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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Unzucht / Eisheilige Nacht 2014

Unzucht / Dark Current Fest Speyer

Interview Dark Current Festival

Dark Current Fest 2014 / Speyer 1WER steckt eigentlich hinter dem Dark Current Fest? Begriffe wie Rockwinzer und Rock im Wingert scheinen damit zusammenzuhängen, aber wer seid ihr genau? Und was macht ihr sonst so, wenn ihr nicht gerade ein Festival inszeniert?

Hinter dem Dark Current Fest steckt ein gemeinnütziger Verein, der Rockwinzer e.V. aus Bad Dürkheim. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und sind  in den unterschiedlichsten Berufszweigen tätig. Unser Hauptevent, das „Rock im Wingert“ findetbjeden Juli im Stadion Trift Bad Dürkheim statt. Mit beiden Festivals geben wir Nachwuchsbands die Möglichkeit, mit den „Großen“ aufzutreten und größerem Publikum ihr Können unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig sorgen wir neben der total überlaufenen Pop-Kultur für etwas musikalische Abwechslung in der Region.

WIE seid ihr auf die Idee gekommen, ein Festival und noch dazu eines im November drinnen zu veranstalten? Es ist ja nicht unbedingt eine übliche Jahreszeit und ein Hallenfestival stellt ja immer nochmal andere Herausforderungen an die Veranstalter als die üblichen Sommer-Wald-und-Wiesen-Festivals. Stichworte Markt und Stände, Übernachtungen, Bandbuchungen, und alles, was ich jetzt als Nicht-Festival-Veranstalter noch nicht bedacht habe…

In der Tat stehen wir vor einer großen Herausforderung. Es ist nicht einfach, bei dem Angebot an Festivals noch Publikum für ein weiteres zu begeistern. Sicher, der November glänzt nicht gerade mit Sonne und Hitze, jedoch sind wir in der Halle wetterunabhängig. Die Halle an sich ist fix und fertig eingerichtet, benötigt somit wenig Vorbereitung. Mit der Übernachtungssituation wurden wir total überrascht. Speyer ist zu dem Termin ziemlich dicht und die Fernreisenden haben Mühe, freie Zimmer zu finden. Ich schaue jede Woche durch die Angebote der Umgebung und poste sie auf unserer Facebookseite. Bands zu buchen war kein Problem. Einen Verkaufsstand haben wir auch. Insgesamt war die Resonanz auf Anfragen bzgl. Veraufsstände doch sehr gering, gleiches gilt für Sponsoren. Ein neues Event birgt Risiken, welche die meisten einfach nicht eingehen wollen.

WAS ist euch alles bei der Planung Kurioses passiert? Also wenn ihr jetzt am Stammtisch eine „Ihr glaubt es nicht“-Geschichte aus der Festivalplanung erzählen wollt, was packt ihr auf den Tisch?

Naja, in der Planung an sich eigentlich nichts. Erstaunlich ist allerdings, aus welchen Ecken unsere Besucher kommen. Wir haben Gäste aus Chemnitz, Wilhelmshaven und sogar den Niederlanden, um ein paar Beispiele zu nennen. Das ist schon ziemlich abgefahren. Wir hoffen, dass der Vorverkauf in den nächsten zwei Wochen nochmal richtig in Fahrt kommt. Je voller, desto doller. Nicht wahr? :-)

WANN könnt ihr euch entspannt zurücklehnen? Wenn die Gäste rein- oder eher wenn sie rauslaufen? Oder die Geldbündel gezählt sind? Oder gar nicht, weil es gleich mit der Planung für 2015 weitergeht? Apropos … ^^ verratet ihr uns da schon etwas? 

Zurücklehnen können wir uns, wenn alle Rechnungen bezahlt und wir nicht zu weit ins Minus gerutscht sind. :-) 2015 steht noch gänzlich in den Sternen. Wird 2014 ein Erfolg, so werden wir uns die Ergebnisse des Bandvotings anschauen, welches wir in diesem Jahr durchgeführt haben.

WO soll euer Festival mal hin? Wofür soll das Dark Current stehen, welche Lücke wollt ihr füllen? Und was wünscht ihr euch für die kommenden Jahre? Außer der Weltherrschaft natürlich, aber die wünscht sich ja jeder …

Wenn wir mal 4 Wochen vor Termin das „Ausverkauft“-Schild an die Tür hängen müssen, haben wir unser Ziel vorerst erreicht. „Dark Current“ steht schlicht für „Dunkelstrom“ und ist unter anderem eine Kenngröße bei Photodioden. Ich selbst kenn ihn aus der instrumentellen Analytik.

Das Team von dark-pictures.org bedankt sich ganz herzlich für das Interview und freut sich auf den 29. November :)
Aktuelle Infos über das Festival gibt es in Facebook hier: https://de-de.facebook.com/darkcurrentfest

Interview: K. von Koriolis

Venus Luzifer – das neue Album der Unzucht!

PromoImageUnzucht – Unzucht – Unzucht!
Unzucht aus Deutschland schaffen das, was fast jeder für unmöglich hält: sie schaffen sich ihre eigene Stilrichtung. Bald wird man in den Plattenläden neben „Alternative“, „Metal“ und „Rock“ auch noch diese Kategorie sehen: Unzucht.

Was sich dahinter verbirgt, vermag man mit Worten nur anzudeuten. Das Quartett um den charismatischen deutsch-spanischen Sänger Daniel Schulz vereint seit seinem Debut im Jahre 2012 modernste Härte mit melodischem Soundgewand und unverkennbaren Gesangslinien. Das ist es, was so vielen Bands fehlt: Wiedererkennungswert und Hitpotential.

Die selbsternannte Journaille des Landes prangert offen den Mangel an talentierten und förderungswürdigen Headlinern auf Metal-, Rock und Gothic-Festivals an. Hier kommt der Headliner von morgen: UNZUCHT mit dem betörenden 3. Album „Venus Luzifer“.

Der Schulz – Vocals
De Clercq – Guitars
Alex Blaschke – Bass
Toby Fuhrmann – Drums

Diskographie:
2012 Deine Zeit Läuft Ab (EP)
2012 Todsünde 8 (CD)
2013 Rosenkreuzer (CD)
2014 Venus Luzifer (CD)

Live on tour:

01.11.2014 Leipzig – Haus Auensee – Gothic Meets Classic
29.11.2014 Speyer – Halle 101 – Dark Current Festival 2014

18.12.2014 Pratteln (CH) – Z7 – Eisheilige Nacht
19.12.2014 Filderstadt bei Stuttgart – FILharmonie – Eisheilige Nacht
20.12.2014 Giessen – Hessenhallen – Eisheilige Nacht
21.12.2014 Dresden – Alter Schlachthof – Eisheilige Nacht
26.12.2014 Bielefeld – Ringlokschuppen – Eisheilige Nacht
27.12.2014 Würzburg – Posthalle – Eisheilige Nacht
28.12.2014 Bochum –Ruhrkongress – Eisheilige Nacht
29.12.2014 Bremen – Pier 2 – Eisheilige Nacht
30.12.2014 Potsdam – Metropolis Halle – Eisheilige Nacht

Venus Luzifer Tour 2015
Special Guest: Death Valley High

15.01.2015 DE Frankfurt – Nachtleben
16.01.2015 DE Kaiserslautern – Cotton Club
17.01.2015 DE München – Backstage
18.01.2015 DE Nürnberg – Hirsch
20.01.2015 UK London – Barfly
21.01.2015 NL Amsterdam – Sugar Factory
22.01.2015 DE Berlin – Magnet
23.01.2015 DE Köln – Underground
24.01.2015 DE Hamburg – Logo
29.01.2015 DE Stuttgart – Zentral
30.01.2015 DE Osnabrück – Bastard
31.01.2015 DE Bochum – Matrix
01.02.2015 DE Leipzig – Moritzbastei
04.02.2015 AT Wien – Szene
06.02.2015 AT Wörgl – Komma
07.02.2015 AT Graz – Explosiv

Unzucht / Amphi Festival 2014

Unzucht / Club Zentral Stuttgart

Feuertal Festival / Wuppertal

 Ab ins Feuertal!

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Seinem Namen seit zehn Jahren alle Ehre macht das idyllisch zwischen Felsen und Bäumen gelegene Festival, welches erstaunlich zentral und doch grün im Wuppertaler Stadtgebiet liegt. In fußläufiger Entfernung vom Hauptbahnhof erstreckt sich das Festivalgelände hangaufwärts Richtung botanischer Garten und ist damit so gut erreichbar wie kaum ein anderes Sommerfestival. Als eines der letzten im Jahr muss es seinen Besuchern auch einiges bieten, um die bereits gesehenen Highlights zu übertreffen. Veranstalter, Unterkunft und Location geben dabei erfolgreich ihr Bestes. Die übliche angeschlossene Campingwiese fehlt aufgrund der städtischen Lage, dafür wird das historische Freibad „In der Mirke“ zum ungewöhnlichen, wenn auch abgelegenen Zeltgelände. Dass man nachts auf dem abschüssigen Gelände durchs Zelt kullert, wird durch Aftershow-Partys, warme Duschen, Frühstück und spaßige Planschbecken in außergewöhnlichem Ambiente wettgemacht. Das Festival selbst ist 2013 zum zweiten Mal zweitägig, was die recht zünftigen Eintrittspreise erträglicher macht. Wer allerdings einmal drin ist, bekommt Speis‘ und Trank zu fairen Preisen, somit ist dies auch wieder ausgeglichen.

Musikalisch gab es den eher mittelalterlich angehauchten Freitag sowie einen schwärzeren und härteren Samstag, beides allerdings gut durchmischt mit genügend Abwechslung für alle Ohren. Erwähnenswert sind auch die beiden Moderatoren, keine geringeren als Eric Fish von Subway To Sally am Freitag und Teufel von Tanzwut am Samstag.

Freitag, 23.08.2013:

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Den mittelalterlichen Anfang am Freitag machen vor bereits locker gefüllten Reihen die bayrischen Mannen und Frau Vivianne von Vermaledeyt. Nach einem rhythmus- und melodienreichen Einstieg gaben die Meister des Dudelsack und der Schalmei alles, um das Festivalpublikum zu begeistern, welches dies auch willig mit sich machen ließ. Ob Jean der Franzose jedoch das Versprechen, im Nachgang noch mit allen Interessierten zu trinken, überlebt hat, ist nicht bekannt.

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Ein zeitlicher Sprung ins späte neunzehnte Jahrhundert erfolgt mit dem gewohnt chaotisch-rasanten Auftritt der befrackten Herrschaften von Coppelius samt ihrem Butler Bastille, die Bühne und Zuschauerbereich mit einer wahnwitzigen Show und wohlchoreografierter Anarchie erfüllen. Besonders des Butlers Ausflüge ins Publikum sind legendär. Diesmal waren leider keine Sektgläser zur Hand, so wurde zu Esc. I der Sekt direkt vom Butler in die brav aufgesperrten Schnäbel gekippt. Viel zu schnell geht die Stunde coppelianischer Harmonien vorbei. Da capo!

Bei fünf Bands am Tag spielt ja jede Gruppierung erfreulich lang, so ist der Auftritt der Dritten im Bunde, Fiddler’s Green, mit einer starken Stunde schon fast ein eigenes kleines Konzert. Der gutgelaunte Folkrock der gebürtigen Deutschen gibt jedes Mal Anlass zu spontaner Freude und wildem Gehüpfe. Die ersten Reihen füllen sich zunehmend mit einem nackten Durcheinander aus Armen, Haaren und Trinkhörnern. Wie immer bleibt aber alles friedlich und die nach hinten ansteigenden Stufen ermöglichen einen unverstellten Blick auf die sechs, an eine durchgeknallte und gealterte Schulband erinnernden, Musiker.

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Mit zwei großen Bands endet der temporeiche erste Tag – den Anfang macht die Letzte Instanz, bei deren vielschichtigen Texten und Balladen auch mal ein paar Momente zum Innehalten dabei sind. Nichtsdestotrotz füllt sich das Halbrund vor der Waldbühne zusehends und die Atmosphäre wird dichter. Der Tag vergeht, aber es bleibt warm und angenehm. So lässt es sich gemütlich aushalten, bis die letzte Band des Tages, die alten Hasen von Saltatio Mortis das Feld betreten. Viele Stücke aus ihrer neuen Platte werden angespielt und selbst nach der frühen anwohnerfreundlichen Beendigung des Konzertes gegen zweiundzwanzig Uhr sind die letzten Töne nicht gespielt. Es vergeht keine Viertelstunde, da entern die SaMos den unteren Getränkestand, was diesem zwar die Einnahmen verhagelt, ein beglücktes Häufchen Fans jedoch mit einem außergewöhnlichen Festivalerlebnis in den Feierabend entlässt.

 

 


Samstag, 24.08.2013:

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Der Samstag fängt mit einem der vielversprechendsten Newcomer der Szene an – die Unzucht lässt mit ihren unverschämten und freizügigen Texten die Menge begeistert erbeben. Erst 2009 gegründet, machen sie bereits beim zweiten Album professionellen Gothic Rock bei gutem Sound und intensiver Bühnenpräsenz. Und Frontmann Daniel Schulz sollte man auch nicht zum letzten Mal an diesem Tag gesehen haben.

2013-08-24_Nachtgeschrei_Bild_1147Doch zuerst folgen die düsteren und schwarzbelederten Männer von Nachtgeschrei, deren Outfit schweres Metall vermuten lässt. Sie erfreuen jedoch die Mittelalter-Fraktion unter den Fans mit den typischen Instrumenten wie Drehleier und Dudelsack. Hinzu kommt, dass sie seit kurzem einen neuen Sänger ihr eigen nennen, der der Band ein neues Gesicht wie auch eine neue und andere Stimme gibt.

Härter geht es weiter – die silbernen Jungs von Stahlmann kommen ganz in der Tradition des Rammstein’schen Sounds daher, bringen aber eine seit neustem auch ungewohnt melodische Note zum Tragen. Ob Stahlmänner rosten?

2013-08-24_Stahlmann_Bild_4326Frontmann Martin lässt sich jedoch vom einsetzenden Regen nicht beirren und auch die Zuschauer nehmen es mit Gelassenheit und feiern ungetrübt weiter, besonders als es sich der Teufel höchstpersönlich nicht nehmen lässt, auf der Bühne zu erscheinen. Die harten Klänge von Stahlmann bereiten wunderbar das Feld für die Durchstarter der Szene, Mono Inc.. Das finden diese wohl auch, schließlich waren sie auch schon gemeinsam auf Tour.
2013-08-24_Mono_Inc_Bild_1475Mono Inc. legt die üblich rasante Show mit ihren dunklen, von elektronischen Klängen durchwebten Songs hin. Neu ist, dass Martin seit dem letzten Album auch auf Deutsch singt, was wohl das Interesse der Bildzeitung geweckt hat. Der ehemals freundliche Trommler und nun Gruftirocker Martin nimmt’s mit Humor und sorgt wie so oft mit seinen kurzen Anekdoten für herzliche Lacher im Publikum. Ein Wiedersehen gibt es mit Herrn Schulz von Unzucht, der mit Martin Viva Hades im Duett zum Besten gibt. Es haben sich alle offenbar sehr lieb, so viel wird da umarmt und geküsst.

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Derart aufgewärmt sind es nur noch ein paar Grad Unterschied bis zur folgenden Feuershow von Subway To Sally, die diese schon fast vorlegen müssen, um nicht hinter sich selbst zurückzustehen. Seit zwanzig Jahren sorgen die Mittelaltermetaller mit ihren eingängigen Texten und treibenden Melodien für wilde Eruptionen im Publikum. Ob Frau Schmidt feuerumtobt ein Violinensolo spielt oder Eric Fish selbst zum Feuerstab greift, bei Subway geht es immer heiß her. Mit einer inzwischen langen Reihe an wohlbekannten Hits sorgen sie für einen würdig heißen Abschluss des feurigen Festivals.

Autorin: K. von Koriolis

Unzucht / Feuertal Festival

Interview mit Daniel Schulz / Unzucht




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Juno: Erst mal alles Gute zum Geburtstag  nachträglich! Habt ihr denn ordentlich gefeiert?

DS: Vielen Dank! Soll ich mal ehrlich sein? Wir hatten fast den ganzen Tag eine Besprechung! Aber die hat bei meinem Lieblingsspanier stattgefunden und so haben wir das Angenehme mit dem nötigen kombiniert und ja, so war es trotzdem ein schöner Tag.

Juno: Ich muss jetzt einfach mal auf deinen Hund zu sprechen kommen, du hast einen so tollen Hund! Wartet der im Tourbus auf dich?

DS: Nee, leider nicht, den konnte ich nicht mitbringen, da wir nicht im Tourbus unterwegs sind. Wir sind nur mit PKW unterwegs und da herrscht notorischer Platzmangel.

Juno: Hast du ihn schon mal mitnehmen können?

DS: Wenn das vorher geklärt ist, dann ja. Das wäre hier sicher sogar gegangen, hier ist ja genug Auslauf. Er ist an fremden Orten auch total entspannt und legt sich dann in eine Ecke, schnüffelt etwas herum und schläft dann.


Juno: Wie heißt er denn?

DS: Chucky. Er ist ein Jagdhund Mischling und mittlerweile schon 13 Jahre alt. Den Namen haben wir ihm noch nicht mal gegeben. Er hatte Vorbesitzer, die wollten ihn mit fünf Jahren ins Tierheim abschieben und da haben wir gesagt: „Halt, nein! Der muss bei uns bleiben.“  Und- ich verrate mal, dass er im neuen Unzucht Video auch eine tragende Rolle spielt.

Juno: Oh, das klingt toll! Da sind wir gespannt.

Im letzten Jahr habt ihr eine tolle Entwicklung mit Unzucht hingelegt, was hat sich für euch so verändert?

DS: Eigentlich nur, dass immer mehr Leute uns kennen.

Juno: Und, wie fühlt sich da an?

DS: Es fühlt sich irgendwie richtig an!

Juno: Wir lange arbeitest du denn schon darauf hin, wie lange machst du schon Musik?

DS: Ich mache Musik seitdem ich denken kann. Ich habe mit 12 Jahren meine erste Band gegründet. Demnächst habe ich meinen 1111 Auftritt. Ich muss unbedingt mitzählen, damit ich das nicht verpasse. Der 1000. war mit Unzucht und den habe ich völlig verpasst. Von den 1000 insgesamt waren knapp 100 mit Unzucht, da muss ich auch mal sehen, dass  ich darauf achte und den 100. nicht vergesse.

Juno: Ihr bringt am 20. September ein neues Album raus, was für eine Entwicklung kann man auf der neuen Platte erkennen?

DS: Absichtlich machen wir da nichts, das kommt alles aus dem Bauch. Die Songs sind von der Melodieführung reifer geworden, wir haben das ganze Album ultraschnell geschrieben. Nach unserer „Darkness Kills“ Tour haben wir angefangen. Das sah dann so aus, dass Daniel de Clercq, der so unser Hauptschrauber ist und auch die ganze Elektronik macht, anfing die Sachen aufzunehmen.  Das hat er dann zu mir rübergeschickt und so haben wir das ganze Album in nur acht Wochen geschrieben.

Wir haben völlig wahnsinnig gearbeitet, wir wollten unbedingt nach einem Jahr das nächste Album herausbringen und haben Vollgas gegeben.


Während De Clercq und ich noch an den Melodien du texten gearbeitet haben, haben Blaschke und Fuhrmann schon im Proberaum gesessen und die Songs für sich rund gespielt weil sie im Studio als erstes ran mussten. Das ging soweit, dass wir im Studio während der Aufnahmen einen teil der Songs noch gar nicht fertig hatten. Total wahnsinnig, anstrengend und irre, dass sowas überhaupt geht.
Für unser erstes Album hatten wir dagegen unser ganzes Leben Zeit.

Wir haben im Februar begonnen, waren im Mai fertig und haben dann noch bis in den Juni gemischt.

2013-08-24_Unzucht_Bild_1012Juno: Respekt!

DS: Es ist jedenfalls ein sehr geiles Album geworden und mindestens zwei bis drei Schritte weiter als das erste.  Es beinhaltet die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen. Den Text zu „Nur die Ewigkeit“, den wir heute auch gespielt haben, habe ich geschrieben, weil letztes Jahr ein guter Freund von mir gestorben ist. Das spiegelt sich auch in vielen anderen Songs wider, aber auch der unzuchttypische Wahn ist wieder reichlich mit von der Partie.

Das neue Video handelt auch von dem Gefühl, dass man jemanden verloren hat. Aber es ist kein depressives Video und kein depressiver Song geworden, sondern macht Hoffnung und ist einfach schön. Da ist jemand gegangen und  hat gute Energie hinterlassen.

Juno: Woher kommt der Name des Albums, Rosenkreuzer?

DS: Wir hatten bestimmt mindestens 50 Titel und Rosenkreuzer war dann der Konsens, da eine Band ja wie eine Bruderschaft sein sollte. Oder auch wie eine Schwesternschaft, wir wollen ja her nicht chauvinistisch sein. Sie sollte zusammenhalten, aufeinander eingeschworen sein und das wird auch in dem Titelsong deutlich. „Wie Rosenkreuzer fest verschworen, wir werden ständig neu geboren“. Jedes Jahr, wenn wir neue Songs machen und wieder auf Tour gehen, werden wir neu geboren. Da kommt das eigentlich her.

2013-08-24_Unzucht_Bild_1016Juno: Ihr habt einen spanischen Coversong auf der neuen Platte, weshalb diesen Song und weshalb spanisch?

DS: Ich bin Halbspanier, meine Mutter kommt aus Galizien. Das ist auch die Heimat meines Herzens. Ich habe sehr schöne Jahre meiner Kindheit dort verbracht. Auch heute bin ich dort so oft es geht. Aber es war nicht mal meine Idee, einen spanischen Song zu covern.  Wir sind eine deutschsprachige Band. Es waren die anderen, die das vorgeschlagen haben und da kommt einem bei spanischen Rocksongs, die ein bisschen angedüstert sind, als erstes „Entre Dos Tierras“ in den Sinn. Eine Hammer Nummer. Es bedeutet mir natürlich viel einen Song in meiner zweiten Muttersprache zu singen.

Juno: Wie unterscheidest du beim Songwriting zwischen Unzucht und Schulz?

DS: Das ergibt sich von selbst. Wenn ich alleine zu Hause schreibe, wird es eher ein Schulzsong. Die Unzuchtsongs entstehen meist so, dass von De Clercq eine instrumentale Idee kommt und dann kann ich unzuchtmäßige Melodien und Texte schreiben. Und thematisch ist die Trennung meist auch deutlich, zu Unzucht würde jetzt nicht „Die wahren Asis seit ihr da oben“ passen. Aber die Texte beider Bands beißen sich auch nicht, und wenn nur auf ironischer Basis. Bei Schulz geht’s mir meist um Ethik und dass wir uns nicht so veräppeln lassen. Ich bin kein politischer Mensch, aber aus einer anständigen Ethik würde auch eine gute Politik entstehen.

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Juno: Das könnten sich passend zur Wahl unsere Politiker tatsächlich mal zu Herzen nehmen! Zum Abschluss: Unzucht in 3 Worten?

DS:
– Wahnsinn
– Alles-ist-erlaubt
– Es bleibt spannend

Juno: Gut, dann schreibe ich das als drei Sätze hin. Oder als drei lange Worte mit vielen Bindestrichen.

DS: Mit Bindestrichen kann man im Deutschen auch aus allem ein Wort machen.

 

 

 

Interviewerin: Juno

Unzucht / WGT 2013

Unzucht / Hafengeburtstag Hamburg

Hexentanz Festival / Losheim

Hexentanz – oder besser Regentanz?

Bei Outdoor-Aktivitäten Ende April ist natürlich immer mit wettertechnischen Überraschungen zu rechnen, aber diesmal wäre es wünschenswert gewesen, die Regengötter hätten sich nicht ganz so akribisch an die Vorhersage gehalten.
Der Freitag startete mit Regen – und einer neuen Location. In Losheim am See, einige Kilometer vom bisherigen Veranstaltungsort am Bostalsee entfernt. Idyllisch zwischen Wiesen und Wäldern am Hang gelegen, bietet sich eine durchaus passende Kulisse für Bühne, Mittelaltermarkt und großzügigen Zuschauerbereich. Einer der größten Pluspunkte ist das ansteigende Gelände, welches einen freien Blick auf die Bühne auch noch aus großer Entfernung gewährleistet. Bei schönem Wetter ein Päuschen auf der Picknickdecke und danach erfrischt ins Getümmel stürzen, so hatten es sich die Veranstalter sicher auch gedacht. Bei knöcheltiefem Schlamm wurde das Gefälle jedoch leider so mancher Festivalbekleidung zum Verhängnis und sorgte für den Einsatz von Gummimatten am zweiten Tag – der Golfrasen war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ein wenig angeknickt.

2013-04-26_Hexentanz_69eyes_Bild_12Der Freitag (26.04.2013)
Die Walpurgisschlacht am Freitag – der offizielle Auftakt zum rasenden Hexentanz – startete allem Wetter zum Trotz mit guter Laune und einem abwechslungs- und temporeichen Line-up. Jetzt erst recht, schien das Motto vieler Besucher und so tummelten sich schon bei den ersten Bands zahlreiche Feierwütige vor dem großzügig bemessenen Fotograben. Das Warm Up machte [soon], eine melodische Rock/Metal-Band aus Hamburg. Leider war der Bereich zur Bühne zu Beginn des Auftritts noch nicht fürs Publikum freigegeben, so dass der Band nichts anderes übrigblieb, als vor leerer Grasfläche zu starten. Ein unnötiger Patzer der Organisation zu Beginn, den die Band mit dem Kommentar „Ihr könnt uns zwar nicht sehen, aber zumindest hören“ überspielte. Spätestens bei Lord of The Lost waren aber alle, wo sie hinwollten, sei es an den zahlreichen Bier- und Metständen, vor der Bühne oder auf dem überschaubaren, aber vielseitigen Mittelaltermarkt. Mit ihrem letzten Stück Dry the Rain stießen sie natürlich beim Publikum, leider aber nicht bei den Wettergöttern auf offene Ohren. Ein Highlight des ersten Tages waren mit Sicherheit Van Canto, die Metal A Cappellaner, deren Schrabbel di Schrumm aus vielen Kehlen zeitweise vergessen ließ, dass sich außer einem Schlagzeug keine Instrumente auf der Bühne befanden. Klassiker wie Fear of the dark und Sabatons Primo Victoria hoben die Laune im Publikum merklich an. Im Anschluss bespielte uns die finnische Metalband 69 Eyes, die seit 2012 mit ihrem neuen Album X alle willigen Ohren mit ihren melodischen, sehr radiotauglichen Klängen beschallen. Die Apokalyptischen Reiter sorgten mit ihrer mitreißenden Bühnenshow für gewohnt ausgelassene Stimmung, die im wilden Bühnentanz einer Dame aus dem Publikum gipfelte. Peinlich für die Technik: der tonale Totalausfall über zwei Songs. Mit den Finnen von Sonata Arctica war eine weitere skandinavische Band am Start, die den Headliner für den ersten Festivaltag stellte. Mit leichter Verspätung bot sie für Ohren und Augen eine gute, melodische und, da englisch, verständliche Bühnenshow. Wölfe gehören hier sowohl musikalisch als auch grafisch zum unverzichtbaren Repertoire.

2013-04-27_Hexentanz_Maerzfeld_Bild_08

Der Samstag (27.04.2013)
Die eröffnende Band, Maerzfeld, auch unter dem Namen Stahlzeit als Rammstein Tribute Band bekannt, spielte ihre eigenen, harten und in Richtung Industrial gehenden Kompositionen. Die Stimmung war aber trotz ziemlicher Eiseskälte von Anfang an sehr gut. Die nachfolgende, estnische Gruppierung Metsatöll war eine weitere Hommage an das nordische Klischee der langhaarigen blonden Männer und ihrer harten Musik. Mit tiefen Stimmen spielten sie sehr hörbaren Heavy Folk Metal und versammelten eine gute Menge Publikum vor der Bühne. Den musikalischen Bogen zum NDH schlugen die silbernen Herren von Stahlmann. Mit harten Gitarrenriffs und mitreißenden Rhythmen ließen sie den Stimmungsfunken schließlich ganz auf die Zuschauer überspringen. Doch hatte man immer wieder mit tontechnischen Problemen zu kämpfen, was leider die Nachfolger von Coppelius mit ihren Kammerinstrumenten ebenfalls zu spüren bekamen. Mit aufwendigem Bühnenbild und adäquaten Outfits nahmen sie uns dennoch mit auf eine Reise ins unverhofft rockige 19. Jahrhundert. Immer schön im Wechsel – die nächsten Finnen warteten auf ihren Augenblick: Korpiklaani mit solidem naturverbundenen Folk-Metal. Vorletzte Band des Abends waren die allbekannten Mono Inc., die in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg vollbracht haben und im Herbst schon wieder mit einem neuen Album aufwarten – Tempo, Tempo! Dieses halten sie auch auf der Bühne ordentlich durch und werden mit einer stetig wachsenden Fangemeinde belohnt. Über Mangel an Fans kann sich der englische Headliner New Model Army auch nicht beklagen, als Veteranen des Rockgeschäfts, die seit den 70er Jahren dabei sind, hatten sie genug Zeit, die Leute für ihren Independent Rock zu begeistern. Einige vor allem jüngere Fans hatten dann aber nicht mehr genug Power für den letzten Auftritt eines langen matschigen Tages.

2013-04-26_Hexentanz_DAR_Bild_08Der Sonntag (28.04.2013)
Kalt, aber trocken. Die Eingangsband Lustkind bot Cello-Rock in Kombination mit E-Gitarre, durchaus hörenswert. Unzucht sorgte anschließend für ein wirkliches Stimmungsfest. Trotz der wenigen Zuschauer warf sich Sänger Daniel Schulz auf die ausgestreckten Hände und wurde sicher wieder an die rettende Balustrade getragen. Das nennt man Herzblut in der Fanbase! Spätestens bei Vogelfrey waren alle steifgelegenen Gelenke wieder warmgetanzt und so heizten sie das Publikum mit eingängigen Rhythmen und Melodien gut an. Witzige Texte und zur Abwechslung einmal eine gute Soundabmischung boten ein wunderbares Seh- und Hörerlebnis, auch zum Mitsingen. Die Reihen füllten sich zusehends, denn die Stimmungsrocker von Feuerschwanz und ihre leichtbekleideten Miezen kündigten sich an. Fröhliche Mittelalter-Musik zum Mitmachen, nicht zu anspruchsvoll – genau das richtige für ein Festivalpublikum, das schon den einen oder anderen Humpen Bier gehoben hat. Die Langzeit-Dark Waver Diary of Dreams boten im Anschluss gute Musikqualität zum Mitrocken. Stücke wie The Curse begeisterten die Zuhörerschaft und regten zum Mittanzen an. Leider sehr knapp bekanntgegeben: Ensiferum hat abgesagt. Als Ersatz trat die Pagan-Metal-Band Varg an. In Erinnerung blieben hier neben fliegenden Elementen wie Haaren, Toilettenrollen und Männer im Kuh-Kostüm die rot-schwarzen Bandmitglieder, die mit gutturalem Gesang und harten Rhythmen das Publikum warmhielten. Die Tontechnik hatte ihre Probleme wohl in den Griff bekommen, da der Sound zum Headliner Eisbrecher am Ende des Festivals wieder in gewohnter Qualität zur Verfügung stand. Fast eineinhalb Stunden Bühnen- und Effektshow waren ein Erlebnis für das ganze Publikum, ein Knaller zum Abschluss mit der Versprechung auf einen wundervollen Festival-Sommer!

Trotz Regen, Schlamm und Tontechnik – Daumen hoch fürs Hexentanz!

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Musikalisches Fazit: Gut durchmischt – an jedem Tag waren sehr sehens- und hörenswerte Bands am Start – und die Kombination von Newcomern und alten Hasen bringt jedem Ohr auch bis dato ungehörte Melodien nahe. Eine durchgängigere Moderation wäre wünschenswert gewesen – vielleicht etwas in Richtung Das Niveau oder Bastille von Coppelius.

Location: Schöne Umgebung, großer Pluspunkt für die ansteigende Wiese und den vielseitigen Markt. Mit See und Wald im Hintergrund haben nicht nur die vielen naturverbundenen Finnen einen würdigen Hintergrund für ihre Musik. Verpflegung: Erstaunlich viele Stände aus aller Herren Länder ließen keine kulinarischen Wünsche offen – eine lobenswerte Abwechslung zu reinen Bier-und-Wurst-Festivals. Lediglich bei den Getränken hätte man (oder besser Frau) sich ein wenig mehr Abwechslung in Richtung Wein, Sekt und Mischgetränke gewünscht.

Organisation: Durchwachsen – sehr freundliche Security, die offenbar auch ihren Spaß an der Musik hatte und uns souverän in unsere Bahnen lenkte, auch wenn wir nicht immer wussten, wo wir hinmussten (Meet & Wo?). Die Matschmatten hätten wir uns schon am ersten Tag gewünscht und dass eine Band vor leerem Rasen starten musste, war wahrlich sehr schade. Auch die Tontechnik hat noch Luft nach oben – aber es war ja immerhin das erste Mal an neuer Location, da sind Startschwierigkeiten verständlich. Mehr sanitäre Anlagen wären wünschenswert, aber hey – es gab warmes Wasser!

Autoren/Innen: K von Koriolis, Sheris v.d. Kauernburg

 

 

Unzucht / Hexentanz Losheim

Unzucht / LKA Stuttgart