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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Fiddler’s Green und Mainfelt „Alter Schlachthof“ – Dresden

Der heutige Konzertbericht kommt wieder einmal aus Dresden, wo wir uns in ruhiger folkiger Art und Weiße hervorragend unterhalten ließen. Mit Mainfelt und Fiddler’s Green war der Samstag ein sehr schöner Abend und schreit nach einer Wiederholung.

Im Schlachthof angekommen, wurden wir in den „kleinen“ Saal geleitet, indem schon viele auf den baldigen Beginn des Konzertabends warteten.

Mainfelt

Eine Bühne in schwarz mit gelbem Licht, dass wie Sonnenstrahlen in die Zuschauer fiel, bildete den Anfang des Abends und ließ die vierköpfige Truppe aus Südtirol freundlich und offen wirken. Das Quartett startete mit einem Schlagzeug (SZ), einer halbakustischen Bassgitarre, einer Westerngitarre und einem Banjo. Als erstes Lied war „Firestone“ vom aktuellen Album „Backwards Around The Sun“ zu hören, welches am 03. Februar 2017 veröffentlicht wurde. Während Firestone wurde eine Konfettikanone gezündet und ließ die Freude natürlich steigen. Weiter ging es mit einer Ballade, die ruhig startete und sich weiter aufbaute und richtig schön folkig wurde. Dies hat das Publikum auch mit starkem Beifall honoriert. Eine als Percussion genutzte Westerngitarre heizte das Publikum im flgenden Song an. Hierzu kann man nur sagen, dass stilvoll schöner Folkpop zu hören war, der in sich einen sehr angenehmen Liedaufbau hatte und in einem Spannungsbogen gipfelte, der die Anwesenden mitgehen ließ.

„Take Me Back“ von der neuen Platte entführte das Publikum mit energiegeladenen und träumerischen Rhythmen und Melodien „Backwards Around The Sun.“ Nachdem die Wintersonnenwende einen guten Monat her ist, steht der Sommer an und mit ihm die jährlich folgende Sommersonnenwende. In verschiedenen Kulturen wird zwischen 19.06 und 25.06 ein Fest zur Sommersonnenwende gefeiert. Von diesem Abend am Feuer mit einer warmen Brise um die Nase und Sterne zählend mit der Liebsten singen die Tiroler in „Midsummer“. Um dieses träumerische Lied zu untermalen strahlt die Bühne in orangenem Licht. Es wechselt das Licht zu blau und die Stimmung wird ruhiger und kühler. „Through the Storm“, eine ruhig startende Ballade, welche sich nach und nach aufbaut und in einen Höhepunkt gipfelt, gefolgt von erneut ruhigen und rockigen Klängen.

Mit „All My Ghosts“ trifft Mainfelt genau ins Schwarze, denn spätestens hier ist das komplette Publikum am Tanzen. Allein der Rhythmus und die harmonische Umsetzung, sowie das Banjo animieren Jedermann.  Zum letzten Lied haben Mainfelt nochmals alle Register gezogen und das Publikum abgeholt. Mit einem wirklich angemessenen, frenetischen Applaus und Beifallspfiffen wurden die Südtiroler nach 30 Minuten belohnt.

Mainfelt, eine eher unbekannte Truppe mit viel Spaß, Energie und einer gehörigen Portion träumerischem Folk, Folk-Pop und rockigen Elementen, war ein sehr gelungener Support um die Stimmung zu euphorisieren, bevor Fiddler’s Green loslegt.

 

 Fiddler’s Green

Nach einer 40-minütigen Pause war es dann soweit. Im, bis auf den letzten Platz gefüllten Saal, verdunkelte sich das Licht und das Bühnenlicht erstrahlt in Rot, wie das Cover des Devil‘s Dozen Albums. Man fühlt die Anspannung und die Erwartungen im Publikum. Alles ist still und es erklingt der Anfang der „Toccata und Fuge in d-Moll, BWV 565.“ Dieses imposante, barocke Meisterwerk der Orgelmusik eröffnet das Set von Fiddler’s Green und lässt viel erwarten. Auf der Bühne erscheinen nun nach und nach Patrick (Pat) an der Gitarre, Rainer am Bass, Frank an den Drums und im Anschluss Stefan am Akkordeon, Tobias an der Geige und zum Schluss Ralf (Albi) am Gesang. Es gibt einen fließenden Übergang von der Toccata zu „Leaving of Liverpool“ und schlagartig kommt Bewegung ins Publikum. Mit ihrem Speed-Folk benötigen sie lediglich wenige Sekunden um den ersten Pogo zu starten und alle im Saal zur Bewegung zu animieren. Dies ist auch am Beifall nach Ende des Liedes zu hören, mit dem die Erlanger Gruppe begrüßt wird.

Die Frage von Albi, ob alle bereit für eine Party sind, wurde heftig bejaht und weiter ging es. Mit einer allseits bekannten peruanischen Melodie, bekannt als El cóndor pasa, instrumentiert durch die irische Bouzouki und Violine beginnt „Down“ und der kurzzeitig pausierte Pogo ist wieder in voller Pracht zu sehen. Nun gehen wir 6 Jahre in die Vergangenheit und mit einem Klassiker ging es weiter. Aus dem Jahre 2010 vom Album „Folk’s Not Dead“ war „Mrs. McGrath“ zu hören, bei dem Stefan das Akkordeon gegen die Bodhrán tauscht. Zu diesem Lied erstrahlt die Bühne in schönem cyanfarbenem und weißen Licht. Wie üblich bei diesem Lied wird sowohl auf der Bühne, als auch im Publikum gesprungen und mit einem kräftigen „Hey!“ angefeuert. Weiter geht es mit „Victor and His Demons vom Album „Wall of Folk“ (2011). Das Publikum, welches immer noch in voller Bewegung ist, bedarf an dieser Stelle sicherlich keiner erneuten Erwähnung.

Der Grund für die Entstehung des folgenden Liedes war der Gedanke, dass man „die Alltagsgeschehene hinter sich lassen will und aus Allem herauswill!“ Mit „Bottoms Up“ machen die Erlanger deutlich, dass man aus seinen Fängen ausbrechen und z.B. in Pubs feiern soll, um alles um sich herum zu vergessen. Im Publikum ist ein wenig Ruhe eingekehrt und alles klatscht bei mintfarbenem Licht zum Lied, doch die Ruhe währt nicht lang bei „Perfect Gang“ kommt zum Klatschen noch ein „Wow“-Gesang und ein Springen im Zentrum des Publikums hinzu. Mit einem ‚Rockabilly Vintage Mikrofon‘ startet Albi eine Reise in das Jahr 2013 und zu hören ist „A Night in Dublin.“ – Du stehst vor deinem Haus und suchst die Schlüssel – Du willst auf Arbeit, aber dein neues Auto ist kaputt – das sind nur zwei der Textzeilen aus „Blame It on Me“, einem sehr sarkastischen Song vom neuen Album. Sehr schön war zu sehen, wie das Publikum die Feuerzeuge und Smartphones herausholte und die Bühne illuminierte, während das Bühnenlicht ausgeschaltet war. Ob das Bühnenlicht nun ausgeschaltet war oder eine anderer defekt vorlag war unklar, da Fiddler’s Green zu einer Längeren Ansage ausholten, in der sie betonten, dass dies der letzte Tourtag ist und sowas mal passieren kann. Da es aber etwas länger dauerte, wurde dem Publikum schon das Bier der Techniker versprochen, wenn diese das nicht bald hinbekämen. Um die Zeit zu überbrücken spielten Albi und Pat „Peter, Paul and Mary“ als a capella Stück. Nachdem das Licht wieder funktionierte wurde ein Song, inspiriert von einem Kinderbuch, „Mr. Tickle“, gespielt. Um sich die kompletten aufeinander folgenden Namen zu merken oder um nicht durcheinander zu kommen, wurde eine spezielle Gedankenstütze auf der Bühne verwendet. Diese ist sicher einigen aus Schulzeiten bekannt. Die kleine Verzögerung innerhalb des Sets hat das Publikum zwar kurz verschnaufen lassen, doch diese Pause hielt nicht wirklich lang an, denn es wurde erneut gesprungen und die Stimmung hoch gehalten. Mit einem wechselseitigen „ahaaaaaaa“ war das Publikum vollständig einbezogen.

Wir befinden uns nun mitten im Set von Fiddler’s Green, mit einer Mundharmonika und der Melodie von „Once Upon A Time In The West – Man With The Harmonica“ wurde ein rockiges Solo von Tobias eingeleitet. Zu hören war eine geloopte Geigenimprovisation von „Smoke on the Water“, welche mit jedem Durchlauf immer Vielstimmiger wurde. Nach einiger Zeit setzte das Schlagzeug und die Bodhrán ein und aus dem ‚Smoke on the Water – Thema‘ wurde ein folkiges Stück. Nachdem die restlichen Musiker die Bühne verlassen hatten, kommen sie nun mit Barhockern zurück und präsentieren „Boat on the River“. Das besondere hierbei ist, dass Rainer auf einem Kontrabass, Frank auf Toms und Percussion spielt und Pat, für wohl längere Zeit das letzte Mal, am Piano zu sehen ist, bei dieser sehr gut umgesetzten Ballade.

Nach dieser Ballade, trieb sich der Schalk auf der Bühne um, denn während das E-Piano weggeräumt wurde, warteten alle darauf, dass Pat seine Gitarre umschnallte. Währenddessen haben sie das Publikum mit „Reggae, Reggae“ bei Laune gehalten. Es erklangen „All the Way“ und „Yindy“ und das Publikum sprang im Saal herum.  Nun wichen die Anwesenden in der Mitte kreisförmig auseinander und mit „Bad Boys“ startete ein Circle-Pit (warum der nicht Folk-Pit, analog zum Wall of Folk genannt wird, weiß ich nicht?!), der die Erwartungen der Band erfüllte. Was nicht den Erwartungen der Band entsprach war die Stimmung in Dresden, denn selbst nach „Old Dun Cow“, wo der Circle-Pit in einen Pogo mündete und die Stimmung durchaus ausgelassen war, war es der Band eindeutig zu leise „an normalen Maßstäben gemessen“.

Dies liegt einfach daran, dass wir Sachsen schüchtern sind und erst am Ende völlig ausrasten.

Die Violine beginnt und das Publikum reckt die Hände in die Höhe und klatscht zu „Irish Washerwoman“, welches für die Violine mit moderatem Tempo startet und sich anschließend verdoppelt. Während sich das Lied dem Ende neigt, knien sich Stefan und Tobias innig anschauend, in der Mitte der Bühne, gegenüber. „Take Me Back“ mit Publikumsgesang, „Life Full„of Pain“ und „Sporting Day“ folgten nun zügig hintereinander. Als vorletzten Song spielte Fiddler’s Green „The Night Pat Murphy Died“ und ließ den Pogo erneut aufleben. Mit dem letzten Lied spielten die Erlanger „Folk‘s not Dead“, welches sie aufgrund der Gesundung Franks in „Frank the Tank“ umbenannten. Das Publikum genoss den Song natürlich vollkommen mit Springen, Pogo und allem was dazu gehört. Erneut zeigte sich der Schalk, als Albi mit einem roten Gipsarm auf der Bühne zu sehen war und Pat aus dem Konzept brachte. Am Ende wurde eine Konfettikanone abgefeuert und im Publikum verteilt, während die Band von der Bühne ging.

Unter lauten Zugaberufen, erschienen die Musiker erneut auf der Bühne. Pat und Tobi kommen zuerst auf die Bühne und eine akustische und ruhige Interpretation von „Good Riddance“ (Green Day) war zu hören. Nun folgte das Lied oder besser eine der Sachen, die auf einem Fiddler’s Green Konzert nicht fehlen darf. Die „Wall of Folk“, welche mit „Rocky Road to Dublin“ untermalt wurde. Hierbei wurden Damen und Herren gebeten sich je auf eine Seite der Wall zu stellen und die T-Shirts auszuziehen. Unverständlicherweise hat dies bei den Damen weniger gut funktioniert, wie bei den Männern. Mit kreisenden Shirts beginnt sich die Wall aufeinander zuzubewegen und endet in einem tanzenden Saal. Bei „The More the Marrier“ ließen viele gleich die T-Shirts ausgezogen und ließen ihre freizügigen Körper im Pogo aufeinanderprallen. Eine Art des Liedes hat noch gefehlt. Ein Trinklied, welches mit „A Bottle A Day“ nachgeholt wurde. Bei diesem Lied wurden alle Musiker und Support, sowie Logistiker, Techniker und alle Zugehörigen vorgestellt. Als Abschluss des Abends und der Tour wurden die Fiddler’s während des letzten Liedes („Blarney Roses“) von Mainfelt mit Krönchen, Spitzhüten und allerlei Karnevalssachen dekoriert, sodass allgemeines Gelächter auf der Bühne und im Publikum ausbrach.

Fazit:

Fiddler’s Green haben einen sehr schönen Tourabschluss mit dem Veranstaltungsort in Dresden gefunden und die Sachsen haben den Franken gezeigt, dass sie feiern können. Musikalisch mit einem Orgelmeisterwerk gestartet, haben Fiddler’s Green ihr neues Album meisterlich und mit vielen Gags vorgestellt. Der Abend wurde trotz diverser, durch die Technik, verursachte Patzer gemeistert und einen schönen Abend im Zeichen des Speed-Folk präsentiert. Leider sind die Jungs so schnell nicht wieder in Sachsen zu sehen. Die „näheren“ Veranstaltungsorte sind Abendberg bei Nürnberg (Feuertanz Festival), Bammersdorf westlich zwischen Bayreuth und Nürnberg (Shamrock Castle) und Ballenstedt westlich zwischen Halle und Magdeburg (Rockharz Open Air).Hoffen wir auf ein baldiges Wiedersehen!

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