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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

SVBWAY TO SALLY – Festhalle Annaberg-Buchholz

Subway to Sally – NEON-Ekustik Tour 07.04.2017 – Festhalle Annaberg-Buchhaolz

 

Die Festhalle in Annaberg-Buchholz, meist genutzt für Tanzveranstaltungen oder als Ort, an dem Komiker wie Olaf Schubert ihr Programm darbieten, diente am 07.04.2017 der Beherbergung der Gothic- und Mittelalterszene in Sachsen. Zuschauer aus den Regionen Görlitz, Dresden, Halle, Leipzig, Köln, und weiteren Orten folgten der Einladung von Subway to Sally. Die Festhalle, welche rund 1400 Plätze bietet, war nahezu gefüllt und bot eine Akustik, die selten so gelungen war. Neben der großen PA, wurden links, mittig und rechts der Bühne weitere, kleinere Boxen aufgestellt, sodass man zu jederzeit, an jedem Ort einen absolut genialen Sound hatte, was sich als musikalisches Erlebnis definitiv ausgezahlt hat. Die Bühne ist so dekoriert, dass sich um jeden Instrumentalisten eine Art Bilderrahmen aus Rohren mit eingebauten LED-Zylindern befindet. Dazu kommen auf der Bühne verteilt Laternen, die sowohl allein, wie auch in Kombination mit den LED-Zylindern die Bühne je nach Stimmung illuminieren. Ein Genuss für Auge und Ohr.

Als das Licht erloschen war, hörte man Glocken läuten und hallenden Mönchgesang, während das „Cob Dickie“ auf die Bühne ging, von einem einzelnen Scheinwerfer beleuchtet, seine Hand über eine Blau leuchtende Sphäre legte und die Effekte aktivierte. Nun kamen nach und nach die restlichen Musiker auf die Bühne. Durch die Effekte wird ein erster musikalischer Höhepunkt erzeugt, der gehalten wird – Ruhe – das Licht geht an und das Lied „Wenn Engel hassen“ begann. Dieses überzeugt am Anfang und in den Refrains mit viel Volumen und Dramatik. In den Strophen war Ruhe und viel Gefühl vorherrschend. Ein kurzes elektronisches Solo unterbricht hierbei keinesfalls den Fluss des Liedes, sondern erweitert es um eine weitere Ebene musikalischer Vielschichtigkeit. Dies zeigt sich auch im heftigen Beifall des Publikums.

Es folgt „Die Rose im Wasser“ mit einem Schlagzeug getriebenen Anfang, hierbei hört man, dass viel Wert auf die Akustik gelegt wird, denn das Schlagzeug von Simon sieht einerseits aus wie ein normales Schlagzeug, andererseits ist dieses eher als E-Drum zu sehen um damit die Lautstärke zu verringern. In der Mitte des Liedes ist ein Lautensolo enthalten, welches mystisch untermalt die Atmosphäre hebt und für Gänsehaut sorgt. „Verloren“ ist das nächste Lied, welches zu hören war. Hierbei ist die Effektsektion anfangs eher hintergründig, doch wird einem dadurch Kälte und das Gefühl etwas Kleines zu sein, vermittelt, das vom blauen Bühnenlicht untermalt wird. Ein Violinsolo von Ally mit Schlagzeug animiert das ohnehin schon tanzende Publikum zum Klatschen, gefolgt von einem Thereminsolo.

Unter giftgrünem Bühnenlicht spielen die 8 Musiker „Böses Erwachen.“ Auch hier hält sich der Einsatz der Effekte in Grenzen. Das Theremin unterstützt die Violine und das Publikum unterstützt mit Gesang und Klatschen die acht Musiker. Mit Flötenklängen und Ruhe geht es weiter. „Mitgift“ steigert sich unter klatschendem Publikum im Tempo und steigert somit die Spannung, welche sich im Wechselspiel zwischen Violine und Effekten entlädt um anschließend wieder in Ruhe mit gezupften Gitarrenklängen zu münden.

Ein Mann liebte seine Frau über den Tod hinaus, damit wird er immer und zu jeder Zeit zu seiner Liebe stehen. Dies soll mit der Mördergeschichte „Schwarze Seide“ ausgedrückt werden. Ruhige und gefühlvolle Klänge beginnen das Lied, indem die Effektsektion dominanter. Es sind das erste Mal die Neonröhren zu den Seiten der Instrumentalisten beleuchtet und bilden mit dem Hintergrund ein kühles, aber stimmungsvolles Bild. Ein durch die Laute dominiertes Lied folgt nun mit „Ins Dunkel.“ Es führt im Publikum zu wippendem hin und her bewegen und tosendem Beifall.

„Eines der schönsten Lieder, welche Ingo geschrieben hat folgt nun.“ Bei hellblauem Licht soll die kalte Stimmung von Eis, passend zum folgenden Lied ausgestrahlt werden. Mit Violine und Orgeleffekt, einem Moment des Innehaltens nach dem ersten Refrain wird Spannung aufgebaut und anschließend erhebt das Publikum wie in Ekstase die Stimme und singt mit Eric Fish zusammen „Eisblumen“ bei Violine, Flöte und jeder Menge Gänsehaut. „Henkersbraut“ bringt nach dieser Ballade Tempo in die Menge. Mit vielen treibenden, dominierenden Effekten wird das Publikum erneut in Bewegung gebracht und angeheizt. Die Effekte spielen in diesem Lied eine zentrale Rolle, denn mit Chorgesang und Dubstepeffekten erhält das Lied noch mehr Raum und Spannung.

Während des nun folgenden Liedes verlässt Dickie die Bühne und es folgt eine rein akustische Version von „Traum vom Tod.“ Es kommt eine Nyckelharpa zu Einsatz und zusammen mit Violine, Gitarre, Bass und Schalmei könnte man meinen, dass man back to the roots möchte. Dies wird mit dem nun folgenden auch nochmal bestärkt. Man hört ein Lied, welches einst vom einem Schotten geschrieben wurde und von einem Deutschen adaptiert wurde. In der Mittelalterszene ist dieses Lied unter dem Namen Rabenballade bekannt. Die Interpretation mit anderem Text von Subway to Sally nennt sich hier „Krähenfrass.“ Das Publikum ist vollauf begeistert.

Die Bühne leert sich und lediglich Ingo bleibt mit dem Publikum und einer Konzertgitarre zurück. Er spielt und das Publikum singt „Maria.“ Anfangs war das Publikum etwas unsicher, doch mit der steigenden Textsicherheit wurde der Gesang lauter. Das Publikum bejubelt sich selbst und diese fabelhafte Stimmung. Die Musiker kommen zurück auf die Bühne. Im Hintergund ist das Licht rot und im Vordergrund grün, ähnlich einer Rose. „Kleid aus Rosen“ ist effektgeladen und sehr rockig. Während des Liedes wird Eric Fish aus vorderster Reihe eine Rose zugeworfen, die er dankend annahm und spielerisch fühlend in das Lied integrierte. Als das Lied endete, schenkte er die Blume Ally.

Rockig und kräftig geht es weiter mit „Unsterblich.“ Das Publikum singt, wippt und ist gebannt durch die Vielfalt, die das Lied bietet mit ruhigen und schnelleren Parts, wenigen Instrumenten und wiederum allem, was Subway to Sally zu bieten hat. „Falscher Heiland“ ist erneut ein eher akustisches Lied ohne Effekte. Das Publikum ist nun „gebrochen“ und singt jedes Lied mit.

„Das Rätsel“ soll mit dem Schrei, welcher nunmehr ein Ritual ist gefüllt werden. Das Publikum singt das bekannte „WIR“ in den Strophen wartet gebannt auf den Schrei, der laut und deutlich erklang. Im folgenden Lied wird es interaktiv für das Publikum und die Effekte sind zurück. Als Anekdote erzählt Eric, dass noch ein Lied für eine Single benötigt wurde und nur noch wenig Zeit war. Ingo hat folglich alle Regeln, die es für einen Hit benötigt, in ein Lied gepackt und „Sieben“ entstand. Musikalisch ist die Umsetzung mit allen Effekten und Instrumentalisten gelungen und ein episches Stück entstand. Dies ist an der Reaktion des Publikums zu erkennen, denn alles Jubelt frenetisch.

Kräftig und zügig geht es weiter mit „Tanz auf dem Vulkan.“ Bei rotem Licht klatscht, tanzt und dreht sich das Publikum gemäß dem Text und ist in Hochstimmung. Als letztes Lied des Abends soll nun der „Veitstanz“ erklingen. Der hintere Bühnenbereich strahlt in blauem Licht, während der vordere Bereich in rotes Licht getaucht ist. Die Neonröhren leuchten in cyanfarbenem Licht und bilden visuell ein einmaliges Bild. Spätestens bei diesem Lied kommen alle Headbanger auf Ihre Kosten. Rhythmisch passend mit schwerem Takt kann hier getanzt werden und der Kopf geschwungen werden.

Das Publikum ist derart begeistert, dass laute Zugaberufe erklingen und diese über eine gefühlte Ewigkeit, bis die Band erneut auf der Bühne erscheint. Dickie erscheint auf der Bühne und ein Frauengesang ist zu hören, ebenso wie Hörner mit elektronischen Effekten unterlegt. Das Schlagzeug setzt ein und die acht Musiker beginnen die Zugabe mit „Grausame Schwester.“  „Dann stieß sie die Schwester vom Felsen hinab ins Meer“ und dieses Meer wurde durch das Publikum mit den Händen erzeugt. Das nun folgende Lied hat eine besondere „Botschaft“ mit „Sag dem Teufel“ und das Publikum singt erneut lauthals mit. Als letztes Lied der Zugabe spielen Subway to Sally „Ohne Liebe.“ Das Publikum kann immer noch nicht genug haben und ruft weiter nach einer Zugabe.

Diese gewährten Subway to Sally. Simon begann auf seinen Drums den Rhythmus von „We Will Rock You“ und leitet über in das Lied „Minne.“ Dieses mittelalterlich gespielte Lied überzeugt durch Einfachheit und Ruhe. Die Leute rufen immer noch nach einer Zugabe und stimmen das Lied „Julia und die Räuber an.“ Hierzu zog sich Eric Fish zurück, während das Publikum sang. Kurze Zeit später kam er wieder auf die Bühne mit einer schottischen Great Highland Pipe und einer gelben blinkenden Brille. Das Publikum sang nun noch lauter und verabschiedete Die acht unter großem Jubel.

Fazit:

Es war ein sehr gelungenes Konzert von Subway to Sally, welches audiovisuell seines Gleichen sucht. Eine Akustikshow mit elektronischen Effekten zu kombinieren erweitert die Möglichkeiten und füllt jenen Raum, der bei vielen akustischen Shows im Vergleich zur normalen Show entsteht. Es „fehlt“ also nichts bzw. vermisst man nichts. Die Anzahl der Effekte und deren Platzierung war genau richtig und nicht zu viel oder zu wenig. Die Stimmung der Anwesenden während des kompletten Konzertes war in Hochform und man hat gemerkt, dass das Publikum jeden Song genossen und gefühlt hat. Einen Vergleich zur Rockshow zu ziehen, kann man nicht, da die Lieder durch die gegebenen Möglichkeiten einerseits anders, andererseits innovativ klingen. Das subjektive Gefühl ist in diesem Falle schwer beschreibbar. Nicht einmal die Live-CD zur Neon-Ekustik Tour kann musikalisch das wiederspiegeln, was Subway to Sally geboten hat. Rockshow und Ekustikshow, zwei Gleise, zwei sehenswerte, unabhängige Darbietungen, aber ein Subway to Sally. Großartig!