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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Gothik meets Klassik

The Beauty of Gemina

Der Saal des Haus Auensee ist zu dreiviertel gefüllt, als das Bühnenlicht eine zartrosa Farbe annahm und fünf Musiker, darunter eine Violine, zwei Western-Gitarren, ein E-Bass und ein Schlagzeuger, die Bühne betraten. Die Show startet mit akustisch, ruhigen Klängen im Gewand des Blues und einigem an Applaus. Während die fünf Musiker die Anwesenden begrüßen, kommen zwei weitere Musiker auf die Bühne. Sie spielen unter anderem „Down by the Horses.“ Das Lied kommt sehr gut an und der Klang der Akustikshow kann sich hören lassen. Es folgt „Suicide Landscape“ und die Instrumentenvielfalt ist enorm. Keyboard, Violine, Saxophon, Cello, Schlagzeug, Bass und Gitarre sorgen für einen vollen, satten Klang und dies gefällt auch dem Publikum.

TBoG @ Gothik meets Klassik 2017

Dies zieht sich durch das Programm der Musiker und stellt einen enormen Kontrast zu den anderen Bands des Abends dar. Gothik Blues mit einem Hauch Dark Wave, aber auch Rock’n’Roll sind etwas anderes, aber wirklich geniales, um den Abend zu eröffnen. Dies merkt man sehr gut im akustischen Schlusslied, „Down on the Lane“, indem nahezu alle Elemente zusammenfallen. Das Publikum hat die Musiker über die 40-minütige Show mit starkem Applaus getragen und dies zu Recht.

 

Stahlmann

Nach 20 Minuten Umbaupause wird es hart und laut im Haus Auensee. Das Intro beginnt mit weißem Licht und Schlagzeug, Bass, Gitarre und Sänger betreten nacheinander die Bühne. Mit dem Ende des Intros steigen die Musiker in den Song „Bastard“ ein und sofort wird man an den Musikstil der Neuen deutschen Härte erinnert. Man merkt, dass das Publikum nicht nur die leisen Töne mag, denn mit dem Ende des Liedes, hört man lauten Applaus. Da die Hände einmal oben sind, sollen sie dort auch bleiben und es soll mit Stahlmann richtig gefeiert werden, wie Sänger Martin verkündet. Dies wird auch bei „Adrenalin“ und der zugehörigen Lichtshow deutlich. Gelb-orangene Grundtöne, viel Stroboskop- und bewegtes Licht verleihen dem Lied zusätzliche Aggressivität. Das Publikum wird nun immer stärker angeheizt. „Der Schmied“ lässt das erste Mal des Abends die Stimmen erklingen und dies bis in die letzten Reihen.

Nun erfolgt ein Stimmungstest seitens der Band und es ist festzustellen, dass das Publikum die Musik und Show geniest, denn die Stimmung ist richtig ins Rollen gekommen. Mit „Spring“ wird dies nochmal deutlich, indem die Musiker das Publikum anhalten zu springen und dies wird von mehr als der Hälfte des Saales durchgeführt.

Stahlmann @ Gothik meets Klassik 2017

Es wird dunkel und Stroboskope, wie auch Moving Heads in weißem Licht erfüllen ab und an die Bühne, dennoch ist die Bühne meist dunkel. Das Lied heißt „Schwarz“ und passt zur Farbe des Publikums, was auch dazu führt, dass der Text im Refrain vom Publikum aufgenommen und ab der Hälfte des Liedes laut mitgesungen wird. Bevor das letzte Lied erklingt, erklärt Sänger Martin, dass dieses Konzert das letzte für Gitarrist Frank „Schattenmann“ ist, was eher verhalten vom Publikum kommentiert wird. Das letzte Lied der 30-minütigen Show von Stahlmann ist „Süchtig“ und lies das Publikum nochmals richtig feiern.

Show und Musik waren der komplette Kontrast zu The Beauty of Gemina, was aber nicht für die Stimmung gilt, diese ist sogar noch gestiegen.

Tanzwut

Im Saal herrscht nun dichtes Gedränge und pünktlich 21:15 Uhr gehen die Lichter aus und das Intro für Tanzwut erklingt. Rotes Licht entflammt und drei Dudelsackspieler kommen auf die Bühne, direkt gefolgt vom Schlagzeuger und dem Rest der Spielleute. Teufel trat herein, mit einer Maske entsprechend seines Namens und drei weiteren Narren-Masken um sich herum. Die sieben Musiker spielten „Freude schöner Götterfunken“ verschmolzen mit „Schreib es mit Blut“ vom aktuellen Album. Das Publikum hat merklich Spaß, denn es gibt in den vorderen Reihen viel Bewegung und nachdem die Musiker endeten erklang heftiger, lauter Applaus. Noch während des Applauses sollen die Hände in der Luft bleiben und ein Meer aus Händen wird gebildet, welches sich zum nun folgenden Titel „Meer“ in Wogen hin und her bewegt. Teufel begrüßt das Publikum und freut sich wieder einmal in Leipzig zu sein. Der letzte Auftritt der Band war zum WGT in diesem Jahr. Laut Teufel ist in Leipzig viel Aberglaube zu finden und aus diesem Grund spielen die Musiker jetzt „Freitag der 13.“ Um auch die letzten Unbeweglichen im Publikum zum Tanzen zu bringen, möchte Tanzwut nun einen Zauberspruch spielen, damit das müde Fleisch sich bewegt. Es folgt eines der ältesten überlieferten Lieder im Bereich des Mittelalters und auch einem Lied, was man gern auf Mittelaltermärkten hört, der „Merseburger Zauberspruch.“ Hier kann man erkennen, dass Tanzwut ursprünglich vom Mittelaltermarkt kommt, wo sie auch heute ab und an wieder zu finden sind. Dennoch gibt es keine andere Band, die dieses Lied soweit interpretiert hat, dass Dudelsackparts gefolgt von gesanglichen Parts abgewechselt und mit choralem Gesang erweitert vorgetragen werden. Es folgt der direkte Übergang zu „Das Gerücht“ und „Stille Wasser“. Erneut werden die Hände zu einem Meer geformt und die ersten Headbanger des Abends sind zu sehen.

Tanzwut @ Gothik meets Klassik 2017

Des Teufels Großvater erzählte immer wieder Geschichten von Reitern, „Reiter ohne Kopf.“ Der Saal war nun dunkel und zwei Skelette tanzten im Schwarzlicht umher, wobei Kopf und Körper unabhängig voneinander agierten, was dem Publikum sehr zusagte. Es folgten „Geteert und Gefedert“, sowie „Tod Bin“, wobei hier erneut alles dunkel war. Der Tod solle wie in Mexiko gefeiert werden. Zu sehen waren Musiker mit Sombreros und 2 Todeskarten, welche im UV-Licht leuchteten. Neben den Karten des Todes wurden die Stars der Unterwelt eingeladen und in Masken der Folterknechte der Unterwelt spielte Tanzwut nun „Spiegelkabinett.“ Die Bühne ist voller verrückter Musiker, wie auch das Publikum. Alle sind somit Eins oder auch „Brüder im Geiste.“ Das aktuelle Konzert ist das vorletzte Rockkonzert in diesem Jahr, dennoch sind Tanzwut mit ihrer akustischen Tour auf Burgen und Schlössern in der Nähe anzutreffen. Als Abschlusslied erklingt „Hymnus Cerber!“ und das Logo von Tanzwut wird mittels leuchtender Polygone am Ende des 55-minütigen Konzertes dargestellt.

 

OOMPH!

Das Publikum wird langsam unruhig und mit lautem Klatschen soll die Band in den Saal gerufen werden. Das Intro beginnt und im Saal wird es laut. Während die Band eintritt, erklingen laute Rufe und Jubel. Dennoch ist das nicht alles, denn als Sänger Dero auf der Bühne erscheint, herrscht absolute Euphorie. Mit dem Intro erklingt ebenfalls „Das Weiße Licht.“ Es folgt ein direkter Übergang zu „Gott ist ein Superstar“ und das Publikum singt laut den Refrain mit. Im Folgenden wird „Träumst du“ gespielt, worüber die Anwesenden sehr erfreut sind. Bei diesem Lied wird das Publikum dauerhaft animiert zu klatschen, die Band anzufeuern und zu springen. „Mein Schatz“ wird nachfolgend gespielt und hierbei kann man bis in die letzten Reihen ein durchweg textsicheres Publikum singen hören. Es folgt ein Lied vom ersten Album, „Der neue Gott,“ welches rhythmisch ausgeprägt ist und dem Publikum einfach macht zu klatschen. Dies wird dankend angenommen und der komplette Saal hat die Hände in der Luft. Es geht direkt weiter mit „Sandmann“ und dem Publikum wird keine Ruhe gegönnt.

OOMPH! @ Gothik meets Klassik 2017

Gesang, klatschen und springen wird den Anwesenden abverlangt. Die Band verliert wenig Worte zwischen den Liedern und deren Entstehung bzw. deren Bezug zur Band. Dero hebt beide Hände zur Seite und stellt ein Kruzifix dar.  Englischsprachiger Text erklingt und das Publikum rastet völlig aus zu „Gekreuzigt.“ „Jetzt oder Nie“ und „Niemand“ fordern dem Publikum erneut einiges ab. Während das Lied „Kleinstadtboy“ erklingt, singen alle mit, ebenso wie bei „Labyrinth.“ Als vorletztes Lied ist das wohl bekannteste Lied der Braunschweiger Band zu hören. „Augen auf!“ wird gespielt und der komplette Saal ist in absoluter Ekstase. Das Letzte Lied nach 60 Minuten durchgehender Publikumsanimation ist „Alles aus Liebe“ und einem Outro, welches lediglich durch Trommeln und Publikumsgesang getragen wird.

 

Letzte Instanz

Es ist kurz vor 24 Uhr und der Saal ist noch immer gut gefüllt. Das Licht geht aus und das Intro beginnt. Bei blauem Licht kommen nacheinander unter lautem Beifall Benni, Rico, Andy, Bernie und Michael auf die Bühne. Als Holly die Bühne betritt wird es laut im Publikum. Vom Intro geht es direkt in das Lied „Steh auf“ und das Publikum ist sofort begeistert. Ohne Umschweife geht es direkt zu „Liebe im Krieg“ und einem Statement der Band, verkündet durch Sänger Holly. Die Letzte Instanz distanzieren sich ausdrücklich von Fremdenhass, Gewalt in jeglicher Form und Krieg, getreu nach dem Motto „Make love not war.“ Jeder weiß, dass die Band klare Worte zu öffenltich kontroversen Themen, als auch aktuellen Geschehnissen findet und sich nicht scheut diese auszusprechen. Das Licht im Saal wird nun rot und es folgt das Lied Blutmond.

Holly begrüßt nun das Publikum ausführlich und heizt es weiter an. Mit einem kurzen „Hey“ und pulsierenden Fäusten wird „Flucht ins Glück“ eingeläutet. Der Sound wird nun satt und „brachial.“ Das Publikum singt sehr laut mit und das Lied endet mit euphorischem Applaus. Holly fragt im Publikum, ob jemand allein ist und pickt sich Conny auf der linken Seite. Er fragt, welcher Herr denn auf der rechten Seite allein sei, aber es traut sich keiner. Das nun folgende Lied ist für alle Paare, Eheleute und frisch verliebten. Im Publikum stehen die Pärchen eng hintereinander und fest umschlungen und wiegen sich im Sound von „Blind“.

Letzte Instanz @ Gothik meets Klassik 2017

Es folgt „Weiß wie der Schnee“ und die ersten verlassen das Haus Auensee. Dies liegt nicht an der Band, sondern dann doch an der fortgeschrittenen Zeit und dem nun langen musikalischen Abend.

Nun kommt Holly zurück auf Conny und bittet alle Anwesenden die Hände zu erheben, um diese dem oder der Nachbarin zu reichen. „Wir sind allein“ erklingt und das Publikum singt erneut sehr textsicher und laut mit, speziell am Ende des Liedes. Es folgte „Herz aus Stein“ und das Publikum ist auch hier vollständig dabei.

Das Licht geht aus und der Spot fällt auf Benni, der nun mittig auf der Bühne steht. Er erzählt, dass die Instanz im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert und er dankt den Veranstaltern, den Mitwirkenden und dem Publikum für die langjährige Unterstützung. „Wir sind eins“ folgt auf Bennis Ansage und im Schlachthof hört man einen Chor aus Stimmen, die zu einer verschmelzen.

Gothik meets Klassik besteht aus einem Abend mit Rockmusik und einem Abend indem die Lieder im klassischen Gewand gespielt werden. Als Unterstützung für die Veranstaltung hatten die Letzte Instanz einen Aufruf, um eine Sängerin zufinden, durchgeführt. Diesen Aufruf hatte Johanna Krins von Delva für sich entscheiden können und wurde nun auf die Bühne gebeten. Es folgte „Kalter Kuss“, den beide sehr harmonisch sangen. Johannas volle, warme Stimme passt zu Hollys Stimme sehr gut und in den Duettstücken ergänzen sie sich gegenseitig trefflig. Unter enormen Applaus fragt Holly, ob ein weiteres Lied gewünscht ist und dies ist auch der Fall. „Der Garten“ mit der voluminösen Stimme Johannas ist durchaus der Gänsehautmoment des Abends.

Letzte Instanz @ Gothik meets Klassik 2017

Die Zeit rennt und es ist mittlerweile 1 Uhr. Man bemerkt, dass das Publikum nun über fünf Stunden Musik hinter sich hat und Müdigkeit macht sich breit. eine weitere Welle Menschen verlässt das wirklich großartige Konzert. Es ist mittlerweile nur noch der feierwütige, harte Kern vorhanden. Es folgten die letzten beiden Lieder „Mein Todestag“ und Finsternis“ Das noch vorhandene Publikum singt mit und verlangt nach einer Zugabe.

Diese wird gespielt und mit „Komm!“ und „Von Anfang an“ ein letztes Mal Leben in den Saal gebracht, bevor sich jeder nach Hause begibt. Das Publikum hat nun 6 Stunden Musik hinter sich und ist durchaus gezeichnet.

Letzte Instanz @ Gothik meets Klassik 2017

Aus meiner Sicht war die Performance von „Letzte Instanz“ sehr gelungen und wie man erwartet überaus professionell, dennoch konnte man feststellen, dass der Sound hin und wieder nicht gepasst hat. Das Intro hatte zu viel Bass, sodass neben den Vibrationen der Bässe nichts mehr zu hören war. Weiterhin war Holly am Anfang zu laut und der Klang eher weniger brachial, eher zu höhenlastig. nasal. Gegen Ende des Konzertes war Holly sehr schlecht zu hören und die Bässe waren erneut viel zu intensiv, sodass der Sound von Violine und Gesang unterging.

Der Abend an sich war musikalisch gesehen sehr gelungen und eine Steigerung war vorhanden, dennoch ist die Anzahl der Bands bzw. die Spieldauer insgesamt zu lang, denn ab der Mitte des Oomph Konzertes wurde das Publikum zusehends weniger.