belohnt. Über Mangel an Fans kann sich der englische Headliner New Model Army auch nicht beklagen, als Veteranen des Rockgeschäfts, die seit den 70er Jahren dabei sind, hatten sie genug Zeit, die Leute für ihren Independent Rock zu begeistern. Einige vor allem jüngere Fans hatten dann aber nicht mehr genug Power für den letzten Auftritt eines langen matschigen Tages.

2013-04-26_Hexentanz_DAR_Bild_08Der Sonntag (28.04.2013)
Kalt, aber trocken. Die Eingangsband Lustkind bot Cello-Rock in Kombination mit E-Gitarre, durchaus hörenswert. Unzucht sorgte anschließend für ein wirkliches Stimmungsfest. Trotz der wenigen Zuschauer warf sich Sänger Daniel Schulz auf die ausgestreckten Hände und wurde sicher wieder an die rettende Balustrade getragen. Das nennt man Herzblut in der Fanbase! Spätestens bei Vogelfrey waren alle steifgelegenen Gelenke wieder warmgetanzt und so heizten sie das Publikum mit eingängigen Rhythmen und Melodien gut an. Witzige Texte und zur Abwechslung einmal eine gute Soundabmischung boten ein wunderbares Seh- und Hörerlebnis, auch zum Mitsingen. Die Reihen füllten sich zusehends, denn die Stimmungsrocker von Feuerschwanz und ihre leichtbekleideten Miezen kündigten sich an. Fröhliche Mittelalter-Musik zum Mitmachen, nicht zu anspruchsvoll – genau das richtige für ein Festivalpublikum, das schon den einen oder anderen Humpen Bier gehoben hat. Die Langzeit-Dark Waver Diary of Dreams boten im Anschluss gute Musikqualität zum Mitrocken. Stücke wie The Curse begeisterten die Zuhörerschaft und regten zum Mittanzen an. Leider sehr knapp bekanntgegeben: Ensiferum hat abgesagt. Als Ersatz trat die Pagan-Metal-Band Varg an. In Erinnerung blieben hier neben fliegenden Elementen wie Haaren, Toilettenrollen und Männer im Kuh-Kostüm die rot-schwarzen Bandmitglieder, die mit gutturalem Gesang und harten Rhythmen das Publikum warmhielten. Die Tontechnik hatte ihre Probleme wohl in den Griff bekommen, da der Sound zum Headliner Eisbrecher am Ende des Festivals wieder in gewohnter Qualität zur Verfügung stand. Fast eineinhalb Stunden Bühnen- und Effektshow waren ein Erlebnis für das ganze Publikum, ein Knaller zum Abschluss mit der Versprechung auf einen wundervollen Festival-Sommer!

Trotz Regen, Schlamm und Tontechnik – Daumen hoch fürs Hexentanz!

2013-04-27_Hexentanz_NewModelArmy_Bild_7762 2013-04-27_Hexentanz_Stahlmann_Bild_03 2013-04-27_Hexentanz_MonoInc_Bild_7704

Musikalisches Fazit: Gut durchmischt – an jedem Tag waren sehr sehens- und hörenswerte Bands am Start – und die Kombination von Newcomern und alten Hasen bringt jedem Ohr auch bis dato ungehörte Melodien nahe. Eine durchgängigere Moderation wäre wünschenswert gewesen – vielleicht etwas in Richtung Das Niveau oder Bastille von Coppelius.

Location: Schöne Umgebung, großer Pluspunkt für die ansteigende Wiese und den vielseitigen Markt. Mit See und Wald im Hintergrund haben nicht nur die vielen naturverbundenen Finnen einen würdigen Hintergrund für ihre Musik. Verpflegung: Erstaunlich viele Stände aus aller Herren Länder ließen keine kulinarischen Wünsche offen – eine lobenswerte Abwechslung zu reinen Bier-und-Wurst-Festivals. Lediglich bei den Getränken hätte man (oder besser Frau) sich ein wenig mehr Abwechslung in Richtung Wein, Sekt und Mischgetränke gewünscht.

Organisation: Durchwachsen – sehr freundliche Security, die offenbar auch ihren Spaß an der Musik hatte und uns souverän in unsere Bahnen lenkte, auch wenn wir nicht immer wussten, wo wir hinmussten (Meet & Wo?). Die Matschmatten hätten wir uns schon am ersten Tag gewünscht und dass eine Band vor leerem Rasen starten musste, war wahrlich sehr schade. Auch die Tontechnik hat noch Luft nach oben – aber es war ja immerhin das erste Mal an neuer Location, da sind Startschwierigkeiten verständlich. Mehr sanitäre Anlagen wären wünschenswert, aber hey – es gab warmes Wasser!

Autoren/Innen: K von Koriolis, Sheris v.d. Kauernburg

 

 

Coppelius / Hexentanz Losheim

Interview mit Herrn Comte Caspar / Coppelius


IMG_1121 Kurz vor der allgemeinen Bühnenvorbereitung treffen wir den Herrn Comte Caspar zu einem kurzen Plausch im Club Zentral und stellen unsere unverschämten Fragen. Das Prinzip entwendeten wir der Kriminologie, bei der man mit kurzen prägnanten W-Fragen den Tatort zügig erfasst.

Dark Pictures: „Also wir dachten uns, wir machen das ganz kurz und knackig.“

Le Comte Caspar: „Was ist denn das für ein Einstieg für eine Befragung? Das ist überhaupt kein Einstieg!“

Er holt tief Luft und beginnt mit dem Aufnahmegerät zu flirten: „Hoch verehrtes Auditorium, ich bin Comte Caspar, Klarinettist und Sänger der Kapelle Coppelius und heiße Sie herzlich Willkommen, heeeerzlich Willkommen – nein, das war nichts … herzlich WillKOMMmen – nein, das war übertrieben – herzlich Willkommen – ja – das können Sie nehmen, den Rest können Sie rausschmeißen. Ich heiße Sie herzlich Willkommen zu dieser spannenden und interessanten Befragung.“

wer

Dark Pictures (leicht beleidigt): „Sie halten das Interview nicht mit diesem Gerät hier, sondern mit mir. Sie nehmen meine erste Frage eigentlich schon vorweg – Wer sind Sie eigentlich? Wir haben uns nämlich nach dem kriminalistischen Prinzip 6 Fragen ausgedacht, mit denen man normalerweise einen Tatort begeht – nämlich: Wer, Wie, Was, Wann, Wo, Warum?“

IMG_1146Le Comte lächelt interessiert.

Dark Pictures:  „Wir stellen aber noch eine richtige Wer-Frage, uns interessiert nämlich brennend, wer eigentlich dieses wunderschöne „Plopp“ macht, wenn sich Ihre neue Litfaßsäule von einem zum anderen Fleck bewegt.“

Le Comte: „Die Litfaßsäule macht das. Ich kann das nicht – wenn ich das mache klingt das so (kurze Vorführung eines völlig unzureichenden Plopp): <<Blopf.>> Sissi Voss kann das besser. Aber das Geräusch stammt natürlich von der Litfaßsäule selber. Ich habe die galvanischen Feinheiten nicht ganz verstanden, aber wenn das Gerät im Raum verschwindet und einen Unterdruck hinterlässt, saugt es die Luft ein und deswegen macht es wohl dieses Plopp-Geräusch.
Aber ich bin ja auch Musiker und kein Ploppologe, daher kann ich das nicht so genau beantworten. Zu welcher Tafel gehörte diese Frage?

Dark Pictures:  „Wer.“

Le Comte: „Wer!“

Dark Pictures: „Wer macht dieses Plopp? Wir sehen die Litfaßsäule schon fast als neues Bandmitglied, deswegen wird sie persönlich angesprochen.

Le Comte: „Sie hat aber keinen Zylinder!“

Dark Pictures: „Aber da gibt es ja auch andere, die das nicht haben – und vielleicht kriegt sie ja bald einen?“

Le Comte: „Unwahrscheinlich. Aber ich habe etwas von einem 24-Zylinder-Antrieb gehört – im Maschinenraum – vielleicht zählt das.“

Wir staunen nicht schlecht. 24 Zylinder sind selbst für einen Asphaltproleten enorm. Angesichts dieses Beweises coppelianischer Überlegenheit gehen wir zur nächsten Frage über:

wie

Dark Pictures:  „Wir haben uns ein wenig irritiert gefragt, wie Sie immer auf diese gewaltverherrlichenden Texte kommen. Bei Ihnen sterben reihenweise die Leute an Armbrust- oder sonstigen Schussverletzungen, lauter tote Frauen. Wie kommen Sie da drauf, haben Sie da was zu verarbeiten und wie ist das eigentlich so mit der Vorbildfunktion?

Le Comte: „Also da muss man natürlich jeden Einzelfall einzeln betrachten, nicht wahr.“

Dark Pictures (denkt „Zeit vergeht, Zeit verrinnt“): „Ach herrje.“

Le Comte: „Wenn Sie jetzt „mitten ins Herz“ ansprechen, da wird ja überhaupt nicht die Gewalt oder der Tod verherrlicht. Im Gegenteil, das ist ein tragischer Unfall, der vom Schützen zutiefst bedauert wird. Und man möchte dieses Bedauern emotional in einem Lied darstellen und dies natürlich gut begründen, warum der arme Mörder jetzt so aufgelöst ist! Wenn er seinen Blumentopf umgeschmissen hätte, dann wäre es verständlich, dass er ein wenig traurig ist … womit wir auch schon bei der „Butterblume“ wären. Da stirbt aber niemand. Und das ist auch nicht schlüpfrig. Ich weiß nicht, wie man darauf kommen kann, bei diesem schönen, liebevollen, tröstenden Lied von Schlüpfrigkeit zu reden.“

Dark Pictures‘ hilfreicher Erklärungsversuch: Vielleicht wegen der Butter?

Le Comte irritiert: „Ich weiß nicht, was an Butter schlüpfrig sein sollte.“

Dark Pictures:  „Ich habe auch nie „schlüpfrig“ erwähnt, Sie haben davon angefangen.“

Le Comte: „Das schwirrt so durch die Kommunikationskanäle.“

Dark Pictures: „Apropos Kommunikationskanäle … moderne Kommunikation …“

IMG_1705Le Comte stolz: „… ja, ich bin jetzt auch im Internet! Ich habe ganz viele neue Freunde, da waren auch welche dabei, die ich kenne.“ Le Comte gerät ins Schwärmen: „Das ist ganz großartig, in diesem Internet kann man z. B. schreiben, Blubberblasen wären ganz toll. Und schon gibt es am nächsten Tag ganz viele Blubberblasenmaschinenkanisterchen. Es sind auch sogar noch drei übriggeblieben in Hannover. Hochverehrte Blubberblasenmitbringer, vielen Dank, dass Sie diese haben stehen lassen, die sind nicht verloren gegangen, die sind eingepackt und werden heute wieder ausgepackt und verteilt, damit die Blubberblume in einem stetig steigenden Blubberblasenmeer versinkt. So habe ich mir das gedacht. Vielen Dank! Dafür ist das Internet nützlich!“

Blubberblasen-Werbesequenz Ende.

was

Dark Pictures begibt sich auf dünnes Eis: „Was sagen Sie dazu, dass Sie von Herrn Coppella als der drittbeste Klarinettist bezeichnet wurden …?“

Le Comte: „Der DRITTbeste!?“

Dark Pictures begibt sich in Lebensgefahr: „… nach ihm selbst und Herrn Voss?“

Le Comte ist eine Viertelsekunde lang sprachlos: „Das ist eine Unverschämtheit, wann hat er sich das denn zuschulden kommen lassen?“

Dark Pictures: „Ach, das schwirrt auch so durch die Kommunikationskanäle.“

Le Comte mit Mordlust im Auge: „Ich hoffe für alle Beteiligten, dass das nur ein schlimmes Gerücht ist.““

Dark Pictures: „Ja, dementieren Sie das, oder wie?“

Le Comte entrüstet: „Ja. Das ist völliger Quatsch.“

Dark Pictures: „Sie haben es auch gar nicht nötig, das zu begründen?“

Le Comte: „Mein Klarinettenspiel steht doch hoffentlich für sich!“

Dark Pictures: „Ich habe gehört, Sie haben da auch eine Umfrage gestartet?“

Le Comte: „Eine repräsentative Umfrage mit einem großen Teil neutraler Nutzer, bei der EINDEUTIG und zweifelsfrei zutage kam, dass ich der bessere Klarinettist bin. Und das ist nun damit statistisch belegt!“

wann

Dark Pictures: „Dann wäre das damit geklärt. Es folgt die nächste Frage: WANN kommt eigentlich das neue Coppelius-Album heraus?“

Le Comte: „Das ist schon draußen! Das Extrablatt!“

Dark Pictures: „Sie HABEN schon ein neues Album? Ich bin fasziniert, erzählen Sie doch mal davon!“

IMG_2024Le Comte: „Ja, wir haben ja auch aus der Presse davon erfahren. Wir haben das Album zugespielt bekommen, haben es uns dann angehört und ich muss sagen, so schlimm ist es eigentlich gar nicht geworden. Herr Coppella macht es immer unnötig mies. Es waren ja auch eigentlich nur die Probeaufnahmen zu Probeaufnahmen zu Probeaufnahmen …“

*schnarch*

„… für Probeaufnahmen, um irgendwann einmal zu überlegen, vielleicht eine neue Produktion zu starten. Aber vielleicht, gerade dadurch, dass es so rohes Vormaterial ist, das gar nicht perfekt bis auf den letzten Ton ausgestaltet wurde, sondern mit allem akustischen Dreck, der da dabei ist, mit aller Wildheit und den spontanen „Ich-spiel-mal-schnell-ein-paar-Tönchen-dazu-ein“, wirkt es eigentlich ganz frisch.“

Dark Pictures erwacht: „Sie sagen also, hätte man Ihnen weitere 200 Jahre gegeben, wäre das noch viel brillianter geworden?“

Le Comte: „200 Jahre wären gar nicht nötig gewesen! Ein Jahrzehnt hätte schon gereicht, aber wer weiß, vielleicht wäre es gar nicht besser geworden. Vielleicht hätten wir es verschlimmbessert, vielleicht wäre es dann so perfekt geworden, dass es den Reiz des Ursprünglichen verloren hätte.“

Dark Pictures: „Wo wir doch vorher bei Brillianz waren. Wo kommen Ihnen denn eigentlich die besten Textideen, an welchen Orten … wie z.B. „Brillianz der Dominanz“?

Le Comte: „Naja, das ist einfach nur ein schöner Reim! Und in dem Lied geht es auch nur um einen Spaziergang in der Sonne. Wenn Sie in den Text hineinschauen, da ist absolut nichts Verwerfliches zu finden. Es ist ausschließlich eine schöne Spaziergangsbeschreibung…“

Dark Pictures:  „…mit Reimen auf „anz“.“

Le Comte: „… und einer wunderbar wuchtigen Basslinie!“

wo

Dark Pictures (wir insistieren): „Und wo kommen Ihnen dann die Ideen? Sind Sie dann auch wirklich spazieren gegangen durch die Sonne und dachten „Brillianz, Dominanz, Ignoranz“?“

Le Comte, der alte Romantiker, führt aus: „Ignoranz ist nicht dabei! Wissen Sie, so ein Spaziergang durch ein sonnendurchflutetes Wäldchen, ein laues Sommerlüftchen, ein plätschernder Bach, ein paar zwitschernde Vögelchen, da schwirren so viele Naturmelodien durch den Raum. Das klingt jetzt kitschig, ist aber so! Und wenn man dann ganz entspannt ist und der Geist sich entfalten kann und die Melodien im Kopf ihren Lauf nehmen, dann freue ich mich immer, wenn ich ein Notenblatt mitgenommen habe, um es aufschreiben zu können!“

Dark Pictures: „Sie sind also eigentlich ein naturverbundener Romantiker? Wenn man so an Butterblume denkt und jetzt diese Spaziergänge? Oder reisen Sie doch lieber schnell in Ihrer neuen Litfaßsäule?“

Le Comte (inbrünstig): „Ich kann Ihnen sagen, 12 Stunden in einer klapprigen Kutsche ist nicht romantisch! In der Litfaßsäule ist es ein viel angenehmeres und schnelleres Reisen. Und das hochverehrte Auditorium hat auch etwas davon, wenn wir entspannter, schneller, glücklicher, unzerstrittener auf der Bühne ankommen.“

warum

Dark Pictures: „Warum ist Ihr neues Album eigentlich so gesellschaftskritisch? Sie kritisieren die moderne Zeit, sie ist Ihnen zu schnell, die Kommunikationsmittel gefallen Ihnen nicht – mögen Sie die Welt eigentlich?“

Le Comte: „Es war mal entspannter. Wahrscheinlich spielen Sie auf „Welt im Wahn“ an. Das Stück stammt ja aus der Feder des Herrn Graf Lindorf und man muss sagen, dass er durchaus Recht hat. Alles muss heutzutage so hektisch gehen, keiner hat mehr Zeit, innezuhalten. Ich glaube, auf Dauer macht das die Menschen krank. Und dies hängt z.B. auch mit der „Spieldose“ aus der Feder des Herrn Max Coppella zusammen. Es trägt auch zur Hektik bei, dass die Leute ihre Spieldosen immer dabei haben und nicht mehr miteinander sprechen. Oder immer erreichbar sind für ihre Vorgesetzten, die dann oft abends noch irgendetwas wollen und die Menschen gar nicht mehr in Ruhe lassen. Da ist es ganz gut, die musikalische Position, die wir uns in den Jahren erarbeitet haben, auch mal zu nutzen, um solche Probleme anzusprechen.“

Dark Pictures: „Also eine Reflexionsmöglichkeit bieten, dass man auch mal über sein eigenes Verhalten nachdenkt, z.B. die eigene Internetnutzung?“

Le Comte: „Ja, aber ich würde nicht so weit gehen, dem Auditorium vorzuschreiben, was es für Schlüsse daraus zu ziehen hat und ob es überhaupt Schlüsse daraus zieht. Aber wenn natürlich der ein oder andere sich das Lied anhört und einen Moment innehält, dann haben wir schon viel erreicht. Und „Reichtum“ schlägt ja auch in eine ähnliche Kerbe. Ich finde, die Kunst hat die Aufgabe, den Zuschauern oder Zuhörern eine andere Sichtweise auf die Dinge zu eröffnen.

Man hört in den ganzen letzten Jahren immer „Kein Geld, zu wenig Geld, alles schlimm“ und dann sind plötzlich doch immer wieder Millionen da, um dieses oder jenes Unternehmen zu stützen. Aber dann heißt es wieder „Für die Kunst ist leider kein Geld da“ … es sollte einfach mal aufgezeigt werden, dass es reichtumsbezogen auch ganz andere Probleme gibt, dass es auch wirklich Leute gibt, die die Sorge haben, wohin damit, und die ganz einfach viel zuviel haben … naja, ich möchte jetzt nicht das Umverteilungskapitel aufschlagen, aber es ist vielleicht einfach mal ein angenehmer Gedanke für Leute, die sonst immer vom „Das kann ich mir nicht leisten“-Gedanken geplagt sind, einfach mal abzuschalten und nicht an das Loch im Portemonnaie zu denken.“

Es scheint dieses Thema dem Comte wirklich am Herzen zu liegen, aber draußen bibbern die Fans (die die sich Konzertkarten leisten konnten) und wir nähern uns dem Ende.

Dark Pictures: „Das heißt, im Großen und Ganzen mögen Sie die Welt und wollen auch noch die nächsten 200 Jahre so weitermachen? Nicht dass Sie aus all dieser langen Erfahrung heraus sagen, jetzt ist die Welt so furchtbar geworden, Schluss jetzt? Denn die kritischen Töne sind ja durchaus mehr geworden im Vergleich zu den älteren Alben.“

Le Comte: „Es hat ja auch immer etwas mit Inspiration zu tun für den Künstler. Wenn man ein spannendes Lied schreiben möchte, muss ja auch immer ein persönliches Anliegen, eine Idee dahinter stehen. Man kann nicht einfach so ein paar läppische Reime hinkloppen und das dann lieblos runtersingen.“
 Seine Augen glänzen, denn er hat einen Kalenderspruch erfunden: „Wissen Sie, ein gutes Lied ist wie ein Eisberg. Und die Spitze vom Eisberg ist das, was man von dem Lied mitbekommt. Wie bei „Glanz und Eleganz“, wo vielleicht DOCH mehr dahintersteckt. Es macht ein gutes Lied aus, wenn man viel Geschichte und Ideen im Kopf hat, Handlung und Charaktere, aber man nur den interessantesten, wirklich erzählenswerten Teil in das Lied bringt. Der Rest ist als Unterfütterung vorhanden, das gibt den auftretenden Personen und angesprochenen Sachverhalten mehr Tiefe.
Irgendwas wollte ich noch sagen … ach ja, zur modernen Zeit! Die moderne Zeit hat ja nun auch ihr Gutes … wenn ich an die neue Klangtechnik denke…“

Dark Pictures: „…ah, der Tonabnehmer!“


IMG_1134Le Comte ist bei seinem Lieblingsthema angekommen:
„Genau, die neuartigen galvanischen Gerätschaften mit ihren wunderbaren Impulsantworten, die –Sie werden es heute Abend hören – die Klarinetten viel mehr nach Klarinetten klingen lassen, obwohl sie galvanisch amplifiziert sind. Ich habe heute übrigens einen neuen klanglichen Effekt, und zwar ein Bandecho. Das ist eine unglaublich tolle Sache, da läuft ein kleines Band von einer Kassette immer im Kreis, es wird also wiederholt und man kann die Geschwindigkeit des Bandes ändern. Das heißt, je schneller man es abspielt, desto höher wird der Ton, je langsamer, desto tiefer.
Das macht dann so Tuuut tuuut tuut tuut tut tutututut tuut tuuut tuuuuut tooooooot booooop. Ein unglaublich großer Spaß! Sie werden es heute hören, wenn ich mit Cellolitis zusammen spiele und vielleicht mache ich es als Spaß zwischendurch mal, aber das dürfen die anderen nicht mitbekommen.“

Akustischer Beweis oben genannter Klarinetten-Effekte / Anmerkung der Redaktion

Dark Pictures völlig geplättet von den akustischen Fähigkeiten des Comtes und seines Tonabnehmers: „Herzlichen Dank!“

Le Comte: „Ja dann, hochverehrtes Auditorium: Coppelius hilft!“

Coppelius / Club Zentral

Coppelius – Videographiewettbewerb Reichtum / Outtakes


Ein Teil dessen, was es nicht mehr ins Video geschafft hat – aber doch zu schade zum wegwerfen war :)

Rezension „Coppelius – Extrablatt“

CoverExtrablatt! Extrablatt!

Neuigkeiten erster Klanggüte! Kaum 200 Jahre ist es her, da taten sich die Gründerväter des gepflegten Kammercore zusammen und brauten in ihren düsteren Hallen gar „rasende Musik“ (Zitat E.T.A Hoffmann). Die Welt scheint wie im Wahn, denn gerade einmal drei Jahre sind seit dem letzten „Zinnober“ vergangen, und schon wieder lässt sich ein druckfrisches Werk aus dem Hause Coppelius in den Händen halten. Da lohnt fast ein Abonnement.

In der Zwischenzeit waren die fünf Herren nebst Butler schwer beschäftigt mit zahlreichen Auftritten und musikalischen sowie Duellier-Experimenten. Umso erfreulicher ist es, dass keine Ermüdungserscheinungen auftreten – das neue Stück coppelianischer Musikgeschichte kommt angenehm rasant daher. In der Sonderausgabe zeitungsähnlicher Manier warten nebst einem allerliebst gestalteten Faltblatt zahlreiche rhythmusgeladene Stücke voller Energie und Tempo, wie man sie von Coppelius kennt und liebt.

Hat man die Scheibe aus ihrer grafisch ausgereiften und charmanten Zeitungsverpackung befreit, bleibt nur noch das Einlegen in den modernen Grammophonspieler und: Öhrchen aufgesperrt!

FlyerWas zirpt so leis‘ und poetisch ins Ohr – aber ja, die Spieldose ist’s! Jedoch – harsche Kritik, ein jeder sollte sich an die Nase fassen, falls er noch weiß, wo diese liegt. Wir stieren nur mehr auf unsere kleinen Geräte und laufen so an der größten Liebe vorbei, so verkündet der Herren Butler. Nicht genug der Kritik, es rauscht die Welt im Wahn vorüber, der Reichtum bis zur Dekadenz lässt den Reichen fast erbrechen vor Überdruss und der moderne Ellenbogen-Mensch, der so gerne Speichel leckt, kriegt auch ein ordentliches Quentchen Fett weg. Holla, die grüne Fee, das sind deutliche Worte, gerade von den Herren, die sonst der modernen Welt gerne den befrackten Rücken zeigen und sich gepflegt vor dem Frühstück duellieren.

Aber keine Sorge, es wären nicht die Herren von Coppelius, wenn sie nicht der Damen Vorzüge aufs Herzlichste besingen würden und die Liebe zu – leider meist vergebenen Herzensdamen – wird genüsslich zelebriert. Auch wenn die ein oder andere Liebste in gewohnter Manier danach nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Die zahlreichen tempostarken Stücke werden um einige melodische und melancholische Balladen ergänzt, und das Subway-to-Sally-Cover Maria ist sicher ein würdiger Anwärter für einen herzensbrechenden Konzert-Abschluss. Drei englische Titel strecken leise die musikalischen Fühler in die internationale Welt aus – so, endlich, der wunderbare Coppelius-Klassiker Running Free.

Musikalisch – was soll man sagen. Wo schon dem guten E.T.A. die Ohren schlackerten, können unsere eigentlich nur noch vor Verzücken abfallen. Deutlich erkennt man den coppelianischen Geist auf den ersten Klang: Den typischen tiefen Rhythmen von Cello und Kontrabass bleibt Coppelius in seinem neuen Werk ebenso treu wie den wilden Läufen der Klarinetten und klaren Stimmen. Dennoch – vieles wird eingängiger. Die Instrumente weben feine Linien umeinander, aber deutlich erkennbar und prägnanter als bei manchen früheren Werken. Die Herren sind – so das überhaupt möglich ist – noch erwachsener geworden. Ihre Virtuosität und der Abwechslungsreichtum besteht darin, dass jeder seinen Platz kennt und sich dennoch einen Spaß daraus macht, diesen zu verlassen und froh herumzuspringen. Kennt man dies schon aus dem Sanatorium, so endet die vorliegende Veröffentlichung mit dem liebgewonnenen coppelianischen Mumpitz. Liebe Kinder, Finger weg von meinem Absinth!

Aber bevor wir zuviel verraten, der langen Rede kurzer Sinn, das Fazit: Poesie mit Getöse. Wer gerne rhythmisch den Kopf schüttelt und des Metals süße Härte liebt, wird bei Coppelius ebenso fündig wie der Liebhaber gepflegten Musizierens. Denn bei allem Übermut und elektrischer Verstärkung bleibt deutlich: Hier werden klassische Instrumente beherrscht! Klanglich gereift, abwechslungsreich und optisch stimmig lässt dieses Werk wenig zu wünschen übrig. Ein Wermutstropfen (ja, der wird auch gekippt!) ist lediglich, dass die Hälfte der Lieder bereits vorab bekannt war und trotz zahlreicher Stoßgebete die wundervolle Klavierversion des „Rightful King“ es nicht aufs Album geschafft hat. Aber wer die Herren kennt, weiß dass sie für die ein oder andere Überraschung gut sind und so bleibt die gespannte Erwartung, was sich ihre verrückten Köpfe unter den hohen Hüten als nächstes ausdenken.

Text: K. von Koriolis

 


 

Gesamtnote: 9 von 10
Klang: 10 von 10 (abwechslungsreiche Stücke, saubere Aufnahmen mit einem famosen Tonabnehmer^^)
Texte: 9 von 10 (pointierte, ironische Texte, meist stilistisch einwandfrei)
Optik: 9 von 10 (grafisch und optisch sehr ausgereift, lediglich die Schrift im Booklet ist ohne Monokel schwer zu entziffern)
Liedauswahl: 10 von 10 (ausgewogene Mischung aus treibenden, schnellen Stücken und Balladen)

Artwork

Tracklist:

01. Spieldose
02. Welt im Wahn
03. Reichtum
04. Bitten Danken Petitieren
05. Locked Out
06. Butterblume
07. Keine Kamera
08. I’d Change Everything
09. Glanz und Eleganz
10. Glaubtet Ihr?
11. Mitten ins Herz
12. Running Free
13. Geschwind
14. Maria

Aktueller Zinnober: Ein Videowettbewerb zum neuen Stück „Reichtum“

Silberlinge vorbestellen: Beim coppelianischen Händler (dessen Postkutsche immer ein wenig ihrer Zeit voraus ist)

Mumpitz / Coppillus Linfluenzia Sissylys

Die Coppillus Linfluenzia Sissylys, auch Coppelianische Grippe genannt, ist eine durch den Coppillus-Bastillus hervorgerufene Infektionskrankheit beim musikalisch interessierten Menschen.
Die Coppillus-Bastillen sind hoch infektiös und haben eine langanhaltende Lebensdauer von geschätzt zweihundert Jahren. Nach Schätzungen werden bis zu 99% der ihnen direkt ausgesetzten Menschen unmittelbar infiziert. Die Inkubationszeit beträgt wenige Sekunden, meist vom Intro des erstgehörten Liedes bis zur Mitte der ersten Strophe. Während der gesamten Erkrankungsdauer ist mit der Sekundär-Infektion von Freunden und Bekannten zu rechnen.
Der Bastillus dringt durch die Ohren ins Gehirn, infiziert sofort Herz und Verstand und beeinflusst Sprech-, Sing- und Verhaltensweisen der Erkrankten.
Der Bastillus ist unempfindlich gegen Ohrenstöpsel, Raubkopien und bleibt auch bei längerer Ruhepause hoch infektiös. Wer einmal an der Coppelianischen Grippe litt, erleidet bei erneutem Hören unmittelbare Rückschläge.
Die Betroffenen leiden an verschiedenartigen Symptomen, am deutlichsten zu erkennen ist das zwanghafte Tragen hoher steifer Herrenhüte zylindrischer Form. Des weiteren verfallen die Erkrankten in fanatische Raserei, sobald sich weitere zylindrische Hüte in Reichweite befinden oder coppelianische Klänge ertönen. Ausgeprägtes Kopfschütteln, Comtetatöse Zustände sowie unartikulierte Tonabsonderungen gehören ebenfalls zu den häufigsten Symptomen. Erreicht die Copp. Grippe ihren Höhepunkt sowie bei besonders schweren Fällen ist mit einer erhöhten Wanderlust der Patienten zu rechnen, die sie unweigerlich in die Aufspielorte des Infektionsherdes des Coppillus-Bastillus führen. Nach einem erneuten Aussetzen einer großen Dosis des C.-Bastillus ist mit einer max. Coppellarthritis (Schmerzen im Nacken- und Fußbereich) zu rechnen, bei vielen Erkrankten auch mit mittelschweren bis dramatischen Melancholie-Schüben, dem sog. „Konzert-Blues“. Zu lindern sind diese Symptome lediglich durch den offiziellen Impfstoff, eine abgeschwächte Form des C.-Bastillus. Zu finden ist dieser auf verschiedenen flach gepressten Tonträgern, und ist am besten unmittelbar nach den ersten Entzugserscheinungen durch einen ausgebildeten Nobusamariter zuzuführen.
Die Coppelianische Grippe ist unheilbar, jedoch durch Zuführen des Impfstoffes behandelbar und aufgrund der steigenden Fälle von Erkrankungen (laut WHO besteht eine verminderte Ansteckungsgefahr lediglich für Gehörlose) ist in näherer Zukunft mit einer Impfstoff-Übernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen zu rechnen. Das Einreichen von Tonträger-Rechnungen mit Hinweis auf die obenstehende Erkrankung ist allerdings bis dato nicht erfolgreich.

Mumpitz by K. von Koriolis

Impressionen Copplius / Annaberg-Buchholz

Coppelius / Annaberg-Buchholz

Konzertbericht Coppelius / Annaberg-Buchholz

Der Jahresabschluss der Herren Coppelius in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz hat Tradition. Zum bereits zehnten Mal in Folge erklangen die coppelianischen Instrumente und Stimmen Ende Dezember in der sympathischen kleinen Location im Erzgebirge.

Die alte Brauerei ist Jugendhaus, Veranstaltungsort und „soziokulturelles Zentrum“. Bespielt wurde ein eher kleinerer Raum mit gemütlicher Bühne. Für eine vielköpfige Band wie Coppelius heißt es da Zusammenrücken und auch die Fans waren dicht gedrängt. Ein ebenso großer Nebenraum mit Bar und Sitzgelegenheiten entzerrt das Ganze und bietet eine kurzzeitige Fluchtmöglichkeit.

Einziges Manko der Location: Der Nebenraum war vor Einlass verständlicherweise für die Bands reserviert. Ende Dezember ist das Warten im Freien jedoch nur mäßig angenehm. Tipp aus der Konzerte-Trickkiste: Glühwein hilft beim Aufwärmen und verkürzt die Wartezeit.

Um 21 Uhr Startschuss zu einem Kurzauftritt der Fan-Gruppe „Roseelius“, die im letztjährigen coppelianischen Interpretationswettbewerb um das Stück „Das Amulett“ den dritten Platz belegten. Der Preis bestand in einem Live-Auftritt mit dem prämierten Stück. Mit Querflöte, Klarinette, Gesang und einem kurzfristig eingesprungenem Glockenspiel erklang das Stück vom Album „Tumult“ von 2009. Einzig die Technik spielte einen kleinen Streich: Eine dem Wahn verfallene Nebelmaschine verhüllte große Teile des Ensembles und führte zu unfreiwilliger Komik.

Butler Bastille kündete uns die darauffolgende offizielle Vorband an: Eden weint im Grab. Bitte nicht das Verb vergessen, sonst drehen sie sich in ebenjenem um.

Eden Weint Im Grab (abgekürzt EwiG), eigentlich eine deutsche Gothic Metal-Band, spielte hier akustische Versionen ihrer Lieder und lud zu einer düsteren, burlesken Geisterstunde mit den Klängen eines E-Cellos, einer Violine, zweier Akustikgitarren sowie Schlagzeugs. Dazu sang der langhaarige (was auch sonst ) Sänger mit dunkler, manchmal kratziger Stimme schwarzhumoristisch angehauchte Stücke von Tod und Düsternis. Einer der Höhepunkte war sicherlich der Auftritt des coppelianischen Herren Le Comte Caspar, der mit seinem Klarinettenspiel die „Moritat des Leierkastenmannes“ auffrischte.

Coppelius begann mit wohlvertrauten Klängen und erfreulichem Tempo sein Bühnenspektakel. Nach dem Diener stürmten die Meister des Kammercore die Bühne: Graf Lindorf am Cello, Sissy Voss am Kontrabass, Herr Nobusama am Schlagwerk, die Herren Max Coppella und Comte Caspar an der Klarinette (jeder hat eine, Gott bewahre!) und Butler Bastille an Triangel und Percussion. Gesungen wird im Wechsel von den drei letztgenannten. Zum Abschlusskonzert der Zinnober-Konzertreisen gaben die Herren noch einmal alles. Trotz steigender Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wurden nahezu nur temporeiche, schnelle Stücke gespielt, oft folgte der Übergang nahtlos und Menschen auf und vor der Bühne kamen ganz schön ins Schnaufen. Wie gewohnt stieg Le Comte auch einmal von der Bühne herab und spielte sich durch die Menge bis zum Mischpult im hinteren Bereich. Interaktion wird großgeschrieben bei den Herren aus dem neunzehnten Jahrhundert. Wer schon immer mal im Takt auf ein Becken eindreschen oder sein Haupt auf der Bühne schütteln wollte, wird bei dieser Band beglückt. Utensilien der ersten Reihe werden gerne kurzzeitig entführt und ins Bühnengeschehen eingefügt, in Annaberg wurde so das Schlagwerk-Solo des Herrn Nobusama seifenblasentechnisch in Szene gesetzt.

Zur Freude vieler langjähriger Fans fand auch das in Kürze veröffentlichte, ungeduldig erwartete vierte Album namens „Extrablatt“ seinen Weg in die Setlist. So wurden zwei Stücke namens „Welt im Wahn“ sowie „Reichtum“ dem geneigten Publikum dargebracht. Letzteres verdient besonderes Augenmerk, riefen doch die Herren zu einem zugehörigen Videographiewettbewerb auf. Bis Anfang Februar gilt es, angemessene Bild- zu den Klangwelten zu erschaffen.

Doch weiter im Text: Den Herren sieht man ihre zweihundert Jahre wahrlich nicht an, vor allem Max Coppella überrascht durch akrobatisch anmutende Leibesübungen. Der legendäre Streit um erste oder zweite Klarinette ging nun vorgestern ins zweihundertundzehnte Jahr und ist bis dato ungeklärt. Die Rivalität der beiden wird auf der Bühne aber ungebrochen zelebriert und so bietet die coppelianische Bühnenshow wie immer schauspielerischen Hochgenuss und ist mit ihrem Detailreichtum ein wahrer Augenschmaus.

Nach einer durchgehend temporeichen Show (langsamere Stücke wie 1803 oder Ade mein Lieb wurden diesmal nicht gespielt) waren Band wie Publikum ziemlich eingeweicht, fehlt es der Brauerei doch leider an einer ausreichenden Belüftung für eine vielhundertköpfige begeisterte Truppe. Gleichwohl wurde die Band aber nicht sang- und klanglos entlassen, sondern nach den obligatorischen Da Capo-Rufen gaben sie immerhin eine Zugabe von drei Stücken.

Wer nun eine der zahlreichen Waren der coppelianischen Krämerin Kunigunde von Heller signiert haben wollte, wurde wie immer nicht enttäuscht. Nach einer kurzen Umzieh- und Abbaupause zeigten sich die Herren zu einer ausgiebigen Plauderstunde, bevor sie sich zu später Stunde wieder in ihre abfahrtbereite Schlafwagen-Kutsche schwangen.

Fazit: Ein ausgesprochen gelungener Jahres- und Tourabschluss, der nach Wiederholung ruft und die Vorfreude auf das neue Album schürt. Wer einmal dabei war, wird es wieder sein und die Kunde wird eifrig ins Land getragen. Ich befürchte, die Brauerei muss bald anbauen!

Setlist Coppelius am 29.12.2012 in Annaberg-Buchholz

1. Transilvania
2. Der Advokat
3. Risiko
4. Dreaming
5. Nachtwache
6. Rightful King
7. Murder in the Rue Morgue
8. To my Creator
9. Urinstinkt
10. Ouvertüre
11. Reichtum
12. Esc. I
13. Lilienthal
14. Welt im Wahn
15. Outlaw
16. Innocent exile
17. Die Glocke
18. Schöne Augen
19. Habgier
20. Der Handschuh

Da Capo
* Running Free
* Time-Zeit
* Operation

Bericht von K. von Koriolis

Zu den Bildern von:
Roseelius
Eden weint im Grab
Coppelius

Coppelius / Amphi

Coppelius / Hexentanz Festival

Coppelius / Kammgarn

Konzertbericht Coppelius / Kammgarn Kaiserslautern

klein_cellolitis1 klein_cellolitis2Aah, endlich wieder auf Reisen!

Der Hut, besser gesagt der Zylinder, meldet sich zurück.
Auf dem Kopf der K. von Koriolis durfte ich heute ein ganz besonderes Stück Kultur genießen.

COPPELIUS – den betagteren Herrschaften unter Ihnen sicher ein Begriff, zumindest jenen, die bereits an der Eröffnung der ersten Marzipanfabrik anno 1806 teilnahmen. Das Sahnehäubchen auf dem musikalischen i ist die VorbandCellolitis, bestehend aus Nikolaus und der wohlgeformten Umbra.

Die Herren Coppelius halten sich seit nunmehr gut 200 Jahren dank ausgiebigem Absinthgenuss und täglichem Gumbagubanga-Tanzen erstaunlich fit und beglücken die neuste Generation ihrer Hörer mit ungewohnten Klängen, wie sie sonst selten aus Celli, Kontrabässen und Klarinetten zu hören sind.

Als Kind allesamt in den großen Topf mit dem Wahnsinn gefallen, entstiegen sie diesem mit fulminantem Getöse aus vielerlei Klangkörpern und mit wahnwitziger Mimik.

Aber beginnen wir vorn, bevor ich mich vor Freude gleich selbst zusammenklappe.

Ein kurzer Sprint durch den Regen bescherte uns nur kurze Blicke auf das Kammgarn, eine alteunter Denkmalschutz stehende Industriestätte mit hohem Backsteinturm, die seit den 80er-Jahren nebst Fachhochschule und Gartenschau Kultur verschiedenster Art beherbergt. Nun werden im Innern nicht mehr Textilien, sondern Träume gewoben und einem solchen wohnten wir bei.

Den Auftakt machten zwei Herrschaften aus Berlin: Der schlaksige Cellist Nikolaus Herdiekerhoff und seine (eine) Freundin aus Holz namens Umbra füllen das Kammgarn mit gar wunderlichen Klängen. Wer je zweifelte, ob ein Mann und sein Cello ausreichen, eine zwei- bis dreihundertköpfige Meute zum Aufgehen in der Musik zu bringen, dem werden diese Zweifel schnell aus den Ohren und dem Bauch gespielt.
Dieser Mann kann es! Sich selbst auf dem Cello begleitend, spielt er eine Tonspur nach der anderen live ein und begleitet sich selbst in immer größerer Klangfülle. Dass dabei durchaus mal sein Spiel fortgeführt wird, während er sich am Kopf kratzt, führt zu Erheiterung im Publikum und ist Teil der Show. Trotz der großen Klänge durch Verstärker & Co. wirkt der Auftritt spontan, ehrlich und hat den Straßenmusiker-Charme noch nicht verloren. Von düsteren Klängen bis harmonischen Weisen ist alles dabei, und ob nun Angela Merkel uns aus dem Off erschreckt oder das Cello vor Freude quietscht – man wird hier Zeuge einer durchaus harmonischen Beziehung. Möge da mal die andere Freundin (aus Fleisch und Blut) nicht eifersüchtig werden! Normalerweise erlaubt es keine Frau, dass ihr Freund einem anderen weiblichen Wesen solche Klänge entlockt wie Nikolaus seiner Umbra.
Selbst ganz bezaubert von der Begeisterung, die von Anfang an im Publikum herrschte, gaben Cellodame und Cellist einen hervorragenden Auftakt, so dass auch die angekündigten anderthalb Stunden des schreckenerregenden Übungsstückes schnell vergehen. Besonderes Schmankerl: Le Comte Caspar in voller Bühnenmontur ließ sich zu einem gemeinsamen Stück „Begala e vena“ blicken. „Vena läuft weg“ – wir werden das bestimmt nicht tun!

So harren meine Artgenossen und ich auf den zahlreichen Köpfen der Anwesenden des Hauptacts, der noch eine ganze Weile auf sich warten lässt. Durchaus verständlich, denn immerhin müssen fünf Herren gebügelt und gestriegelt und für ihren Auftritt gnädig gestimmt werden – und das nur von einem Diener! Dieser sichtet auch vorab die dunkle Bühne, nur mit einem kleinen Lichtlein bewaffnet und gibt sie endlich frei für – COPPELIUS!
Volle Energie voraus, dieser Satz wurde nicht im 22. Jahrhundert von Captain Kirk erfunden, nein bereits drei Jahrhunderte vorher wurde dies schon von einigen Musikern zelebriert, die immer für eine Überraschung gut sind. Die umfangreiche Bühnenshow gehört dazu und so kommen wir in den Genuss eines verschmitzt grinsenden Dieners Bastille, der sich das Schlagwerk des Herren Nobusama unter den rostigen Nagel reißt. Der lässt sichs gern gefallen, darf er doch so einmal in voller Mantelpracht auf der Bühne posieren und seine Stimme hören lassen – zum schönen Stück „Running free“, das unverschämterweise anderthalb Jahrhunderte später von einer ungewaschenen Hochstapler-Gruppe namens Iron Maiden geklaut wurde.
Bald befinden sich jedoch alle wieder an ihrer gewohnten Position – will heißen, die Klarinettisten Comte Caspar und Max Coppella springen mehr oder weniger synchron an allen möglichen und unmöglichen Stellen auf, über und hinter der Bühne herum, flankiert von den Holzstreich-Virtuosen Graf Lindorf am Cello und Sissy Voss am Kontrabass, die neben ihren Instrumenten auch ihre Gesichtszüge zu ungeahnten Entgleisungen führen. Nobusama thront hinter seinen mannigfaltigen Schlagzeugen, die stilecht von einer wahrhaft altbackenen Beleuchtung inszeniert sind. Diener Bastille tupft Schweiß und Sektflecken, manchmal auch mit demselben Tuch, füllt den Flüssigkeitshaushalt der Herren mit allerlei Getränken auf und singt nebenbei einen Gutteil der Stücke. Dabei wird auch immer wieder das Publikum zum Einsatz gebeten, auch wenn das Wort Gum-Ba-Gu-Ban-Ga für viele etwas zu hoch scheint. Macht nichts, was man nicht singen kann, tanzt man und unter Anleitung des allzeit bereiten Allround-Bediensteten Bastille tut sich der Traditionskreis zu Ehren des Zauberers Gumbagubanga auf.

Man bewundert während des Konzerts nicht nur das minutiöseZusammenspiel, sondern auch die auf den Punkt choreografierte Show. Max Coppella läuft scheinbar vertieft in eines der zahlreichen Klarinettenduelle mit dem Comte auf der Bühne herum, um taktgenau für seinen Einsatz wieder am Mikrofon vorbeizukommen. Der gegenseitige Dünkel und die edelmännische Konkurrenz, in der die Herren stehen, wird genüsslich zelebriert. Während inwohlgewandeter Aufmachung der Schein der Einigkeit durch Ellbogenstöße zum Bröckeln gebracht wird, singt die illustre Runde auf deutsch oder englisch von den morbiden Seiten des Daseins. Dieser Kontrast macht einen großen Reiz der Show aus, die allen Beteiligten Raum für ihre Darstellung gibt. So wechseln sie sich nicht nur bei der gesanglichen Darbietung ab, auch die reinen Instrumentalisten bekommen ausgiebige Solos eingeräumt. Damit der gemeine Zuschauer dies auch gebührend wahrnimmt, wuselt noch eine weitere Randgestalt der coppelianischen Welt durchs Bild: Professor Mosh Terpin, zuständig für spontane On-Show-Reparaturen, Bedienung des Cembalos, Ganzkörpereinsätze zur Fleckentfernung und eben auch der Bekanntmachung per Schild. „Intermezzo“ im Anmarsch. Nobusama trommelt sich und uns in Trance und hat das Publikum fest im Griff, das seine Anbetung durch erstaunlich synchrone Nobu-sa-ma-Rufe zum Ausdruck bringt, auch wenn uns dies das Missfallen des Butlers einbringt.
Das Bühnenspektakel ist wirklich allumfassend. Es werden Blumen zerbissen, Sekt mehr oder weniger zielsicher in Münder gegossen, Becken geschlagen und reizende Damen aus dem Publikum zum Triangel-Schlag auf die Bühne gebeten.
Aber nicht nur krachende Haarschüttel-Töne beherrschen die gutgekleideten Herren, zu ruhigeren Stücken wie „1916“ und dem standardmäßigen Finalsong „Ade mein Lieb“ lauscht das Publikum andächtig, eine Kerze wird von Hand zu Hand gereicht und zum Schluss begeben wir uns rheumatisch zu Boden, um Abschied zu nehmen von Fräcken, Zylindern, den Abgründen der menschlichen Seele und virtuoser Gesichtsakrobatik. Doch werte Herren, lasst euch gesagt sein: Und geh’n wir auch, wir kehr’n zurück, sein es auch 10.000 Meilen.

Bericht von K von Koriolis

 

Konzertbericht Schlosshof Festival / Höchstadt Aisch

Seid gegrüßt, Freunde der Nacht!
Mein Name ist Hut, genauer Zylinder, und ich möchte meine weitsichtige Position auf dem Kopf der K. von Koriolis nutzen, um euch von gar vielgestaltigen Begebenheiten zu berichten.

Ich reise auf besagtem Kopf durch die Nacht (manchmal auch den Tag) und werde geschüttelt, gelüftet und zu kurioser Musik zum Tanzen gezwungen.

Beginnen möchte ich meine Erzählungen an einem kühlen, aber sonnigen Augusttag im Jahre des Hutes 2011. Höchstadt an der Aisch ist der Name der außerhalb des Frankenlandes wohl unbekannten Siedlung, die sich jedoch durch weitläufige Zelt- und Parkwiesen sowie ein pittoreskes Schloss samt Hof auszeichnet. Ihr ahnt, es geht um das kleine, aber feine Schlosshof-Festival.

Öffentlich schwer zu erreichen hat uns zum Glück ein privates Blechgefährt herangetragen. Fünf Minuten zu Kopf in Fußgängergeschwindigkeit von der feuchten und mückenreichen Wiese entfernt liegt der Eingang zum Schlossbereich. Auch der mittelalterliche Markt liegt hinter der Pforte, so dass nur zahlendes Publikum Zutritt hat, der Pöbel muss draußen bleiben. Für ein so kleines Festival erstaunlich viele Stände ergeben ein buntes Bild des Mittelalters, wie es sich der romantisch-moderne Mensch so vorstellt. Die stark rauchende Würstchenbraterei sorgt für eine passende Geruchskulisse, selbst belegbare Fladen und vegetarische Falafeln runden das kulinarische Bild ab. Einzig das Zuckerwerk sieht aus wie kurz vor knapp von Höchstädter Müttern bereitgestellt – aber niemand hat etwas gegen Kaffee und Kuchen einzuwenden, oder?

Schmiedewaren und Schmuck, Wässerchen und Schreibekunst, Felle und Gewandungen sind zu erwerben. Vortrefflich ist die Trennung der beiden Bereiche Markt und Bühne, so kann man den Markt ohne den Bühnenradau erleben und gemütlich den Met zur Marktmusik von Vermaledeyt verkosten.

Eine Ecke weiter lagern Gestalten in schwarzen und farbigen Gewändern auf Wiese und Pflastersteinen und harren der ersten musikalischen Truppe – Vermaledeyt gibt auch den Bühnenauftakt. Sechs Mann und eine Frau hoch in mittelalterlichen Gewändern haben uns ihre z.T. unaussprechlichen Instrumente und einen bunten Reigen mittelalterlicher Klänge mitgebracht. Fangen wir’s gemütlich an, war unser Credo und so wohnen wir dem Auftritt aus den hinteren Reihen bei. Selbst hier einwandfreie Sicht auf Bühne und Hof, und das nicht nur als Hut!

Von hinten hat man nicht nur einwandfreie Sicht auf die Bühne, sondern auch auf das feiernde Festival-Volk. Dieses lässt sich von den Spielleuten willig mitreißen und so klatscht und hüpft nach den ersten Liedern schon eine erkleckliche Menge. Ein erfreulicher Start und Beweis der Live-Qualitäten einer Band.

Moderiert wird das ganze Festival von Bastille, Bandmitglied oder zumindest Butler der späteren Gruppe Coppelius. Mit Hilfe von Publikum und Veranstalter gibt er kleine Einlagen zum besten und steuert die Meute mit Schildern wie „Applaus“ oder „Ruhe bitte“. Ersteres wäre nicht nötig gewesen, johlt doch die Menge bereits bei der ersten Band freudig mit.

Nach Vermaledeyt kommt erst einmal ein Umbau-Päuschen. Umsehen, gesehen werden, Gewänder bestaunen. Eine bunte Truppe hat sich versammelt, auch wenn die schwarze Farbe wie so oft überwiegt. Meiner Erfahrung nach sind Veranstaltungen dieser Art bisher einwandfrei friedlich geblieben, denn die Schwärze der Kleidung lässt nicht unbedingt auf die Schwärze der Seele schließen. Meinereiner trägt schließlich auch gepflegten Schwarzes. Das Päuschen dehnt sich. Bandmitglieder tummeln sich bereits auf der Bühne – Ignis Fatuu steht auf dem Programm und auf der Bühne. Wir zockeln nach vorne, denn die „Drachenreiter“ wollen wir uns nicht entgehen lassen. Bis zur dritten Reihe kommt man ohne Weiteres durch die locker stehende Menge, die immer wieder zur Bühne späht, jedoch – das Päuschen wird zur ausgewachsenen Pause. Der dunkelhaarige Sänger Alex stimmt ein paar Mal schmetternd „Es ist der Nooordwind“ an, der Mann ist willig, jedoch die Technik schwach. Auch das sehnsüchtige Flöten der Dame verhallt ungehört. Mit über einer halben Stunde Verspätung ertönen schließlich die ersten Klänge. Leider sind Sänger und Blasinstrumente eindeutig zu leise eingestellt und die ungeplante Verzögerung scheint an den Nerven der Band gezerrt zu haben. Sie brausen durch die Lieder und lassen sich kaum Zeit für zwischenzeitliches Geplänkel mit dem Publikum. Auf die Drachenreiter warten wir vergeblich. Meine Trägerin wackelt unwillig mit dem Kopf, bis mir schlecht wird. Natürlich ist eine unverschuldet zu erduldende Pause unerfreulich, wir hätten der Band allerdings ein wenig mehr Gelassenheit gewünscht. „Wir spielen bis ihr uns von der Bühne tragt!“ – immerhin gibt es keine direkt angrenzenden Anwohner oder gar eine Sperrstunde. Gleichwohl sorgt die Truppe für gute Stimmung der schon zapplig wartenden Meute und Geigensoli inkl. geschüttelten blonden Locken sorgen für zunehmende Feierlaune.

Die beste Einstimmung auf – Coppelius!
Fünf Herren im Frack nebst Diener und Absinth. Und ein gerüttelt Maß an Wahnsinn, das sie von der Bühne herunter direkt ins Publikum tragen. Wortwörtlich, denn ehe man sich’s versieht, ist man vom Butler in einen Tanzkreis gezerrt worden – zum Glück sitze ich fest auf dem grölenden Schädel der K. von Koriolis. Der Klarinettist zieht seine Bahnen durchs Publikum, gefolgt von den bangen Blicken der Security, doch überall wird ihm ehrfürchtig Platz gemacht.
Metal mit Klarinetten und Cello – nicht unbedingt typisch mittelalterlich, aber nach den beiden „klassischen“ Bands eine willkommene Abwechslung, die die Leute mitreißt und die Stimmung ordentlich anheizt. Am Ende befinden wir uns alle willenlos in den Händen der Band und setzen uns sogar gesammelt nieder, um zu „Ade mein Lieb“ Abschied zu nehmen von schrägen Bärten, artistischer Gesichtsakrobatik und meinen Verwandten auf den Köpfen der Musiker.

Offen für Neues, beschwingt und in Feierlaune warten wir auf Mono Inc. – die nächsten in der Reihe. Trotz Reifenpanne mit dem Tourbus kommen sie gut gelaunt hereingepurzelt. Eher schwarz behaucht als mittelalterlich füllt diese Gruppierung um den (fast) haarlosen Frontmann Martin die mittelalterlichen Gemäuer mit den ersten englischen Texten des Festivals. Die Laune steigt, die Rhythmen werden härter, da fallen ein paar Regentropfen auch nur mir auf, da ich den Wolken halt so nah bin. Klatschende Hände, fröhliches Mitsingen und spätestens bei Schlagzeugerin Katha Mias Trommelsolo brüllt die ganze Meute ausgelassen „HO!“. Zugegebenermaßen mit ein paar Anläufen, dann jedoch durchaus synchron. Inzwischen scheint auch die Technik einigermaßen im Griff, und so steht dem weiteren Verlauf nichts mehr im Wege.

Ach wäre doch nur wenigstens EINE Band im Programm gewesen, die nicht sehenswert wäre, das wünschen sich die tanzgeplagten Füße. Was solls, da muss man durch, auch wenn es nun härter wird fürs Gebein, denn Tanzwut schwingt sich auf die Bühne. Darauf haben ein paar halbnackte Wikinger und ihre Trinkhörner nur gewartet, doch alles bleibt friedlich. „Ihr wolltet Spaß“ – tja, das haben wir nun davon, wir müssen tanzen und hüpfen, bis uns die Krempe schlackert. Der Teufel höchstpersönlich zieht alle Register von elektronisch bis Sackpfeife. Inzwischen ist es dunkel geworden und das Schloss malerisch erleuchtet. Wer genau hinschaut, sieht im oberen Stockwerk bereits Alea von SaMo seine Aufwärmübungen machen. Sein erleuchtetes Fenster zieht wohl alle Mücken auf sich, denn wir haben unsere Ruhe.

So stürmen denn zu guter Letzt– zeitlich ordentlich hintendran – die Spielleute von Saltatio Mortis die Bühne. Einer nach dem anderen – hört das denn gar nicht mehr auf? Acht wilde Barden mit dem Springteufel Alea als Frontmann werfen ihr Können in die Waagschale, um dem Publikum den Rest zu geben. Und das können sie ziemlich gut und authentisch. Entsprechend inbrünstig singt Alea den Hochzeitstanz, denn selbst erst vor kurzem vermählt, geht ihm das Lied noch deutlich unter die Haut. Mit riesiger Flagge bewaffnet, wagt er sich auch durch die Massen, die gegen Ende immer zahlreicher wurden. Inzwischen ist es weit nach Mitternacht, doch die Franken sind großzügig und lassen uns feiern bis zum endgültigen Finale. Hingerissen schwören wir beim Spielmannsschwur, auch nächstes Jahr wieder dabeizusein, wenn der Schlosshof bebt und sich mit heißen Klängen füllt.

Texte von K. von Koriolis

Coppelius / Schlosshof Festival