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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Gothik meets Klassik

The Beauty of Gemina

Der Saal des Haus Auensee ist zu dreiviertel gefüllt, als das Bühnenlicht eine zartrosa Farbe annahm und fünf Musiker, darunter eine Violine, zwei Western-Gitarren, ein E-Bass und ein Schlagzeuger, die Bühne betraten. Die Show startet mit akustisch, ruhigen Klängen im Gewand des Blues und einigem an Applaus. Während die fünf Musiker die Anwesenden begrüßen, kommen zwei weitere Musiker auf die Bühne. Sie spielen unter anderem „Down by the Horses.“ Das Lied kommt sehr gut an und der Klang der Akustikshow kann sich hören lassen. Es folgt „Suicide Landscape“ und die Instrumentenvielfalt ist enorm. Keyboard, Violine, Saxophon, Cello, Schlagzeug, Bass und Gitarre sorgen für einen vollen, satten Klang und dies gefällt auch dem Publikum.

TBoG @ Gothik meets Klassik 2017

Dies zieht sich durch das Programm der Musiker und stellt einen enormen Kontrast zu den anderen Bands des Abends dar. Gothik Blues mit einem Hauch Dark Wave, aber auch Rock’n’Roll sind etwas anderes, aber wirklich geniales, um den Abend zu eröffnen. Dies merkt man sehr gut im akustischen Schlusslied, „Down on the Lane“, indem nahezu alle Elemente zusammenfallen. Das Publikum hat die Musiker über die 40-minütige Show mit starkem Applaus getragen und dies zu Recht.

 

Stahlmann

Nach 20 Minuten Umbaupause wird es hart und laut im Haus Auensee. Das Intro beginnt mit weißem Licht und Schlagzeug, Bass, Gitarre und Sänger betreten nacheinander die Bühne. Mit dem Ende des Intros steigen die Musiker in den Song „Bastard“ ein und sofort wird man an den Musikstil der Neuen deutschen Härte erinnert. Man merkt, dass das Publikum nicht nur die leisen Töne mag, denn mit dem Ende des Liedes, hört man lauten Applaus. Da die Hände einmal oben sind, sollen sie dort auch bleiben und es soll mit Stahlmann richtig gefeiert werden, wie Sänger Martin verkündet. Dies wird auch bei „Adrenalin“ und der zugehörigen Lichtshow deutlich. Gelb-orangene Grundtöne, viel Stroboskop- und bewegtes Licht verleihen dem Lied zusätzliche Aggressivität. Das Publikum wird nun immer stärker angeheizt. „Der Schmied“ lässt das erste Mal des Abends die Stimmen erklingen und dies bis in die letzten Reihen.

Nun erfolgt ein Stimmungstest seitens der Band und es ist festzustellen, dass das Publikum die Musik und Show geniest, denn die Stimmung ist richtig ins Rollen gekommen. Mit „Spring“ wird dies nochmal deutlich, indem die Musiker das Publikum anhalten zu springen und dies wird von mehr als der Hälfte des Saales durchgeführt.

Stahlmann @ Gothik meets Klassik 2017

Es wird dunkel und Stroboskope, wie auch Moving Heads in weißem Licht erfüllen ab und an die Bühne, dennoch ist die Bühne meist dunkel. Das Lied heißt „Schwarz“ und passt zur Farbe des Publikums, was auch dazu führt, dass der Text im Refrain vom Publikum aufgenommen und ab der Hälfte des Liedes laut mitgesungen wird. Bevor das letzte Lied erklingt, erklärt Sänger Martin, dass dieses Konzert das letzte für Gitarrist Frank „Schattenmann“ ist, was eher verhalten vom Publikum kommentiert wird. Das letzte Lied der 30-minütigen Show von Stahlmann ist „Süchtig“ und lies das Publikum nochmals richtig feiern.

Show und Musik waren der komplette Kontrast zu The Beauty of Gemina, was aber nicht für die Stimmung gilt, diese ist sogar noch gestiegen.

Tanzwut

Im Saal herrscht nun dichtes Gedränge und pünktlich 21:15 Uhr gehen die Lichter aus und das Intro für Tanzwut erklingt. Rotes Licht entflammt und drei Dudelsackspieler kommen auf die Bühne, direkt gefolgt vom Schlagzeuger und dem Rest der Spielleute. Teufel trat herein, mit einer Maske entsprechend seines Namens und drei weiteren Narren-Masken um sich herum. Die sieben Musiker spielten „Freude schöner Götterfunken“ verschmolzen mit „Schreib es mit Blut“ vom aktuellen Album. Das Publikum hat merklich Spaß, denn es gibt in den vorderen Reihen viel Bewegung und nachdem die Musiker endeten erklang heftiger, lauter Applaus. Noch während des Applauses sollen die Hände in der Luft bleiben und ein Meer aus Händen wird gebildet, welches sich zum nun folgenden Titel „Meer“ in Wogen hin und her bewegt. Teufel begrüßt das Publikum und freut sich wieder einmal in Leipzig zu sein. Der letzte Auftritt der Band war zum WGT in diesem Jahr. Laut Teufel ist in Leipzig viel Aberglaube zu finden und aus diesem Grund spielen die Musiker jetzt „Freitag der 13.“ Um auch die letzten Unbeweglichen im Publikum zum Tanzen zu bringen, möchte Tanzwut nun einen Zauberspruch spielen, damit das müde Fleisch sich bewegt. Es folgt eines der ältesten überlieferten Lieder im Bereich des Mittelalters und auch einem Lied, was man gern auf Mittelaltermärkten hört, der „Merseburger Zauberspruch.“ Hier kann man erkennen, dass Tanzwut ursprünglich vom Mittelaltermarkt kommt, wo sie auch heute ab und an wieder zu finden sind. Dennoch gibt es keine andere Band, die dieses Lied soweit interpretiert hat, dass Dudelsackparts gefolgt von gesanglichen Parts abgewechselt und mit choralem Gesang erweitert vorgetragen werden. Es folgt der direkte Übergang zu „Das Gerücht“ und „Stille Wasser“. Erneut werden die Hände zu einem Meer geformt und die ersten Headbanger des Abends sind zu sehen.

Tanzwut @ Gothik meets Klassik 2017

Des Teufels Großvater erzählte immer wieder Geschichten von Reitern, „Reiter ohne Kopf.“ Der Saal war nun dunkel und zwei Skelette tanzten im Schwarzlicht umher, wobei Kopf und Körper unabhängig voneinander agierten, was dem Publikum sehr zusagte. Es folgten „Geteert und Gefedert“, sowie „Tod Bin“, wobei hier erneut alles dunkel war. Der Tod solle wie in Mexiko gefeiert werden. Zu sehen waren Musiker mit Sombreros und 2 Todeskarten, welche im UV-Licht leuchteten. Neben den Karten des Todes wurden die Stars der Unterwelt eingeladen und in Masken der Folterknechte der Unterwelt spielte Tanzwut nun „Spiegelkabinett.“ Die Bühne ist voller verrückter Musiker, wie auch das Publikum. Alle sind somit Eins oder auch „Brüder im Geiste.“ Das aktuelle Konzert ist das vorletzte Rockkonzert in diesem Jahr, dennoch sind Tanzwut mit ihrer akustischen Tour auf Burgen und Schlössern in der Nähe anzutreffen. Als Abschlusslied erklingt „Hymnus Cerber!“ und das Logo von Tanzwut wird mittels leuchtender Polygone am Ende des 55-minütigen Konzertes dargestellt.

 

OOMPH!

Das Publikum wird langsam unruhig und mit lautem Klatschen soll die Band in den Saal gerufen werden. Das Intro beginnt und im Saal wird es laut. Während die Band eintritt, erklingen laute Rufe und Jubel. Dennoch ist das nicht alles, denn als Sänger Dero auf der Bühne erscheint, herrscht absolute Euphorie. Mit dem Intro erklingt ebenfalls „Das Weiße Licht.“ Es folgt ein direkter Übergang zu „Gott ist ein Superstar“ und das Publikum singt laut den Refrain mit. Im Folgenden wird „Träumst du“ gespielt, worüber die Anwesenden sehr erfreut sind. Bei diesem Lied wird das Publikum dauerhaft animiert zu klatschen, die Band anzufeuern und zu springen. „Mein Schatz“ wird nachfolgend gespielt und hierbei kann man bis in die letzten Reihen ein durchweg textsicheres Publikum singen hören. Es folgt ein Lied vom ersten Album, „Der neue Gott,“ welches rhythmisch ausgeprägt ist und dem Publikum einfach macht zu klatschen. Dies wird dankend angenommen und der komplette Saal hat die Hände in der Luft. Es geht direkt weiter mit „Sandmann“ und dem Publikum wird keine Ruhe gegönnt.

OOMPH! @ Gothik meets Klassik 2017

Gesang, klatschen und springen wird den Anwesenden abverlangt. Die Band verliert wenig Worte zwischen den Liedern und deren Entstehung bzw. deren Bezug zur Band. Dero hebt beide Hände zur Seite und stellt ein Kruzifix dar.  Englischsprachiger Text erklingt und das Publikum rastet völlig aus zu „Gekreuzigt.“ „Jetzt oder Nie“ und „Niemand“ fordern dem Publikum erneut einiges ab. Während das Lied „Kleinstadtboy“ erklingt, singen alle mit, ebenso wie bei „Labyrinth.“ Als vorletztes Lied ist das wohl bekannteste Lied der Braunschweiger Band zu hören. „Augen auf!“ wird gespielt und der komplette Saal ist in absoluter Ekstase. Das Letzte Lied nach 60 Minuten durchgehender Publikumsanimation ist „Alles aus Liebe“ und einem Outro, welches lediglich durch Trommeln und Publikumsgesang getragen wird.

 

Letzte Instanz

Es ist kurz vor 24 Uhr und der Saal ist noch immer gut gefüllt. Das Licht geht aus und das Intro beginnt. Bei blauem Licht kommen nacheinander unter lautem Beifall Benni, Rico, Andy, Bernie und Michael auf die Bühne. Als Holly die Bühne betritt wird es laut im Publikum. Vom Intro geht es direkt in das Lied „Steh auf“ und das Publikum ist sofort begeistert. Ohne Umschweife geht es direkt zu „Liebe im Krieg“ und einem Statement der Band, verkündet durch Sänger Holly. Die Letzte Instanz distanzieren sich ausdrücklich von Fremdenhass, Gewalt in jeglicher Form und Krieg, getreu nach dem Motto „Make love not war.“ Jeder weiß, dass die Band klare Worte zu öffenltich kontroversen Themen, als auch aktuellen Geschehnissen findet und sich nicht scheut diese auszusprechen. Das Licht im Saal wird nun rot und es folgt das Lied Blutmond.

Holly begrüßt nun das Publikum ausführlich und heizt es weiter an. Mit einem kurzen „Hey“ und pulsierenden Fäusten wird „Flucht ins Glück“ eingeläutet. Der Sound wird nun satt und „brachial.“ Das Publikum singt sehr laut mit und das Lied endet mit euphorischem Applaus. Holly fragt im Publikum, ob jemand allein ist und pickt sich Conny auf der linken Seite. Er fragt, welcher Herr denn auf der rechten Seite allein sei, aber es traut sich keiner. Das nun folgende Lied ist für alle Paare, Eheleute und frisch verliebten. Im Publikum stehen die Pärchen eng hintereinander und fest umschlungen und wiegen sich im Sound von „Blind“.

Letzte Instanz @ Gothik meets Klassik 2017

Es folgt „Weiß wie der Schnee“ und die ersten verlassen das Haus Auensee. Dies liegt nicht an der Band, sondern dann doch an der fortgeschrittenen Zeit und dem nun langen musikalischen Abend.

Nun kommt Holly zurück auf Conny und bittet alle Anwesenden die Hände zu erheben, um diese dem oder der Nachbarin zu reichen. „Wir sind allein“ erklingt und das Publikum singt erneut sehr textsicher und laut mit, speziell am Ende des Liedes. Es folgte „Herz aus Stein“ und das Publikum ist auch hier vollständig dabei.

Das Licht geht aus und der Spot fällt auf Benni, der nun mittig auf der Bühne steht. Er erzählt, dass die Instanz im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert und er dankt den Veranstaltern, den Mitwirkenden und dem Publikum für die langjährige Unterstützung. „Wir sind eins“ folgt auf Bennis Ansage und im Schlachthof hört man einen Chor aus Stimmen, die zu einer verschmelzen.

Gothik meets Klassik besteht aus einem Abend mit Rockmusik und einem Abend indem die Lieder im klassischen Gewand gespielt werden. Als Unterstützung für die Veranstaltung hatten die Letzte Instanz einen Aufruf, um eine Sängerin zufinden, durchgeführt. Diesen Aufruf hatte Johanna Krins von Delva für sich entscheiden können und wurde nun auf die Bühne gebeten. Es folgte „Kalter Kuss“, den beide sehr harmonisch sangen. Johannas volle, warme Stimme passt zu Hollys Stimme sehr gut und in den Duettstücken ergänzen sie sich gegenseitig trefflig. Unter enormen Applaus fragt Holly, ob ein weiteres Lied gewünscht ist und dies ist auch der Fall. „Der Garten“ mit der voluminösen Stimme Johannas ist durchaus der Gänsehautmoment des Abends.

Letzte Instanz @ Gothik meets Klassik 2017

Die Zeit rennt und es ist mittlerweile 1 Uhr. Man bemerkt, dass das Publikum nun über fünf Stunden Musik hinter sich hat und Müdigkeit macht sich breit. eine weitere Welle Menschen verlässt das wirklich großartige Konzert. Es ist mittlerweile nur noch der feierwütige, harte Kern vorhanden. Es folgten die letzten beiden Lieder „Mein Todestag“ und Finsternis“ Das noch vorhandene Publikum singt mit und verlangt nach einer Zugabe.

Diese wird gespielt und mit „Komm!“ und „Von Anfang an“ ein letztes Mal Leben in den Saal gebracht, bevor sich jeder nach Hause begibt. Das Publikum hat nun 6 Stunden Musik hinter sich und ist durchaus gezeichnet.

Letzte Instanz @ Gothik meets Klassik 2017

Aus meiner Sicht war die Performance von „Letzte Instanz“ sehr gelungen und wie man erwartet überaus professionell, dennoch konnte man feststellen, dass der Sound hin und wieder nicht gepasst hat. Das Intro hatte zu viel Bass, sodass neben den Vibrationen der Bässe nichts mehr zu hören war. Weiterhin war Holly am Anfang zu laut und der Klang eher weniger brachial, eher zu höhenlastig. nasal. Gegen Ende des Konzertes war Holly sehr schlecht zu hören und die Bässe waren erneut viel zu intensiv, sodass der Sound von Violine und Gesang unterging.

Der Abend an sich war musikalisch gesehen sehr gelungen und eine Steigerung war vorhanden, dennoch ist die Anzahl der Bands bzw. die Spieldauer insgesamt zu lang, denn ab der Mitte des Oomph Konzertes wurde das Publikum zusehends weniger.

Feuertanz Festival 2017 – Samstag

Heute in 133 Tagen geht es weiter! Tag zwei des Feuertanz Festival 2018!

Samstag:

Ingrimm

Den zweiten Festivaltag eröffneten die sechs Mittelalter-Rocker von Ingrimm. Angriffslustig starteten sie in ihr Set, dass an ruhigen und rockigen Facetten alles bot. Bei „Hängt ihn“ schrie das Publikum lauthals mit und es bildete sich eine tanzende Traube im vorderen Bereich des Festivalgeländes. Die mittlerweile stark ansteigenden Temperaturen haben hierbei den Tanzenden nicht geschadet und es wurde ausgelassen gefeiert. Am Ende ihres Sets wurde nach einer Zugabe verlangt, welche Ingrimm den Zuschauern gewährte. Es handelte sich um „Sag mir nicht.“

Ingrimm @ Feuertanz Festival 2017

Ingrimm verwies auf die bald erscheinende CD und bei dieser Leistung freut man sich auf das, was da kommen möge, denn jeder anwesende hatte eine Menge Spaß.

 

Dudelzwerge

Die zweite Band des Tages waren die Dudelzwerge, die am Freitag auf dem Mittelaltermarkt mit ihrer Musik aufgetreten sind. Auf der großen Bühne wurde die Band durch Sänger Steffen, einen Gitarristen und einen Bassisten erweitert. Es stellte sich heraus, dass der eigentliche Sänger von Rabenschrey aus Gesundheitsgründen nicht anwesend sein kann, daher hat Steffen kurzfristig übernommen. Man merkte hierbei an der ein oder anderen Stelle eine gewisse Unsicherheit, doch die rauchig, rockige und kraftvolle Stimme konnte überzeugen. Zwischen rockigen Lieder, wie „Moloch“, „Reiter des Lichts“ und „Saraphir“ wurden akustische Lieder, wie „Connemarra“ gespielt. Bei den akustischen Stücken wurden sie von Naomi an der Davul unterstützt.

Dudelzwerge @ Feuertanz Festival 2017

Mit dem Lied „Licht und Schatten“, machten sie auf ihre bald erscheinende CD aufmerksam. Die sieben Musiker haben bei Ihrem Auftritt, trotz der genannten Umstände, alles gegeben und haben das Publikum mitnehmen können. Wir werden sicher noch mehr von ihnen hören.

 

Fejd

Nach den Dudelzwergen folgte die schwedische Band Fejd, die alle Lieder in Ihrer Landessprache gesungen haben. Als Geheimtipp am Samstag haben sich viele Besucher auf dem Platz vor der Bühne versammelt und es wurden immer mehr. Die sechs Musiker traten mit Schlagzeug, E-Gitarre, Bass, Nyckelharpa, Keyboard und Drehleier auf. Mit ihrer lockeren und interessanten Art haben sie das Publikum sofort für sich gewonnen und starker Jubel wurde Laut. In der heißen Nachmittagssonne haben sie allen Anwesenden noch weiter eingeheizt. Von ruhigen, balladesken Melodien bis zum harten Metalsound war alles dabei.

Fejd @ Feuertanz Festival 2017

Sie sind ihrem Status als Geheimtipp gerecht geworden und haben musikalisch, wie auch stimmungstechnisch perfekt zum Feuertanz gepasst. Dies sah das Publikum ebenso und hat mit lauten Zugaberufen mehr haben wollen, was dem Publikum erfüllt wurde.

 

Tanzwut

Unter dichtem Rauch, der den Fotografen und dem Publikum der ersten Reihe den Atem raubte, kamen Tanzwut auf die Bühne. Mit ihrer harten, elektronisch untermalten und rockigen Mittelaltermusik ziehen sie jedes Mal das Publikum binnen Sekunden in ihren Bann. Ob „Freitag der 13.“ oder „Spiegelkabinett“, sie laden mit ihren Liedern zum Mitmachen und Mitsingen ein. Während das Publikum der ersten Reihen gebannt lauschte und die Hände hier und da zu einem Händemeer in die Höhe hob, tanzten im hinteren Bereich die Leute ekstatisch zu deren Musik.

Tanzwut @ Feuertanz Festival 2017

Tanzwut haben erneut ihre Klasse gezeigt und ihr Können unter Beweis gestellt. Auch die geforderten Zugaben haben Sie gespielt.

 

Feuerschwanz

Ob Pirat, Narr, Vikinger oder Prinzessin. Alle fanden sich zu einem riesen Gelage vor der Festivalbühne zu Feuerschwanz ein. „Sex is Muss“ und im Anschluss „Moralisch“ führten zu den ersten Crowdsurfer-Strömen des Tages. Nach dem dritten Lied wurde die Narrenkappe gezückt und der Lindwurm ging heftig tanzend und springend durch das Publikum. „Wunsch ist Wunsch“ oder auch die „Ketzerei“, stetig waren die Mietzen präsent auf der Bühne. Hierbei war mit Zora von Vroudenspil eine durchaus bekannte Mietze auf der Bühne. Dem Publikum gefiel die Show und der Gesang war laut und durchdringend. „Metnotstand im Märchenland“ und „Seemannsliebe“ wurden gespielt. Nun wurde Felix vorgestellt und „Taugenix“ gespielt, während Hauptmann Feuerschwanz hinter die Bühne verschwand.

Während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand, tauchte Hauptmann Feuerschwanz mit seiner Rüstung auf und „Krieger des Mets“ wurde gespielt, während die Mietzen den Methammer schwangen. Es folgten Zugaberufe und während die Zugaben gespielt wurden, wurden T-Shirts ausgezogen und „Das niemals endende Gelage“ gefeiert.

Feuerschwanz @ Feuertanz Festival 2017

Feuerschwanz hat wieder einmal gezeigt, dass man ausgelassen feiern soll und sich den Genüssen hingeben soll, um durchaus abschalten zu können. Die Anwesenden haben die Jungs und Mietzen gefeiert.

 

Eisbrecher

Der Headliner des Samstagabends war die Band Eisbrecher. Die Band wird der „Neuen Deutschen Härte“ zugeordnet und man fragte sich, ob sie für ein Mittelalter-Festival geeignet sind. Der vollends gefüllte Platz vor der Bühne und die Stimmung, sprach definitiv für sich. Während des Intros füllte sich die Bühne nach und nach mit den Musikern und als letztes kam Alex auf die Bühne. Mit den ersten gespielten Akkorden war die Richtung der Musik klar; „Immer nach vorn.“ Um den Genuss des Konzertes für alle zu ermöglichen, haben Eisbrecher am Anfang ihres Konzertes eine Art „Footoshooting“ gegeben. Hierzu konnten alle ihre Smartphones herausholen und Fotos machen, um diese danach in Ihren Taschen zu lassen.

Im Anschluss ging das Konzert weiter und das Publikum war hin und weg. Mit „1000 Namen“ erklang der Gesang im Chor und bei „Himmel Ar*** Zwirn“ schrie das Publikum lauthals. Die Lichtshow mit hellblauem Licht, die Musik und die Texte verschmolzen während des Konzertes zu einer Einheit.

Es wurde verkündet, dass am 25.08. die neue CD „Sturmfahrt“ veröffentlicht wird und nach der Vorstellung, die Eisbrecher bisher gezeigt hat, wird diese ähnlich gut wie das Konzert.

Eisbrecher @ Feuertanz Festival 2017

Weiter ging es mit „Miststück“, welches noch härter, als alle bisherigen Lieder war. Ein Crowdsurfer nach dem anderen wurde zur Bühne getragen und dies hielt das komplette Konzert über an.

Ob Eisbrecher eine Band für das Feuertanz Festival ist, muss jeder mit sich selbst klären und dazu haben sicherlich auch viele eine eigene Meinung. Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass Eisbrecher mit Abstand die Band war, welche aus technischer Sicht den besten Sound des Wochenendes hatte, die mit Abstand interessanteste Lichtshow, ganz ohne Feuer und deren Ansagen abwechslungsreicher waren, wie die anderer Bands.

Konzertbericht Schlosshof Festival / Höchstadt Aisch

Seid gegrüßt, Freunde der Nacht!
Mein Name ist Hut, genauer Zylinder, und ich möchte meine weitsichtige Position auf dem Kopf der K. von Koriolis nutzen, um euch von gar vielgestaltigen Begebenheiten zu berichten.

Ich reise auf besagtem Kopf durch die Nacht (manchmal auch den Tag) und werde geschüttelt, gelüftet und zu kurioser Musik zum Tanzen gezwungen.

Beginnen möchte ich meine Erzählungen an einem kühlen, aber sonnigen Augusttag im Jahre des Hutes 2011. Höchstadt an der Aisch ist der Name der außerhalb des Frankenlandes wohl unbekannten Siedlung, die sich jedoch durch weitläufige Zelt- und Parkwiesen sowie ein pittoreskes Schloss samt Hof auszeichnet. Ihr ahnt, es geht um das kleine, aber feine Schlosshof-Festival.

Öffentlich schwer zu erreichen hat uns zum Glück ein privates Blechgefährt herangetragen. Fünf Minuten zu Kopf in Fußgängergeschwindigkeit von der feuchten und mückenreichen Wiese entfernt liegt der Eingang zum Schlossbereich. Auch der mittelalterliche Markt liegt hinter der Pforte, so dass nur zahlendes Publikum Zutritt hat, der Pöbel muss draußen bleiben. Für ein so kleines Festival erstaunlich viele Stände ergeben ein buntes Bild des Mittelalters, wie es sich der romantisch-moderne Mensch so vorstellt. Die stark rauchende Würstchenbraterei sorgt für eine passende Geruchskulisse, selbst belegbare Fladen und vegetarische Falafeln runden das kulinarische Bild ab. Einzig das Zuckerwerk sieht aus wie kurz vor knapp von Höchstädter Müttern bereitgestellt – aber niemand hat etwas gegen Kaffee und Kuchen einzuwenden, oder?

Schmiedewaren und Schmuck, Wässerchen und Schreibekunst, Felle und Gewandungen sind zu erwerben. Vortrefflich ist die Trennung der beiden Bereiche Markt und Bühne, so kann man den Markt ohne den Bühnenradau erleben und gemütlich den Met zur Marktmusik von Vermaledeyt verkosten.

Eine Ecke weiter lagern Gestalten in schwarzen und farbigen Gewändern auf Wiese und Pflastersteinen und harren der ersten musikalischen Truppe – Vermaledeyt gibt auch den Bühnenauftakt. Sechs Mann und eine Frau hoch in mittelalterlichen Gewändern haben uns ihre z.T. unaussprechlichen Instrumente und einen bunten Reigen mittelalterlicher Klänge mitgebracht. Fangen wir’s gemütlich an, war unser Credo und so wohnen wir dem Auftritt aus den hinteren Reihen bei. Selbst hier einwandfreie Sicht auf Bühne und Hof, und das nicht nur als Hut!

Von hinten hat man nicht nur einwandfreie Sicht auf die Bühne, sondern auch auf das feiernde Festival-Volk. Dieses lässt sich von den Spielleuten willig mitreißen und so klatscht und hüpft nach den ersten Liedern schon eine erkleckliche Menge. Ein erfreulicher Start und Beweis der Live-Qualitäten einer Band.

Moderiert wird das ganze Festival von Bastille, Bandmitglied oder zumindest Butler der späteren Gruppe Coppelius. Mit Hilfe von Publikum und Veranstalter gibt er kleine Einlagen zum besten und steuert die Meute mit Schildern wie „Applaus“ oder „Ruhe bitte“. Ersteres wäre nicht nötig gewesen, johlt doch die Menge bereits bei der ersten Band freudig mit.

Nach Vermaledeyt kommt erst einmal ein Umbau-Päuschen. Umsehen, gesehen werden, Gewänder bestaunen. Eine bunte Truppe hat sich versammelt, auch wenn die schwarze Farbe wie so oft überwiegt. Meiner Erfahrung nach sind Veranstaltungen dieser Art bisher einwandfrei friedlich geblieben, denn die Schwärze der Kleidung lässt nicht unbedingt auf die Schwärze der Seele schließen. Meinereiner trägt schließlich auch gepflegten Schwarzes. Das Päuschen dehnt sich. Bandmitglieder tummeln sich bereits auf der Bühne – Ignis Fatuu steht auf dem Programm und auf der Bühne. Wir zockeln nach vorne, denn die „Drachenreiter“ wollen wir uns nicht entgehen lassen. Bis zur dritten Reihe kommt man ohne Weiteres durch die locker stehende Menge, die immer wieder zur Bühne späht, jedoch – das Päuschen wird zur ausgewachsenen Pause. Der dunkelhaarige Sänger Alex stimmt ein paar Mal schmetternd „Es ist der Nooordwind“ an, der Mann ist willig, jedoch die Technik schwach. Auch das sehnsüchtige Flöten der Dame verhallt ungehört. Mit über einer halben Stunde Verspätung ertönen schließlich die ersten Klänge. Leider sind Sänger und Blasinstrumente eindeutig zu leise eingestellt und die ungeplante Verzögerung scheint an den Nerven der Band gezerrt zu haben. Sie brausen durch die Lieder und lassen sich kaum Zeit für zwischenzeitliches Geplänkel mit dem Publikum. Auf die Drachenreiter warten wir vergeblich. Meine Trägerin wackelt unwillig mit dem Kopf, bis mir schlecht wird. Natürlich ist eine unverschuldet zu erduldende Pause unerfreulich, wir hätten der Band allerdings ein wenig mehr Gelassenheit gewünscht. „Wir spielen bis ihr uns von der Bühne tragt!“ – immerhin gibt es keine direkt angrenzenden Anwohner oder gar eine Sperrstunde. Gleichwohl sorgt die Truppe für gute Stimmung der schon zapplig wartenden Meute und Geigensoli inkl. geschüttelten blonden Locken sorgen für zunehmende Feierlaune.

Die beste Einstimmung auf – Coppelius!
Fünf Herren im Frack nebst Diener und Absinth. Und ein gerüttelt Maß an Wahnsinn, das sie von der Bühne herunter direkt ins Publikum tragen. Wortwörtlich, denn ehe man sich’s versieht, ist man vom Butler in einen Tanzkreis gezerrt worden – zum Glück sitze ich fest auf dem grölenden Schädel der K. von Koriolis. Der Klarinettist zieht seine Bahnen durchs Publikum, gefolgt von den bangen Blicken der Security, doch überall wird ihm ehrfürchtig Platz gemacht.
Metal mit Klarinetten und Cello – nicht unbedingt typisch mittelalterlich, aber nach den beiden „klassischen“ Bands eine willkommene Abwechslung, die die Leute mitreißt und die Stimmung ordentlich anheizt. Am Ende befinden wir uns alle willenlos in den Händen der Band und setzen uns sogar gesammelt nieder, um zu „Ade mein Lieb“ Abschied zu nehmen von schrägen Bärten, artistischer Gesichtsakrobatik und meinen Verwandten auf den Köpfen der Musiker.

Offen für Neues, beschwingt und in Feierlaune warten wir auf Mono Inc. – die nächsten in der Reihe. Trotz Reifenpanne mit dem Tourbus kommen sie gut gelaunt hereingepurzelt. Eher schwarz behaucht als mittelalterlich füllt diese Gruppierung um den (fast) haarlosen Frontmann Martin die mittelalterlichen Gemäuer mit den ersten englischen Texten des Festivals. Die Laune steigt, die Rhythmen werden härter, da fallen ein paar Regentropfen auch nur mir auf, da ich den Wolken halt so nah bin. Klatschende Hände, fröhliches Mitsingen und spätestens bei Schlagzeugerin Katha Mias Trommelsolo brüllt die ganze Meute ausgelassen „HO!“. Zugegebenermaßen mit ein paar Anläufen, dann jedoch durchaus synchron. Inzwischen scheint auch die Technik einigermaßen im Griff, und so steht dem weiteren Verlauf nichts mehr im Wege.

Ach wäre doch nur wenigstens EINE Band im Programm gewesen, die nicht sehenswert wäre, das wünschen sich die tanzgeplagten Füße. Was solls, da muss man durch, auch wenn es nun härter wird fürs Gebein, denn Tanzwut schwingt sich auf die Bühne. Darauf haben ein paar halbnackte Wikinger und ihre Trinkhörner nur gewartet, doch alles bleibt friedlich. „Ihr wolltet Spaß“ – tja, das haben wir nun davon, wir müssen tanzen und hüpfen, bis uns die Krempe schlackert. Der Teufel höchstpersönlich zieht alle Register von elektronisch bis Sackpfeife. Inzwischen ist es dunkel geworden und das Schloss malerisch erleuchtet. Wer genau hinschaut, sieht im oberen Stockwerk bereits Alea von SaMo seine Aufwärmübungen machen. Sein erleuchtetes Fenster zieht wohl alle Mücken auf sich, denn wir haben unsere Ruhe.

So stürmen denn zu guter Letzt– zeitlich ordentlich hintendran – die Spielleute von Saltatio Mortis die Bühne. Einer nach dem anderen – hört das denn gar nicht mehr auf? Acht wilde Barden mit dem Springteufel Alea als Frontmann werfen ihr Können in die Waagschale, um dem Publikum den Rest zu geben. Und das können sie ziemlich gut und authentisch. Entsprechend inbrünstig singt Alea den Hochzeitstanz, denn selbst erst vor kurzem vermählt, geht ihm das Lied noch deutlich unter die Haut. Mit riesiger Flagge bewaffnet, wagt er sich auch durch die Massen, die gegen Ende immer zahlreicher wurden. Inzwischen ist es weit nach Mitternacht, doch die Franken sind großzügig und lassen uns feiern bis zum endgültigen Finale. Hingerissen schwören wir beim Spielmannsschwur, auch nächstes Jahr wieder dabeizusein, wenn der Schlosshof bebt und sich mit heißen Klängen füllt.

Texte von K. von Koriolis

Tanzwut / Schlosshof Festival