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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Rezension „Coppelius – Hertzmaschine“

Rezension "Coppelius - Hertzmaschine" 1

Ein Jubiläum steht an, werft hoch die Zylinder!  
Mit der „Hertzmaschine“ bringt Coppelius sein bisher steampunkigstes Album heraus, das sechste in der nun aufs Jahr genau 200-jährigen Kapellengeschichte. Auch wenn Coppelius wohl bereits für Steampunk stand, bevor dieser in den Fokus der Allgemeinheit rückte, ist es nach wie vor ein heikles Experiment, überall Zahnräder und Ventile anzuschrauben. Mehr Kraken, Luftschiffe und Maschinen hätten nicht sein dürfen, um den Duellen wegen Vorwurfs des „Mainsteam“ aus dem Wege zu gehen.

2014-08-23_coppelius_Bild_75040005Aber Coppelius wäre nicht Coppelius, wenn sie diesen Spagat nicht virtuos schaffen würden. So bleiben sie trotz der Luftschiffe und Dampfmaschinen ihren morbiden und romantischen Geschichten sowie ihrem durch klassische Instrumente dominierten Klang treu. Diesen bringen sie mit der Hertzmaschine voll wie nie auf die kleine runde Scheibe, so dass es eine reine Freude ist, den Bassschlägen und Celloläufen zuzuhören. Die instrumentale Reise im gleichnamigen Stück sei hier als lohnenswertes Beispiel für musikalische Weltenbummelei erwähnt. Ebenso trifft man natürlich alte Bekannte wie mysteriöse Damen im „Moor“, wahnsinnige Professoren mit riskanten Experimenten und den melancholischen Butler mit unter anderem einer wirklich herausragenden Ballade. „Sternenstaub“, wunderbar begleitet durch das bei Coppelius ungewohnte Klavier sowie Cello und Kontrabass, hat das Zeug, über die üblichen Szenegrenzen hinaus Spuren am Nachthimmel zu hinterlassen. Für Blumen mit ihren Köpfchen ist es in diesem Lied glücklicherweise einfach zu kalt. Jedoch war es wohl ein unerwarteter Zufall, dass ausgerechnet Eric Fish zu fraglicher Zeit auf dem Herrensitz logierte und dem nächtens eingenickten Komponisten den Zwischenteil einflüsterte, ehe das Stück seine ursprünglich klirrende Atmosphäre wieder aufnimmt und still und wunderbar sein Ende findet.

2013-08-23_Coppelius_Bild_3632Eigentlich dürfte man schon gar nicht mehr staunen, denn wie so oft schafft es Coppelius, jedes Lied mit einer Besonderheit zu einer Preziose zu machen. Spaziert auch manche Ballade behäbig auf dem Cembalo daher, darf man sich nie einbilden, ein Lied oder gar das Album nach zwei Minuten bereits einschätzen zu können. Die unterschiedlichen Einflüsse der beteiligten Herren sowie die zunehmend mutige Verzerrung der eingesetzten Instrumente machen das ganze Werk vielgestaltig und mit sehr unterschiedlichen Stücken gesegnet. Herrlich beispielsweise das von Max Coppella sprachlich virtuos hervorgebrachte quietschende und knarzende „Experiment“, das den Hörer auf eine explosive und sehr anschauliche Phantasiereise mitnimmt. Auch der Rhythmus, mit dem man Damen bei Coppelius aus dem „Moor“ errettet, ist erfrischend und würde auch einen Farin Urlaub erfreuen und zeigt deutlich, welch Klangfülle in den Köpfen unter den Zylindern herrscht. Neben dem gewohnt coppelianischen Klarinetten-Cello-Kammercore füllen die Hertzmaschine auch famos sinnfreie, doch stimmlich gekonnte A Cappella-Stücke über Tintenfische und den bei Coppelius nicht gänzlich unerwarteten Hang zur Zerstörung. Mit „Killers“ und „Black is the colour“ finden nicht nur zwei der wenigen englischen Stücke, sondern auch von treuen Fans sehnlichst erwartete coppelianische Klassiker auf der Platte Platz. Auch klassisches deutsches Liedgut wird mit „Es fiel ein Himmelstaue“ wieder vertont, musikalische Experimente wie „Contenance“ und „Konzert“ machen das Album anspruchsvoll und nicht zum nebenbei Berieseln.

2014-04-05_coppelius_Bild_6445Und immer wieder wirken atmosphärische Geräusche wie das Gewitter während der desaströsen Luftschiff-Reise oder das Rattern eines Dampfzuges positiv auf die Gesamtatmosphäre des Albums, die wie immer zwischen Genialität, Wahnsinn, Melancholie und Morbidität pendelt. Leider wird viel treibendes dampfendes Liedgut bereits zu Anfang verheizt, so dass das Tempo des Albums zwar hoch ansetzt, dann aber deutlich abremst, was beim ersten Hören verwirrt. Es nimmt jedoch schon zur Mitte hin erneut an Fahrt auf, um nach dem deutlichen Ende „Aus und Schluss!“ des „Musenkuss“ mit dem rezitierten Gedicht „Konzert“ einen meditativen Ausklang zu finden.

Das Artwork des Albums wird passend zum Inhalt ebenfalls industrialisiert. Waren noch beim „Extrablatt“ nostalgische Schnörkel auf antikem Grund am Werk, so wird es nun düster-mechanisch. Der Moloch der schönen neuen Welt lässt grüßen. Töne, Text und Mensch werden auf Millimeterpapier gebannt und in ihre Einzelteile zerlegt. Die Coppelianer selbst erscheinen unbekleidet wie die Probanden eines Experiments, vielleicht lassen sie aber auch einfach nur tiefer blicken, bis ins (fast) titelgebende Maschinenherz?

2014-04-05_coppelius_Bild_9427Ein langer Text braucht ein Fazit: „Hertzmaschine“ hält, was der Titel verspricht. Diese Maschine produziert akustische Schwingungen der feinsten Art und ist ein Album für alle – coppelianische Ersthörer, die sich von der Vielfalt des coppelianischen Schaffens mitreißen, aber auch alte Fans, die sich neu beeindrucken lassen wollen. Der Neuhörer wird vielleicht erst nach einer Weile bemerken, dass es keineswegs eine e-Gitarre ist, die am Mast des „Luftschiffharpunisten“ fräst, aber so bleibt die Freude beim Herausfinden. Kein Stück ist wie das andere, manches eingängig, anderes erst nach mehrmaligem Hören zugänglich. So bleibt das Album lange frisch, denn es gibt immer etwas zu entdecken. Um es mit Coppelius zu sagen: Es quietscht und es knarzt, so wie ich es mag!

Lieblingsstücke: Moor, Sternenstaub, Ein Experiment, Contenance

Tracklist:
1. Tragisches Ende eines Luftpiraten
2. Der Luftschiffharpunist
3. Moor
4. Harmonie
5. Herzmaschine
6. Sternenstaub
7. Reise
8. Ein Experiment
9. Glad to be dead
10. Contenance
11. Killers
12. Es fiel ein Himmelstaue
13. Des Bettlers Traum
14. Black is the Colour
15. Der Musenkuss
16. Konzert

Silberling vorbestellen: Beim coppelianischen Krämer oder auf Amazon 

Die Hörprobe zum Luftschiffharpunisten gibt es hier:

Aktueller Zinnober: CD-Release-Party mit Fanatikertreff und Maskenball, 30.01.15 in Berlin

Kommende Tour:
30.01.15 Berlin, Grüner Salon, Record Release Party
11.03.15 Osnabrück, Lagerhalle
12.03.15 Bochum, Matrix
13.03.15 Hamburg, Knust
14.03.15 Hannover, Musikzentrum
20.03.15 Berlin, LIDO
21.03.15 München, Backstage
22.03.15 Nürnberg, Hirsch
02.04.15 Stuttgart, Club Cann
03.04.15 Wien, Szene
04.04.15 Annaberg-Buchholz, Alte Brauerei
30.04.15 Magdeburg, Factory
01.05.15 Nohfelden/Bostalsee, Hexentanz-Festival
02.05.15 Leipzig, Werk 2
10.07.15 Flugplatz Ballenstedt/Harz, Rock Harz Festival
08.08.15 Hildesheim, M’era Luna

Autor: K. von Koriolis

Rezension „Mono Inc. – Nimmermehr“

MONO INC. Nimmermehr Album Cover 1500 JPGVor gut einem halben Jahr hat Sänger Martin Engler von Mono Inc. versprochen, dass das neue Mono-Album etwas Besonderes, etwas anderes wird. Kein weiteres Viva Hades. Ich war doch sehr gespannt was da kommen mag. Als dann mit My Deal With God ein erstes Stück von der neuen Platte vorgestellt wurde, dachte ich mir – hm – so anders klingt das dann jetzt aber doch nicht. Meine Hoffnung auf neue Klänge schwand. Mit der nächsten Veröffentlichung „Heile, heile Segen“ war das dann schon etwas anderes. Martin singt deutsch. Anfangs ungewohnt – aber hörbar. Das Stück sollte dann auch der Opener für Nimmermehr sein. Mono-Sound. Deutscher Text. Und ein edler  Hintergrund. Die Erlöse des Singleverkaufs gingen an die Bärenherz-Stiftung. Nobel. Musikalisch nicht ganz mein Geschmack – ich tu mich mit Kindergesang schwer – dennoch ein ordentliches Lied.

Mit Seligkeit folgt in meinen Ohren ein Kracher. Was ein geiler, fetter Sound. Ich war auf Anhieb begeistert. Der Refrain ist mir fast zu brav. Aber ein schöner Kontrast zu den harten und stampfenden Rhythmen der Strophe. Ab hier war mir klar – was Martin verspricht, das hält er. Nimmermehr ist nicht einfach nur ein weiteres Mono-Album, sondern etwas Neues. My deal with god klingt, wie eingangs erwähnt, wieder nach einem Mono-Klassiker. Guter Sound. Schöner Text. Auf Festivals schon erprobt. Als ich Kein Weg zu weit das erste Mal gehört habe, dachte ich nur „wow, wie geil“. Ich würde sagen, ein Song von Joachim Witt, begleitet und unterstützt durch Mono Inc. Allerdings – wieder das gleiche Thema wie bei Heile, heile Segen. Kindergesang. Er stört mich nicht wirklich. Aber – gebraucht hätte ihn das Lied auch nicht. Nichts desto trotz – mit mein Lieblingslied, da ich mich in das absolut mono-untypische Intro direkt verliebt habe.

Mit Euthanasia findet, wie bereits auf dem Fanclub-Treffen in Berlin angekündigt, ein Remake des Mono-Klassikers seinen Weg auf das neue Album. Da ich schon immer ein Fan der „frühen Werke“ war, ist dies ein Ohrenschmaus für mich. Ein wunderbares, emotionales Stück. Mit Alles was bleibt folgt eine ruhige Piano-Ballade. Martin zeigt Emotionen. Live ganz sicher ein Gänsehautlied. The clock ticks on zeigt wieder die alten Stärken von Mono Inc. – eingängiges Schlagzeug, unterlegt von Carls Gitarre. Und dazu noch Kathas Gesang – früher viel zu selten eingesetzt. Ein klassischer, aber keineswegs langweiliger Song.

MONO INC. & Joachim WittA better way to die nimmt wieder etwas Fahrt heraus. Eine ruhige, leicht rockige Ballade die zu Feuerzeug und Wunderkerzen verleitet. Herzschlag ist eine wunderschöne, düstere Rockballade. Die Melodie geht direkt ins Ohr – und der Text lädt zum wiederholten Hören ein.

Days like this hingegen ist in meinen Ohren ein richtiges gutelaune Lied. Eine frische Melodie. Aufbauend, schön – und von der Instrumentation fast ein wenig an die guten alten NDW Zeiten erinnernd. Gefällt mir ausgesprochen gut.

Ich teile dich nicht macht einen krassen Sprung in eine dunkle Psyche. Stalker? Beschützer? Wohl eher ersteres, ein schauriges Stück mit einer schönen Melodie und einer guten Mischung aus ruhigen und rockigen Elementen.

Nimmermehr, Titelgeber für das Album, macht einen ruhigen, romantischen Abschluss. Martin singt sanft, begleitet von Piano und Streichern. Schließ die Augen, wir sehen uns dort… Ein Stück zum Träumen und Erinnern.

Alles in allem ist das neue Album wirklich gut geworden. Neue Sounds wechseln sich mit bekannten Klängen ab. Die deutschen Texte sind stimmig und schön. Die Arrangements in gewohnt hoher Qualität. Ein Mono-Album mit ein paar gewagten Schritten, die aber alle gelungen und schlüssig sind. Manche Stellen sind mir persönlich etwas zu soft – erinnern dunkel an den Weg den Unheilig eingeschlagen hat. Ich vertraue aber auf Martins Entscheidungen – der bisherige Weg von Mono Inc. war traumhaft, als Fan kam man nie zu kurz. Warum sollte sich das jetzt ändern. Die Mischung aus deutsch und englisch ist gut getroffen, genau wie der Mix zwischen sanften Balladen, schnelleren Rockballaden und ein paar gewohnt schnellen Gothic-Rock Nummern. Von denen hätte es für meinen Geschmack ein paar mehr geben können. Aber man kann ja nicht alles haben…

UPDATE vom 20.08.2013:

Nachdem mir nun auch die Deluxe-Version vorliegt, muss ich doch noch ein paar Worte los werden. Der monomanische Passenger – super! – Kein Weg zu Weit in der internationalen Version gefällt mir auch ausgesprochen gut. Die Deutsch/Englische Mischung zwischen Joachim Witt und Martin ist super gelungen. Die schöne Gitarrenballade One Time in your Life wird direkt für romantische Lagerfeuerabende eingeübt… Das sind wirkliche Schmankerl die die Deluxe-Version wirklich Deluxe machen. Gefällt mir ausgesprochen gut :)

Dazu noch die Live-DVD mit Konzert-Atmosphäre pur. Und den restlichen Goodies die aus der Box hervor kamen. Sehr gelungen!

 

Rezension „Coppelius – Extrablatt“

CoverExtrablatt! Extrablatt!

Neuigkeiten erster Klanggüte! Kaum 200 Jahre ist es her, da taten sich die Gründerväter des gepflegten Kammercore zusammen und brauten in ihren düsteren Hallen gar „rasende Musik“ (Zitat E.T.A Hoffmann). Die Welt scheint wie im Wahn, denn gerade einmal drei Jahre sind seit dem letzten „Zinnober“ vergangen, und schon wieder lässt sich ein druckfrisches Werk aus dem Hause Coppelius in den Händen halten. Da lohnt fast ein Abonnement.

In der Zwischenzeit waren die fünf Herren nebst Butler schwer beschäftigt mit zahlreichen Auftritten und musikalischen sowie Duellier-Experimenten. Umso erfreulicher ist es, dass keine Ermüdungserscheinungen auftreten – das neue Stück coppelianischer Musikgeschichte kommt angenehm rasant daher. In der Sonderausgabe zeitungsähnlicher Manier warten nebst einem allerliebst gestalteten Faltblatt zahlreiche rhythmusgeladene Stücke voller Energie und Tempo, wie man sie von Coppelius kennt und liebt.

Hat man die Scheibe aus ihrer grafisch ausgereiften und charmanten Zeitungsverpackung befreit, bleibt nur noch das Einlegen in den modernen Grammophonspieler und: Öhrchen aufgesperrt!

FlyerWas zirpt so leis‘ und poetisch ins Ohr – aber ja, die Spieldose ist’s! Jedoch – harsche Kritik, ein jeder sollte sich an die Nase fassen, falls er noch weiß, wo diese liegt. Wir stieren nur mehr auf unsere kleinen Geräte und laufen so an der größten Liebe vorbei, so verkündet der Herren Butler. Nicht genug der Kritik, es rauscht die Welt im Wahn vorüber, der Reichtum bis zur Dekadenz lässt den Reichen fast erbrechen vor Überdruss und der moderne Ellenbogen-Mensch, der so gerne Speichel leckt, kriegt auch ein ordentliches Quentchen Fett weg. Holla, die grüne Fee, das sind deutliche Worte, gerade von den Herren, die sonst der modernen Welt gerne den befrackten Rücken zeigen und sich gepflegt vor dem Frühstück duellieren.

Aber keine Sorge, es wären nicht die Herren von Coppelius, wenn sie nicht der Damen Vorzüge aufs Herzlichste besingen würden und die Liebe zu – leider meist vergebenen Herzensdamen – wird genüsslich zelebriert. Auch wenn die ein oder andere Liebste in gewohnter Manier danach nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Die zahlreichen tempostarken Stücke werden um einige melodische und melancholische Balladen ergänzt, und das Subway-to-Sally-Cover Maria ist sicher ein würdiger Anwärter für einen herzensbrechenden Konzert-Abschluss. Drei englische Titel strecken leise die musikalischen Fühler in die internationale Welt aus – so, endlich, der wunderbare Coppelius-Klassiker Running Free.

Musikalisch – was soll man sagen. Wo schon dem guten E.T.A. die Ohren schlackerten, können unsere eigentlich nur noch vor Verzücken abfallen. Deutlich erkennt man den coppelianischen Geist auf den ersten Klang: Den typischen tiefen Rhythmen von Cello und Kontrabass bleibt Coppelius in seinem neuen Werk ebenso treu wie den wilden Läufen der Klarinetten und klaren Stimmen. Dennoch – vieles wird eingängiger. Die Instrumente weben feine Linien umeinander, aber deutlich erkennbar und prägnanter als bei manchen früheren Werken. Die Herren sind – so das überhaupt möglich ist – noch erwachsener geworden. Ihre Virtuosität und der Abwechslungsreichtum besteht darin, dass jeder seinen Platz kennt und sich dennoch einen Spaß daraus macht, diesen zu verlassen und froh herumzuspringen. Kennt man dies schon aus dem Sanatorium, so endet die vorliegende Veröffentlichung mit dem liebgewonnenen coppelianischen Mumpitz. Liebe Kinder, Finger weg von meinem Absinth!

Aber bevor wir zuviel verraten, der langen Rede kurzer Sinn, das Fazit: Poesie mit Getöse. Wer gerne rhythmisch den Kopf schüttelt und des Metals süße Härte liebt, wird bei Coppelius ebenso fündig wie der Liebhaber gepflegten Musizierens. Denn bei allem Übermut und elektrischer Verstärkung bleibt deutlich: Hier werden klassische Instrumente beherrscht! Klanglich gereift, abwechslungsreich und optisch stimmig lässt dieses Werk wenig zu wünschen übrig. Ein Wermutstropfen (ja, der wird auch gekippt!) ist lediglich, dass die Hälfte der Lieder bereits vorab bekannt war und trotz zahlreicher Stoßgebete die wundervolle Klavierversion des „Rightful King“ es nicht aufs Album geschafft hat. Aber wer die Herren kennt, weiß dass sie für die ein oder andere Überraschung gut sind und so bleibt die gespannte Erwartung, was sich ihre verrückten Köpfe unter den hohen Hüten als nächstes ausdenken.

Text: K. von Koriolis

 


 

Gesamtnote: 9 von 10
Klang: 10 von 10 (abwechslungsreiche Stücke, saubere Aufnahmen mit einem famosen Tonabnehmer^^)
Texte: 9 von 10 (pointierte, ironische Texte, meist stilistisch einwandfrei)
Optik: 9 von 10 (grafisch und optisch sehr ausgereift, lediglich die Schrift im Booklet ist ohne Monokel schwer zu entziffern)
Liedauswahl: 10 von 10 (ausgewogene Mischung aus treibenden, schnellen Stücken und Balladen)

Artwork

Tracklist:

01. Spieldose
02. Welt im Wahn
03. Reichtum
04. Bitten Danken Petitieren
05. Locked Out
06. Butterblume
07. Keine Kamera
08. I’d Change Everything
09. Glanz und Eleganz
10. Glaubtet Ihr?
11. Mitten ins Herz
12. Running Free
13. Geschwind
14. Maria

Aktueller Zinnober: Ein Videowettbewerb zum neuen Stück „Reichtum“

Silberlinge vorbestellen: Beim coppelianischen Händler (dessen Postkutsche immer ein wenig ihrer Zeit voraus ist)

Rezension „Omnia – Live on Earth“

omnialiveonearthOmnia ist und war für mich schon immer eine Live-Band. Die Truppe um Steve Evans-van der Harten macht live einfach nur Spaß. Die Stimmung, die Atmosphäre, das muss man erlebt haben. Die bisherigen Studio-Alben hatten für mich bei weitem nicht das Gänsehaut-Feeling, das bei Live-Konzerten aufkommt. Einzuordnen ist die Band auch nicht ganz so einfach – offiziell als „Pagan Folk“ bezeichnet gibt es doch viele ruhige Klänge, manch Rockiges und selbst HipHop-Elemente haben ihren Weg in die Werke gefunden. Was soll man sagen, ich war sehr gespannt auf das neue Live Album. Gänsehaut? Erinnerungen? Was wurde auf die CD gebannt?

Auf die einzelnen Lieder möchte ich gar nicht allzu detailliert eingehen – sind sie doch alle schon mal da gewesen. So oder in so ähnlicher Form zumindest. Viel wichtiger ist doch, dass mich beim Hören gleich zu Beginn wieder das Konzert-Feeling gepackt hat. Die ersten Lieder steigen noch sanft ein, bei The Sheenearlahi Set wird’s dann aber gegen Ende schon gewohnt – und geliebt – flott. Was man aus Flöten, Digeridoo, Slideridoo, Maultrommeln, Piano und Co. doch alles raus holen kann. Es kribbelt – und wie Jenny dann beim nächsten Stück Niiv ihrer Stimme freien Lauf lässt – wunderbar. Nun folgt ein Lieblingslied dem nächsten. Free, Toys in the Attic, … es geht munter, nachdenklich, irr und emotional weiter. Mitsumm-Klassiker wie Love in the Forest, gefolgt von Noodle the Poodle – man möchte sein Gegenüber zum Square-Dance auffordern, machen Spaß. Nicht so sehr als wäre man auf einem Konzert – aber deutlich mehr als auf einem „sterilen“ Studioalbum. Abgeschlossen wird das Live-Album, wie fast jedes Konzert das ich bisher erlebt habe, mit dem obligatorischen Morrigan.

Was halte ich von dem Album – ich bin mir noch nicht ganz sicher. Es gefällt mir deutlich besser als alle Studio-Alben. Es ist aber trotz Klatschen und Jubeln sehr clean – sehr steril. Es kribbelt, aber die Gänsehaut kommt nicht. Musikalisch ist nichts falsch. Die Auswahl der Lieder ist super – aber scheinbar fehlt mir einfach das Drumrum. Nörgeln auf hohem Niveau mag man sagen. Ich hatte etwas mehr erhofft, bin aber alles andere als enttäuscht. Wem Omnia gefällt, wird dieses Album lieben. Wer Omnia bisher nur auf CD kannte, wird jetzt vielleicht verstehen, warum man diese Niederländer so verehren kann. Aber um ein Konzertbesuch kommt man wohl nicht rum, wenn man Omnia wirklich „Live on Earth“ erleben will.

Tracklist:

01. Live Show Intro
02. Time Bealtaine
03. Auta Luonto
04. The Sheenearlahi Set
05. Niiv
06. Free
07. Toys in the Attic
08. I Don’t Speak Human
09. Alive!
10. Wytches Brew
11. Richard Parker’s Fancy
12. Dance until we die
13. Love in the forest
14. Noodle the poodle
15. Saltatio Vita
16. Etrezomp-ni Kelted
17. Fee Ra Huri
18. Morrigan

 

 

 

 

Rezension „Die Kammer – Season I: The Seeming and the Real“

Im Dezember 2011 gegründet hat es knapp ein Jahr gedauert, bis „Die Kammer“ – Matthias Ambré und Marcus Testory – ihr erstes Album veröffentlichen. Beide sind keine Neulinge im Business und kennen ihre Stärken ganz genau – und genau diese spielen sie voll aus. Tiefe Stimmen, satte Klänge, interessante Arrangements aus Streichern, Bläsern – und dem klassischen Singer-Songwriter-Gitarren-Sound. Ein Ohrenschmaus, für den der etwas mit düster rockigen Balladen anfangen kann.

Schon das erste Lied The Orphanage geht super ins Ohr. Ruhiges Schlagwerk, Bläser, eingängige Melodie und ohrwurmhafter Refrain. Fate/Illusion hat mich im ersten Moment etwas an Johnny Cash erinnert. Tiefe Stimme, Gitarre, Streicher. Traumhaft. Labyrinths of Despair ist eine eher klassische Ballade – ruhige Streicher, sanfter Gesang. Aber dann doch wieder ein paar Schmankerl – wie die sehr charakteristischen Bläser – samt Tuba, wenn mich nicht alles täuscht. Klasse. Mit The Seeming and the Real folgt das Titelgebende Lied. Für mich nicht das Top-Stück des Albums – aber wieder mit sehr spannenden Passagen, ein fast schon fröhliches Stück – im Vergleich zum düstereren Umfeld. Black as Coal nimmt wieder Tempo raus, und schwelgt in melancholisch tiefen Gefühlen. Riding the Crest kann man wohl als das Pop-Stück des Albums bezeichnen – leicht an Serj Tankian erinnernde Elemente, zusammen mit etwas flotterem Tempo und fast schon hohen Tönen. Ganz anders klingt da A Backward Glance – ruhige Gitarrenklänge und sanfte Stimme holt einen wieder auf romantische Ebene zurück. Home in Your Eyes zeigt welche klänge man Gitarre und Streichern so entlocken kann – und kommt doch im großen Ganzen sehr minimalistisch daher. Eine weitere Ballade die gekonnt mit wenigen Elementen spielt und diese wunderbar zur Geltung bringt. Singing: Surrender lässt das Bein schwingen – die Finger schnippen. Ob man den Rhythmus schon als Upbeat bezeichnen kann, weiß ich nicht, aber ich kann zumindest nicht wiederstehen zu zucken. The Grand Graveyard of Hopes vereint klassische Gitarre mit ruhigem Gesang. Traurig. Melancholisch. Unterstützt von Cello und Streichern. Final Days ist eines der fröhlichsten, zum Mitsingen geeignetsten Lieder. Auch wenn auf „lalalalaaa“ zurückgegriffen wird, doch ein sehr schönes Stück. Den Abschluss macht The Painter Man’s Spell welches nochmal zu ruhigen Klängen zurückfindet. Leicht Schräg. Leicht Augenzwinkernd ein sehr schöner Abschluss für ein sehr schönes Album.

Da ich Die Kammer noch nie live gehört hatte war ich doch sehr gespannt was mich auf dem Album erwartet. Bei einer wilden Party und gefüllter Tanzfläche würde ich das Album nicht unbedingt einlegen – bei einer gemütlichen Runde zu Hause – oder abends in der Badewanne bei Kerzenlicht – perfekt. Wer auch mit ruhigeren Klängen etwas anfangen kann wird seine Freude an den Arrangements, den Stimmen, den Gitarren, Streichern und Bläsern haben. Ein paar komödiantische, fast schon volksmusikhafte Ausflüge, hätte es in meinen Ohren nicht gebraucht, aber 90% der Stücke gefallen mir ausgesprochen gut. Mein Fazit: Ein klasse Erstlingswerk zweier gar nicht mehr so erstlingshaftiger Musiker. Etwas mehr Abwechslung, etwas weniger Tuba – und es wäre für meine Ohren perfekt.

Tracklist:
01: The Orphanage
02: Fate/Illusion
03: Labyrinths of Despair
04: The Seeming and the Real
05: Black As Coal
06: Riding the Crest
07: A Backward Glance
08: Home in Your Eyes
09: Singing: Surrender
10: The Grand Graveyard of Hopes
11: Final Days
12: The Painter Man’s Spell

Rezension „Letzte Instanz – Ewig“

Mit gemischten Gefühlen habe ich die neue CD der Letzten Instanz in meinen Player gelegt. Ich kenne die Instanz jetzt schon recht lange und bin doch eher ein Fan der alten Alben. Schuldig und Heilig – die beiden Vorgänger der Trilogie die nun mit Ewig ihren Abschluss findet waren zwar nicht schlecht – hatten für mich aber nicht den Charme der älteren Alben. Was also erwartet mich? Als Brachial-Romantiker bezeichnen sich die Jungs – aber Romantik bitte nicht im weichgespülten Unheilig-Stil…

Mit den ins Deutsche übersetzten Worten Oscar Wildes „Every saint has a past and every sinner has a future.“ bereitet Aeternitas durch imposante Klänge auf das vor, was da noch kommen mag. Ewig startet mit ruhigen Klängen, geht dann aber in ein durchaus rockiges Stück über. Als titelgebendes Stück ein sehr guter Start für das neue Album. Nur für uns klingt mit akustischer Gitarre eingeleitet, imposanten Streichern und einem guten Rhythmus richtig nach meinem Geschmack. Genau so muss die Instanz für mich klingen. Denn gerade die Mischung aus Bennys Cello und Muttis Geige machen doch den Reiz aus. Bei Blind, einem melodisch melancholischen Duett, hören wir Ria (Eisblume) zusammen mit Holly beim Versuch eine über die Zeit festgefahrene Beziehung zu retten. Regenbogen ist in meinen Ohren ein gelungenes Lied im neuen Instanz-Stil. Der Refrain hat definitiv Live-Qualitäten. Ich kann es geradezu hören wie dabei inbrünstig mitgesungen wird.

Wieder einmal rot beginnt mit einem einvernehmenden Schlagzeug-Part. Kurz darauf setzt der Gesang ein – aber was für einer. Man spürt es förmlich, wie hier die Emotionen rausgepfeffert werden. Einfach nur gut. Auch darf sich David Pätsch gegen Ende des Stücks am Schlagzeug noch mal so richtig austoben. Was man vom Text hält, sei dahingestellt, aber musikalisch ist das Stück aller erste Sahne. Tausendschönkommt wieder etwas runder daher. Imposante, epische Streicher – ein schönes Arrangement der Möglichkeiten die die Instanz zu bieten hat. Hier würde ich direkt mit Brachial-Romantik unterschreiben.

Dumpfer Bass, „Schwarzer Tempel, Schwarzer Sand“ ins Mikro gegrummel, fieses Gitarre – hier kommt wohl ein etwas härteres Stück. Und ja, die Erwartungen die in den ersten Sekunden aufgebaut werden erfüllen sich. Springen, bangen und rocken ist angesagt! Und mit Et in Arcadia Ego geht es mit einem instrumentalen Stück, aber ähnlich düster und rockig weiter. Das Album gefällt mir von Titel zu Titel besser. Aber irgendwie klingt es auch fast schon ein wenig nach dem Ende. Doch weit gefehlt, mit Von Anfang an kommt ein Stück, das man in den letzten Wochen schon oft aus diversen Radios trällern hörte. Typische Instanz – Streicher, Rockig, perfekt auf Hollys Gesang abgestimmt. Schön. Chartstauglich. Aber nicht mein Favorit – wohl gerade weil es so chartig daher kommt… Scheinbar sind wir wieder in einem etwas ruhigeren Teil angekommen, denn Wo das Meer… startet mit leiser akustischer Gitarre und sanft gesungenen Tönen. Passend begleitet von Geige und Cello. Ein schönes ruhiges Stück wie es sie auch geben muss. Mit Schuld kommt wieder etwas mehr Härte – gepaart mit einem nachdenklich stimmenden Text. Auch hier wieder: Brachial-Romantik vom Feinsten. Es scheint noch mal ordentlich zu krachen gegen Ende. Auch Unterwegs geht mit mehr Tempo und aggressiveren Tönen an den Start. Mit dem Leitthema „Wo komm ich her, wo will ich hin?“ nicht unbedingt eine neue Idee, aber passend und stimmig umgesetzt. Mir gefällt’s. Und, was höre ich da? Sing!, mein Favorit. Schon auf diversen Festivals angetestet geht dieses Lied live richtig gut ab – und macht auch aus dem CD-Player ordentlich Spaß. Man muss einfach mitsingen – und wer nicht kann, muss eben tanzen… Den Abschluss macht Mein Kind, ein ruhiger, schöner Abschluss. „Leide ich, oder freue ich mich?“ – Schöner Text. Schöne Melodie. Eine sehr schöne Ballade, auch wenn sie für mich durchaus eher in den ruhigeren Mittelteil des Albums gepasst hätte.

Das Album hat mich überrascht, positiv überrascht. Für mich persönlich das Beste aus der aktuellen Trilogie. Es hat mich schon beim ersten Hören gepackt und überzeugt. Ich freue mich auf die Tour, bin sehr gespannt welche Lieder es in das Live-Set geschafft haben. Die Mischung aus Balladen und rockigeren Stücken ist gelungen. Offensichtlich haben die Jungs alles richtig gemacht, noch etwas dazu gelernt, sich weiterentwickelt und doch auch ihre Wurzeln wieder etwas mehr beachtet. So gefällt mir das.

Tracklist:
01. Aethernitas
02. Ewig
03. Nur Für Uns
04. Blind
05. Regenbogen
06. Wieder Einmal Rot
07. Tausendschön
08. Schwarzer Sand
09. Et In Arcadia Ego
10. Von Anfang An
11. Wo Das Meer…
12. Schuld
13. Unterwegs
14. Sing!
15. Mein Kind

 

Rezension „Vogelfrey – 12 Schritte zum Strick“

Im Mittelalter-Rock-Genre scheinen es Newcomer schwer zu haben. Zumindest kenne ich kaum hoffnungsvolle kleine Bands dieses Genres. Vogelfrey sind hier eine rühmliche Ausnahme. Nach ihrem Debutalbum „Wiegenfest“ anno 2010 folgte nun ihr zweiter Streich – 12 Schritte bis zum Strick. Doch aufgeknüpft wird für dieses Album sicher niemand.

Los geht’s mit einem melodiösen Intro – welches auf das erste Lied 6 Vaganten vorbereitet. Zu flottem Schlagzeug und elektronischen Gitarrenklängen werden, umspielt von „Hintergrundinformationen“ die Protagonisten vorgestellt. Düsterpflicht zeigt, was die Jungs und das Mädel so drauf haben. Treibendes Schlagzeug, Cello und Violine die besser nicht eingesetzt werden könnten. Ein Traum für alle Headbanger. Allein schon das Intro zu diesem Lied kann ich mir immer und immer wieder anhören. Mit Schuld ist nur der Met kommt das erste kleine Highlight – live sicher mehr als nur ein kleines Highlight – Tanzen, Hüpfen, Mitgröhlen garantiert und auch für nicht Met-Trinker bestens geeignet. Der Tod und das Mädchen kommt etwas abrupt. Ohne einen Übergang vom fröhlichen Met fängt dieses Stück doch recht langsam und düster an, entwickelt sich dann aber schnell zu einem tollen, abwechslungsreichen Lied mit Tiefgang und guter Melodie. Das Lindwurm Massaker legt wieder ordentlich an Tempo zu. Beginnt es fast schon schillernd mit Glamour-Rock-Elementen wird es dann heftig treibend. Vor Heinrich dem Schlächter wird eben nichts verschont… Der Freitod folgt. Dunklere Metal-Sounds gemischt mit mittelalterlichen Klängen – perfekt zum Springen und Headbangen. Selbst beim Schreiben zuckt es mir im Nacken. Mit Sommer findet eine traurig-schöne Ballade ihren Weg auf das neue Album. Sicher kein Stimmungskracher für’s Lagerfeuer, aber mit ruhigem Schlagwerk, akustischer Gitarre und Cello-Klängen sehr schön anzuhören.

Und dann – was ist das denn? Der Tusch! – ach ja, mein neues Lieblingslied und Ohrwurm. Melodie: Super (auch wenn, oder gerade weil auch ein bisschen was von Mozart geklaut wurde) – Text: Witzig und durchdacht – einfach super. Dieses Lied wird Live sicher der Kracher. Auch Lebenslehre zählt definitiv zu meinen Favoriten. Musikalisch witzig und argumentativ gibt es wohl nichts daran zu rütteln, dass die käufliche Liebe und Alkohol nicht zu verachten sind… Flamme bin ich sicherlich schüttelt den Humor wieder ab und fegt in alter Folk-Metal Manier los. Es wird zwar zeitweise wieder etwas ruhiger – generell aber ein Stück das Spaß macht. Auch das letzte Stück Galgenvogel geht noch einmal ordentlich ab. Teilweise nur von Cello und Schlagzeug getrieben ist es doch melodisch wie textlich gelungen.

Alles in allem macht das neue Album wirklich Spaß. Persönlich hätte ich noch auf ein Stück wie Heldentot vom Vorgängeralbum gehofft, aber Schuld ist nur der Met kommt da schon sehr gut ran. Und Der Tusch! ist für mich kaum zu toppen. Vogelfrey sind auf jeden Fall ein Geheimtipp für die kommende Festivalsaison. Eine junge, sympathische Band mit viel musikalischem Potential und lustigen Ideen diese umzusetzen. Dieses Album sollte in keiner Mittelalter-Rock / Folk-Metal – Sammlung fehlen!

Tracklist:
01. Intro
02. 6 Vaganten
03. Düsterpflicht
04. Schuld Ist Nur Der Met
05. Der Tod Und Das Mädchen
06. Lindwurm Massaker
07. Freitod
08. Sommer
09. Der Tusch!
10. Lebendlehre
11. Flamme Bin Ich Sicherlich
12. Galgenvogel

 

Rezension „The Rasmus – The Rasmus“

Was habe ich erwartet – was habe ich gehört – beim ersten Mal hat das irgendwie so gar nicht gepasst… Ich hatte Rockiges, Dunkles erwartet – und war beim ersten Hören fast schon enttäuscht, wie poppig das neue Album doch geworden ist. Allerdings geht es mir nicht selten so, dass Erwartung und Realität nicht übereinstimmen, wäre ja auch langweilig sonst. Mit ein wenig Abstand und mehreren Durchläufen gefällt mir das Album eigentlich sogar außerordentlich gut. Man merkt, dass viel Arbeit – musikalisch wie textlich – im Album stecken. Die Jungs um Lauri haben sich ordentlich Gedanken gemacht, was auf’s Album soll und haben eine gute Mischung aus Rock und Pop gefunden – eingängig, melodiös – und hin und wieder doch auch recht rockig.

Den Anfang macht „Stranger“ – als erstes Lied des Albums fängt es sehr ruhig an, baut aber merklich auf und geht mit einem guten Schuss Rock im Refrain ins Ohr. „I’m A Mess“ gefällt mir persönlich nicht so sehr – irgend etwas fehlt für mich, was kann ich aber nicht wirklich fest machen. Schade. Dafür kommt mit „It’s Your Night“ ein sehr schönes Stück – sowohl was den Text angeht, Trost und aufbauende Worte, als auch in Verbindung mit einer Melodie die hängen bleibt. Mit „Save Me Once Again“ rutscht das Album in melancholische Gebiete ab. Für meinen Geschmack hätte das Lied etwas düsterer daher kommen können – ist aber auch in seiner endgültigen Version nicht zu verachten. Mit „Someone’s Gonna Light You Up“ kommt ein Stück, wie ich mir The Rasmus wünsche. Kraftvoll und Düster. Dieses Stück wird live garantiert zünden, absolut Mitsing-geeignet. Sehr gute Gitarrenparts – Einfach gut. „End Of The Story“ ist wieder ein eher gediegenes Liebeslied. Noch zu unruhig für eine echte Ballade, aber nicht zu verachten. Mit „You Don’t See Me“ folgt ein weiteres – anfangs sehr poppig Stück, was aber durchaus seine Qualitäten als Mitsing- und Ohrwurmlied hat. „Somewhere“ ist eine ruhige, schöne Ballade. Liebe, Herzschmerz und Feuerzeug-Schwenk-Stimmung inklusive und perfekt zum Kuscheln vor dem Lagerfeuer einer finnischen Blockhütte. Mit „Friends Don’t Do Like That“ nimmt das Album noch mal Fahrt auf. Ruhige Passagen gemischt mit härteren Parts machen das Lied zu einem meiner Favoriten. Getopt wird es in meinem Ohren aber vom letzten Stück: „Sky“ – eigentlich gar nicht so mein Stil, zu lieb, zu poppig, gefällt mir dieses Lied außerordentlich gut. Gesang. Text. Melodie. Stimmig und Schön. Schade, dass jetzt nicht noch ein paar Lieder in diesem Stil kommen können.

Alles in allem ist „The Rasmus“ ein Album was man problemlos von Anfang bis Ende durchhören kann. Etwas ruhiger als erwartet, aber eingängig und durchgehend stimmig. Sowohl für alte Fans geeignet, aber auch für Neueinsteiger ein Album, welches niemanden vergraulen wird.

Tracklist:
01. Stranger
02. I’m a mess
03. It’s your night
04. Save me once again
05. Someone’s gonna light you up
06. End of the story
07. You don’t see me
08. Somewhere
09. Friends don’t do like that
10. Sky