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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Metusa & Tales of Nebelheym / Alte Stadthalle Weissach

2014-10-18_175320_TalesOfNebelheym_Bild_2177Metusa in Weissach – da müssen die meisten erst einmal auf die Karte schauen. Die Stadthalle war gebucht, zum Feste war geladen und eine Vorband war auch beschafft. Alles in Selbstorganisation – ob mehr als Family & Friends den Weg ins schwäbische Hinterland finden mögen?

Jedoch ist ein Lob an die Organisatoren angebracht: Gut gemacht, sicherlich2014-10-18_181438_TalesOfNebelheym_Bild_3631
200 Leute füllten die etwas in die Jahre gekommene Stadthalle, die Stimmung war sehr familiär und von Anfang an gut bis ausgelassen. Merch, Glücksrad und eine kleine Auswahl an Leckereien (auch an die Vegetarierer war gedacht – weiteres Lob) boten einen überschaubaren, aber charmanten Rahmen. Nicht umsonst waren gegen Ende die Töpfe und Fässer leer. Lediglich das Rattern des Glücksrades sorgte bei den leiseren Stücken für manch irritierten Blick.

Die ausgebaute und erweiterte Stadthallen-Bühne war mit guter Lichttechnik bestückt, bei der sich einige professionelle Clubs noch etwas abschauen könnten. Akustisch manchmal etwas rustikal, war der Sound aber durchaus zufriedenstellend, bei beiden Bands des Abends. Dieser begann mit der sechsköpfigen Kombo „Tales of Nebelheym“, die sich selbst treffend mit „Acoustic Steam Folk“ bezeichnen. Sechs Herren, mehr oder weniger gesteampunkt, bedienen eine Vielzahl an Instrumenten, begleitet lediglich durch minimialistische Percussion in Form eines Kajon und 2014-10-18_193212_Metusa_Bild_2642einer großen Djembe. Akkordeon, Geige, Flöten, akustische Gitarren, E-Bass und die geschulte Stimme von Sänger Teddy führen uns durch die mysteriöse Welt von Nebelheym, geführt durch einen dampfbetriebenen Kompass. Balladen, stimmungsvolle Rhythmen und eingängige Trinklieder ergeben eine angenehme Mischung und es macht Spaß, mit dem einsamen Wanderer auf die Reise zu gehen. „A Wanderer’s Heart“ heißt entsprechend auch die erste Platte. Ein passendes, stimmungsvolles Artwork macht dieses erste Werk zu einer lohnenswerten Anschaffung. Man wird sehen, ob Tales of Nebelheym auf der wachsenden Steampunk-Welle mitreiten können. Das musikalische Rüstzeug und einen guten Kompass haben sie auf jeden Fall schon dabei.

2014-10-18_193334_Metusa_Bild_2692Nachdem die Stimmung so schon eine Stunde gut auf Temperatur gehalten wurde, springen die sechs Mitglieder von Metusa in ihren schwarz-roten, aber doch individuellen Kostümen auf die Bühne. Eine Vielzahl an Instrumenten im Gepäck, erkennt man bei Metusa sofort die Freude am Auftritt und das musikalische Können. Gitarre, Sackpfeife, Akkordeon und Flöten werden eifrig getauscht, auch fremdartigere Instrumente wie die Nyckelharpa oder die griechische Bouzouki sind gekonnt im Einsatz. Doch nicht nur die Band gibt alles: Man merkt sofort, hier sind Fans mit Herzblut anwesend. Ab dem ersten Song liefern sich Band und Publikum ein Stimmungsduell und Sänger Domenicus hält alle in Bewegung. Auch die anderen Bandmitglieder haben sichtlich Spaß auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Weissach wird gerockt – selbst nach ausgiebigen Rudereinlagen und Polonaise mit aufblasbarem Schwertwal sind keine Ermüdungserscheinungen zu bemerken. Kleine Anekdoten und spontane Slapstickeinlagen sorgen für ausgelassene Stimmung und man steuert gut gelaunt dem Höhepunkt mit Pyroeffekten entgegen. Nicht weniger als drei Zugaben werden der Band entlockt und selbst danach wird im Zuschauerraum mit Trommeln und Nonsens-Gesang weitergefeiert.

Hier unterscheidet sich Metusa von den zahlreichen Mittelalterbands durch 2014-10-18_210444_Metusa_Bild_2
eine freche Mischung der Stilrichtungen und die interessanten, unterschiedlichen Bandmitglieder. Kein monotones Sackgedudel, sondern moderne, akzentuierte Rhythmen und eine abwechslungsreiche Mischung aus Mittelalterrock und Folk mit den zahlreichen Instrumenten ergeben eine niemals langweilige Klangfülle, die in unterschiedlichstem Liedgut zum Ausdruck bringt, was das Leben ausmacht: Feiern, Liebe, Gesang und Tempo, aber auch Innehalten und Nachdenklichkeit.

Hier geht’s zum kompletten Album von Tales of Nebelheym
Hier geht’s zum kompletten Album von Metusa

Text: K. von Koriolis
Fotos: Jesko Mägle