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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Red Hot Chilli Pipers

Ich (Benny) selbst spiele einen mittelalterlichen Dudelsack und bin früher und später auf die Red Hot Chilli Pipers gestoßen und habe mir gewünscht diese Gruppe einmal zu sehen. Das hat mir Nadine durch die Akkreditierung als Schreiberling nun erfüllt und was soll ich sagen?!

Viele Bands sind auf CD richtig stark und wenn man diese Live hört, hat man entweder das Gefühl, dass entweder alles studiotechnisch aufgehübscht wurde, die Band richtig gut ist oder eben richtig schlecht. All dies habe ich in meiner Zeit als „Musiker“ bisher erlebt. Bei den Red Hot Chilli Pipers war ich mehr als beeindruckt, denn auf den CDs sind viele verschiedene Instrumente zu hören und gefühlt 20-30 Musiker haben der Aufnahme beigewohnt. Neben Blechbläsern und vielstimmigen Dudelsäcken sind viele andere Instrumente zu hören. Am 15.11.2016 waren im Hirsch (Nürnberg) jedoch „nur“ acht Pipers anwesend.

      

Diese waren (v.l.n.r.):

  • am Schlagzeug – Steven Black
  • am Bass – Ross Saunders
  • an der Great Highland Pipe (GHP) – Willie Armstrong
  • GHP – Harry Richards
  • GHP – Gordon (Dougie) McCance
  • an der Gitarre – Michael Berrich
  • an Percussion – Grant Cassidy
  • am Keyboard – Gary O’Hagan

 

Das Publikum war reich gefüllt und der Altersdurchschnitt betrug ca. 30 Jahre. Nachdem Tir Nan Og das Publikum richtig angeheizt hatte, begannen die Pipers mit „Insomnia“ ein musikalisches Fest der Superlative. „Give me all your Lovin‘ “ sorgte dafür, dass das Publikum weiter angeheizt wurde. Die erste Ekstase wurde mit einem musikalischen Battle zwischen Gitarre und GHP erreicht, bevor mit einem Medley aus „Smoke on the Water“, „Thunderstruck“ und „Upside Down At Eden Court“ die Stimmung kochte. Das Medley besitzt in sich einen Spannungsbogen, der mit den ersten beiden Stücken aufgebaut wird und sich dann im dritten Teil entlädt. Hierbei wird das musikalisch rhythmische Thema von Thunderstruck immer wieder aufgegriffen. Um die Stimmung einerseits etwas herunterzufahren und andererseits die Band vorzustellen, gab es ein GHP-Jig-Battle zwischen Willie, Dougie und Harry, welches im „the Pig Jig“ endete. Das Publikum wurde nun als Juror gewählt, um den besten Piper herauszufinden. Die Wahl fiel auf Dougie, welcher sich mit einem „Ich liebe dich“ bedankte. Nun folgte ein atmosphärischer Gänsehautmoment. Keyboard (Gary O‘Hagan), eine gezupfte Gitarre (Michael Berrich) und eine einzelne GHP (Dougie) eröffneten das Lied „Chasing Cars“. Im Refrain stiegen die beiden anderen GHPs (Willie und Harry) ein und ermöglichten eine Zweistimmigkeit mit einer untermalenden GHP (Dougie). Anschließend war ein neues Stück, „Pressed for Time“ aus dem neuen Album Octane (06/2016) zu hören. Hierbei kommen hawaiianische Klänge zum Einsatz. Dies wird durch ein gut getimtes Tremollo der Gitarre und der Kongas und Bongos der Percussion ermöglicht. „Just for Willie“ und „Croftinloan Times“ eurphorisierten die Stimmung und die im Vordergrund stehende Marsch/Snaredrum (Grant Cassidy) rundete die Lieder vollständig ab. Drei GHPs starteten mit „Fat Bottomed Girls / Fat Arsed Lassies“ das vorletztes Lied des ersten Konzertteils. Bei anfangs ruhigen, träumerischen Melodien und weißen Derbys (diffus in mehreren Strahlen gefächertes, sich im Kreis drehendes Licht) in sonst dunklem Hintergrund beginnt das letzte Lied („Fix You“) des Blockes. Die epische Steigerung wird durch Stroboskope verstärkt und erreicht den Höhepunkt mit einer in goldfarbenem Licht getauchten Bühne. Mit Ende des Liedes geht das Licht in das Anfangs beschriebene schwarz/weiß zurück und die Musiker verlassen nach und nach die Bühne.

Nach einer Pause von ca. 20 Minuten startete der zweite Teil des Konzertes mit „Urban“, einem Lied vom neuen Album. „Little Cascade“ startete mit Schlagzeug und Powerblocks waren zu hören und nach und nach stiegen Gitarre, GHP und die restlichen Instrumente ein. Mitten im Lied fiel das Licht auf Grant und ein Marschtrommelsolo wie aus einem Gewehr startete. Musikalisch gesehen ein Feuerwerk, was durch den Jubel des Publikums unterstützt wurde. Nachfolgend präsentierten die Kiltrocker „Everybody Dance Now“ mit einer sehr gelungenen Interpretation und die Gitarre glänzt mit einem sehr passenden Solo. Nun war die Bühne leer und Grant und Steven waren allein und lieferten sich ein Drum Battle der besonderen Art. Von Doppel- über Pressschläge mit verschiedenen Tricks war hier alles dabei. Mit viel Humor haben die Beiden das Publikum bei Laune gehalten und sich in einem rhythmischen Drumstick-Fechtkampf nichts geschenkt. Im folgenden „Rora McLeod“ wird erneut die Stimmung angehoben. Nun folgt eines DER Lieder, die auf einer GHP gespielt werden müssen und dazu eine beliebte Dudelsackmelodie ist. „Highland Cathedral“ wurde anlässlich der Highland Games in Deutschland, im Jahr 1982, von zwei deutschen Komponisten (Ulrich Roever und Michael Korb) geschrieben und wird von den Pipers atmosphärisch umgesetzt. Untermalt von blauem und weißem Licht beginnt Willie, begleitet vom Keyboard, gefolgt vom Einsatz von Grant, bevor es erneut zu einem Gänsehautmoment kommt, bei dem alle Musiker einsetzen und eine epische Melodie spielen. Man schließt die Augen und stellt sich vor durch eine riesige Kathedrale umringt von majestätischen schottischen Bergen zu laufen. Diesen musikalischen Genuss honoriert das Publikum mit frenetischem Applaus. Es folgt keine Pause, denn mit „Starlight“ geht es mehrstimmig und episch weiter, sodass man aus dem Träumen nicht mehr herauskommt. Mit einer Kilt-Rock Interpretation von Aviciis – „Wake me Up“ wird die Stimmung immer weiter nach oben katapultiert. Der „Roadhouse Song“, welcher sich in „Seven Nation Army“ steigert treibt die Stimmung auf neue Höhen und das komplette Publikum grölt die jedem bekannte Melodie mit. Bei CSI New York wird es als Titelmelodie verwendet und die Blue Man Group, sowie die Pipers hab diesen Song von The Who neu interpretiert; „Baba O’Riley“. Dieser Song stellt ein Stück Musikgeschichte dar und wird durch die Pipers mit drei GHPs, Keyboard, Bass, Gitarre und Drums umgesetzt. Auch hier ist das Publikum schlichtweg begeistert. Diese Begeisterung soll anhalten, indem es zum Mitspringen bei „Don’t Stop Believing“ angehalten ist. Eine mehrstimmige Umsetzung des Liedes, mit aufbauender Spannung entlädt sich im Springen des Publikums und der Pipers. Die Stimmung scheint auf dem höchsten Punkt angekommen zu sein, doch mit einem solchen Finale hat niemand gerechnet. „We Will  Rock You“ und „Eye of the Tiger“ stellte(n) das/die letzte(n) Lied(er) des Abends dar und ließen das Publikum in lautstarken „Zugabe“-Rufen zurück.

Die Kilt-Rocker ließen das Publikum natürlich nicht zu lange warten und spielten die Zugaben „Long Way to the Top – If You Wanna Bagrock“ und „Auld Lang Syne“, wobei das Publikum aus vollem Halse mitsang.

 

Fazit des Abends ist, dass die Kilt-Rocker eine hervorragende Show darboten, bei der für Jeden etwas dabei gewesen ist. Das Publikum hat die Pipers zu jeder Zeit unterstützt und ist in der Musik vollkommen aufgegangen. An atmosphärisch epischen Klängen hat es nicht gemangelt und die Stimmung war nicht minder euphorisch. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es ein musikalisches Fest war, bei dem jeder Ton und jede Bewegung gestimmt hat und wer die Pipers je gesehen hat, der kann dies nachvollziehen. Für all Jene, die die Pipers nicht kennen, sind sie definitiv sehenswert und die seltene Gelegenheit sollte genutzt werden sie zu sehen.