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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Letzte Instanz mit Support Scarlet Dorn – 10.03.2018 – Annaberg-Buchholz

Scarlet Dorn

Es ist 20:50 Uhr und das Licht geht aus. Aus den Boxen erklingt ein Synthesizer und eine Menge Bässe. Dies ist das Intro von Scarlet Dorn. Die vier Musiker kommen auf die Bühne und besetzen ein Schlagzeug, eine Linkshänder-Gitarre, ein Keyboard und natürlich den Gesang. Der Gitarrist tritt ebenfalls vor ein Mikrofon. Bei tiefblauem Licht starten sie in den ersten Song „Hold on to me“, vom ab Ende August erhältlichen Album „Lack of Light.“ Man bemerkt, dass es ein eher ruhiger Start in den Konzertabend wird. Der Applaus ist eher verhalten und nur langsam strömen die Besucher vom Nebenraum in den Konzertsaal. Das Publikum wird begrüßt und Scarlet Dorn freut sich in Annaberg-Buchholz zu sein. Weiter geht es mit dem Song „Heavy Beauty.“ Rhythmisch hervorstechend ist hier das Keyboard, wobei das Schlagzeug den Takt aufnimmt und über das komplette Lied trägt. Die Brauerei ist nun zu zwei Dritteln gefüllt und die Ersten beginnen zur Musik zu wippen. Da die Band recht unbekannt ist, ist auch der Applaus eher verhalten, doch musikalisch gesehen, macht Scarlet Dorn eine gute Show. Das dritte Lied ist „I‘m Armageddon“ und die Bühne wird mit blutrotem Licht geflutet. Das Lied ist ruhig und melodisch gehalten, wobei vor allem die Melodie im Refrain subjektiv sehr schön ist und im Ohr bleibt. Hier liegt auf jeden Fall viel Potential.

Scarlet Dorn in Annaberg-Buchholz

Sängerin Scarlet versucht das Publikum in Stimmung zu bringen, doch leider gelingt dies nicht wirklich gut. Grund hierfür könnte die eher ruhige und verhaltene Art der gebotenen Musik sein. Es folgt „Dream On“, dass bis hierhin als bestes Lied bezeichnet werden kann. Dies wird auch vom Publikum so gesehen und der Applaus ist entsprechend gut. Das Lied zeichnet eine gesanglich starke Leistung, wie auch ein mitreisender Rhythmus aus. Die Ansagen sind meist kurz und Scarlet Dorn springt von Lied zu Lied. Nun hören wir „Hell Hath No Fury Like a Woman Scorned“. Ein sehr getragener Titel, der sich durch die Präsenz von Keyboard und Gesang auszeichnet. Erneut wird die Bühne in rotes Licht getaucht und „Kill Bitterness With Love“ erklingt. Der Titel ist stilistisch zweigeteilt, da er ruhig beginnt, wobei wenig Gefühl herüberkommt. Im Lied gibt es dann eine Pause und die Stilistik wechselt auf eine kraftvollere, energisch betontere Art. „Cinderella“ ist das siebte Lied und gesanglich emotionalste zugleich. Dies kommt im Publikum an und der Applaus ist stärker als in den vorangegangenen Liedern. Nun folgt „I Don’t Know, I Don’t Care“ mit einem sehr eingängigem Klavierpart und einer sehr guten gesanglichen Leistung. Als letztes Lied spielen Scarlet Dorn „Rain“, welches subjektiv gesehen, das zweitbeste Lied der gesamten Darbietung ist. Dies liegt daran, dass das Tempo gesteigert wird und klanglich geht es in Richtung Symphonic Metal. Ein wenig Härte, klarer, starker Gesang und ein Publikum, welches sich in dieser Musik wiederfindet. Dies zeigt sich auch am Ende des Titels, indem lauter Applaus und Jubel ein begeistertes Publikum beschreibt und dass dies, das richtig gewählte Ende der 45 minütigen Setlist war.
Alles in allem war der Auftritt von Scarlet Dorn sehr ruhig und getragen. Die Band hat musikalisch gesehen viel geboten, wobei schnellere Titel bzw. eine größere Abwechslung gefehlt haben. Gesanglich ist die Leistung von Scarlet Dorn hervorragend. Die Töne sitzen und die Emotionen können dem Publikum übermittelt werden und dies kommt an. 


 

Letzte Instanz

Die Uhr schlägt 22 Uhr und das Licht erlischt. Man hört Klavierklänge und die Musiker der Letzten Instanz kommen auf die Bühne. Angeführt werden sie von Benni, dann Rico und der Rest der Band und natürlich, unter lautem Applaus, Holly. Das Intro geht nahtlos in “Morgenland“ über. Die Stimmung ist sofort auf dem Höhepunkt und der Konzertsaal brechend voll. Holly begrüßt die Anwesenden mitten im Lied und wünscht viel Spaß für den heutigen Abend. Man merkt im Song, dass etwas nicht stimmt und dies wird auch am Ende aufgelöst. Trotz Soundcheck kann es passieren, dass der Knopf im Ohr etwas anderes macht und man nicht mehr hört oder wie in Hollys Fall absolut zu laut ist. Das Publikum nahm alles mit Humor und es wurde direkt viel gelacht. Ohne Umschweife geht es zu „Maskenball“ und die Anwesenden sind ausgelassen.

Sänger Holli

Schwarz“ ist Lied drei und die Brauerei kocht. „Das schönste Lied der Welt“ folgt nun unter eisblauem Licht. Der Sound ist klasse, da alle Instrumente hervorragend, wie auch der Gesang, aufeinander abgestimmt sind. Weiter geht es mit einem Lied vom neuen Album Morgenland, „Asche zu Gold.“ Dieses ist Live perfekt umgesetzt. Die Stimmung bleibt auf dem Höhepunkt und Holly stimmt zum Publikumsgesang an. Hierzu lässt er Männer und Frauen getrennt ein „uhhhhhhh…..“ singen und stimmt selbst eine Oktave höher zu „Schau in mein Gesicht“, ein.

Nach diesem Song meint er, dass es auf der Bühne auf keinen Fall warm genug sei, daher muss er die Jacke schließen. Nun bittet er das Publikum in der Mitte zu teilen und spricht zum Tontechniker der Band. Dieser heißt Lutz und er hat ein Bier für Holly, welches er sich holt. Im nun folgenden Lied der aktuellen und neuen Platte gibt es ein Lied, welches beim hören immer ein leeres Wort lässt. Dieses soll nun mit Hollys Getränk ausgefüllt werden. „Disco d’amour“ erklingt und an den Stellen, wo man beim hören schon das Wort „Bier“ vermutet, brüllt nun das Publikum. Dies funktioniert sehr gut, sowohl im Konzertsaal, inmitten der Gasse, welche sich Holly geschaffen hat, als auch hinter dem Ton und Lichtpult. Lutz am Tonpult und Andraj am Lichtpult heben ihre Biergläser und feiern mit allen im Raum. Das Lied ist ein voller Erfolg.

Holli in der Menge bei „Disco d’amour“

Nun erkundigt sich Holly, wer denn unter den Anwesenden ein Paar ist und findet auf Anhieb ein seit einem Jahr verheiratetes Paar und beglückwünscht beide nochmals und während er „Das nun folgende Lied ist…“ spricht, schreit jemand aus dem Publikum „heut ist mein Todestag….“ und der Konzertsaal lacht laut. Holly grinst und beendet seinen Satz mit „…..Blind“. Alle singen laut mit Holly. Die Hände werden zu einem Meer in die Höhe gestreckt und hin und her bewegt.

Benni Cellini

Wer ein Konzert der Letzten Instanz kennt, der weiß, dass Rico und Benni auf Stühlen sitzen, welche eine sehr hohe Lehne haben. Schaut man sich das Bühnenbild in der Alten Brauerei an, so fällt auf, dass lediglich die Sitze vorhanden sind, die Lehnen aufgrund der geringen Saalhöhe jedoch nicht. Speziell bei diesem Lied kommen die Köpfe der Beiden der Decke gefährlich nahe, wenn sie auf Ihren Podesten stehen. Das Lied endet mit lautem Beifall, doch dieser steigert sich nach dem nun folgenden Lied, „Garten“, noch weiter. Alles passt und eben jenes Lied nimmt das Publikum mit. Es geht nicht weniger gut weiter und „Wir sind Eins“ folgt.

Stimmungstechnisch sind wir nun am Höhepunkt vom Höhepunkt und man kann nur sagen, wenn man dieses Konzert miterlebt hat, dann weiß man, wie das Erzgebirge feiern kann. Doch nun folgt ein kleiner Stimmungsbruch. „Das nun folgende Lied erfordert zwar eine Ansage, aber diese machen wir danach.“ Es handelt sich um „Mein Land“ und unter blauem Licht spielen Sie von Ihrer Sicht auf aktuelle Geschehnisse. „Politik hat auf der Bühne eigentlich nichts zu suchen, doch dies ist ein Statement gegen Fremdenhass und Krieg {und Statements dürfen jederzeit vorgetragen werden}.“ Dies stößt auf große Zustimmung und wer die Letzte Instanz kennt, weiß auch, dass die Jungs kein Blatt vor den Mund nehmen.

Wer die Tour verfolgt, der stellt fest, dass es Bilder gibt, bei denen Rico und Benni mit dem Rücken zu Holly stehen und marschieren. Dies erfolgt zu „Schuld“ und endet mit tobendem Applaus. Es folgt „Jeden Morgen“ und „Der Kuss.“ Im Letzteren ist die Bühne in rot weißes Licht getaucht und Scarlet, die Sängerin der Vorband, kommt auf die Bühne und singt im Duett mit Holly. Der Beifall ist bei einer solchen Stimmgewalt entsprechend laut. Holly fragt nun, ob noch ein Liebeslied gespielt werden soll. Es folgt die Annahme, dass das nächste eines ist und „da Annaberg im Abendland liegt, kommen wir zu einem 4/4 Takt. Zu ¾ kann man schunkeln, zu 6/8 müsste man schneller schunkeln, aber 4/4 ist gut.“ Nun soll das Publikum auf die Zählzeit 5 ein „Hey“ brüllen, dann zweimal „Hey“, doch es geht oft schief. Von der Bühne wird dem Publikum Sabotage vorgeworfen, doch unter lautem Raunen funktioniert es doch einmal. Nun werden die Hände dazu genutzt und spätestens jetzt weiß man, dass das nächste Lied „Flucht ins Glück“ ist. In Kombination zur Musik funktioniert die Kombination aus Arme und „Hey, Hey“ sehr gut.

Als vorerst vorletztes Lied folgt nun „Tränen aus Stein“ und im Anschluss „Komm!“. Holly animiert das Publikum sich zu drehen und zu singen. Ein neuer Höhepunkt ist erreicht. Der Song endet mit lautem Applaus und grölenden Zugaberufen. Die Band lässt sich Zeit, viel Zeit, doch kurz bevor die Ersten zur Bar aufbrechen, kommen sie wieder auf die Bühne. Die kurzfristig abgekühlte Stimmung wird sofort wieder angefacht und „Das Gerücht“ erklingt. Annaberg-Buchholz ist nicht weit von Radebeul entfernt und Benni freut sich in der Heimat zu spielen. Er dankt Annaberg, dass sie schon sehr oft hier auftreten durften und Annaberg der Band somit die Treue gehalten hat und er erinnert auch an das 20 jährige Jubiläum in diesem Jahr.

Weiter geht es mit „Mein Todestag“ und einem laut singenden Publikum, vor allem im Refrain. Die Hände werden nach oben gehoben und wie ein wogendes Meer hin und her bewegt. Dies erfolgt über das Lied hinaus, denn nun soll der Nebenmann berührt werden und als zwanzigster Titel folgt „Wir sind allein.“ Das Lied klingt aus, doch der Gesang unter allen Anwesenden nicht, daher stimmt die Band nochmals in den Refrain ein und unter lautem Applaus verlassen die Musiker erneut die Bühne. Da die Band so nicht aufhören kann und das Publikum noch nicht genug hat, werden erneut Zugaberufe laut. Diesmal lässt man das Publikum nicht so lange warten und spielt ein Medley, gesungen von Holly und Benni, aus „Rapunzel feat. Junge.“ Jazziger Sound und ein witziger Text veredeln das Lied.

Violinist Rico und Bassist Michael

Der ging in etwa so:

– Rico, warum hast du nichts gelernt?
Schau dir den Benni an, der hat sogar ein Auto.
Geh doch zu Onkel Micha in die Werkstatt, der gibt dir ne Festanstellung.

Rico,……
Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Nase,…..
Und du warst so ein süßes Kind ….. –

Nun wurde wieder zu Rapunzel gesprungen und alle singen laut mit. Der Beifall war erneut nicht zu überhören. Als zweiundzwanzigstes und wirklich letztes Lied erklingt „Noch Einmal.“ Das Publikum springt und tanzt im Rhythmus des Liedes, während die letzten Akkorde klingen. Die Band würde sich sehr freuen, wenn einige aus dem Erzgebirge am 13.10.2018, zum Jubiläum, den Weg nach Dresden finden. Der Applaus der nun folgt war lang und herzlich. Ein fast zweistündiges Konzert geht zu Ende und nach einer kurzen Erfrischungsphase haben sich die Musiker noch unter die Anwesenden gemischt und viel mit Ihnen gesprochen.

Letzte Instanz in Annaberg-Buchholz

Das Konzert im Rahmen der Morgenland-Tour in Annaberg-Buchholz war ein voller Erfolg. Die Qualität der Musik ist so hoch, wie immer und im Publikum hat ein Höhepunkt den anderen abgelöst. Die neuen Lieder sind hervorragend angenommen worden und von der Band ohne Wackler oder Probleme dargeboten worden. Zudem war es subjektiv einer der besten Auftritte, die ich je von der Letzten Instanz gesehen habe.

Impressionen Copplius / Annaberg-Buchholz

Eden weint im Grab / Annaberg-Buchholz

Coppelius / Annaberg-Buchholz

Konzertbericht Coppelius / Annaberg-Buchholz

Der Jahresabschluss der Herren Coppelius in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz hat Tradition. Zum bereits zehnten Mal in Folge erklangen die coppelianischen Instrumente und Stimmen Ende Dezember in der sympathischen kleinen Location im Erzgebirge.

Die alte Brauerei ist Jugendhaus, Veranstaltungsort und „soziokulturelles Zentrum“. Bespielt wurde ein eher kleinerer Raum mit gemütlicher Bühne. Für eine vielköpfige Band wie Coppelius heißt es da Zusammenrücken und auch die Fans waren dicht gedrängt. Ein ebenso großer Nebenraum mit Bar und Sitzgelegenheiten entzerrt das Ganze und bietet eine kurzzeitige Fluchtmöglichkeit.

Einziges Manko der Location: Der Nebenraum war vor Einlass verständlicherweise für die Bands reserviert. Ende Dezember ist das Warten im Freien jedoch nur mäßig angenehm. Tipp aus der Konzerte-Trickkiste: Glühwein hilft beim Aufwärmen und verkürzt die Wartezeit.

Um 21 Uhr Startschuss zu einem Kurzauftritt der Fan-Gruppe „Roseelius“, die im letztjährigen coppelianischen Interpretationswettbewerb um das Stück „Das Amulett“ den dritten Platz belegten. Der Preis bestand in einem Live-Auftritt mit dem prämierten Stück. Mit Querflöte, Klarinette, Gesang und einem kurzfristig eingesprungenem Glockenspiel erklang das Stück vom Album „Tumult“ von 2009. Einzig die Technik spielte einen kleinen Streich: Eine dem Wahn verfallene Nebelmaschine verhüllte große Teile des Ensembles und führte zu unfreiwilliger Komik.

Butler Bastille kündete uns die darauffolgende offizielle Vorband an: Eden weint im Grab. Bitte nicht das Verb vergessen, sonst drehen sie sich in ebenjenem um.

Eden Weint Im Grab (abgekürzt EwiG), eigentlich eine deutsche Gothic Metal-Band, spielte hier akustische Versionen ihrer Lieder und lud zu einer düsteren, burlesken Geisterstunde mit den Klängen eines E-Cellos, einer Violine, zweier Akustikgitarren sowie Schlagzeugs. Dazu sang der langhaarige (was auch sonst ) Sänger mit dunkler, manchmal kratziger Stimme schwarzhumoristisch angehauchte Stücke von Tod und Düsternis. Einer der Höhepunkte war sicherlich der Auftritt des coppelianischen Herren Le Comte Caspar, der mit seinem Klarinettenspiel die „Moritat des Leierkastenmannes“ auffrischte.

Coppelius begann mit wohlvertrauten Klängen und erfreulichem Tempo sein Bühnenspektakel. Nach dem Diener stürmten die Meister des Kammercore die Bühne: Graf Lindorf am Cello, Sissy Voss am Kontrabass, Herr Nobusama am Schlagwerk, die Herren Max Coppella und Comte Caspar an der Klarinette (jeder hat eine, Gott bewahre!) und Butler Bastille an Triangel und Percussion. Gesungen wird im Wechsel von den drei letztgenannten. Zum Abschlusskonzert der Zinnober-Konzertreisen gaben die Herren noch einmal alles. Trotz steigender Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wurden nahezu nur temporeiche, schnelle Stücke gespielt, oft folgte der Übergang nahtlos und Menschen auf und vor der Bühne kamen ganz schön ins Schnaufen. Wie gewohnt stieg Le Comte auch einmal von der Bühne herab und spielte sich durch die Menge bis zum Mischpult im hinteren Bereich. Interaktion wird großgeschrieben bei den Herren aus dem neunzehnten Jahrhundert. Wer schon immer mal im Takt auf ein Becken eindreschen oder sein Haupt auf der Bühne schütteln wollte, wird bei dieser Band beglückt. Utensilien der ersten Reihe werden gerne kurzzeitig entführt und ins Bühnengeschehen eingefügt, in Annaberg wurde so das Schlagwerk-Solo des Herrn Nobusama seifenblasentechnisch in Szene gesetzt.

Zur Freude vieler langjähriger Fans fand auch das in Kürze veröffentlichte, ungeduldig erwartete vierte Album namens „Extrablatt“ seinen Weg in die Setlist. So wurden zwei Stücke namens „Welt im Wahn“ sowie „Reichtum“ dem geneigten Publikum dargebracht. Letzteres verdient besonderes Augenmerk, riefen doch die Herren zu einem zugehörigen Videographiewettbewerb auf. Bis Anfang Februar gilt es, angemessene Bild- zu den Klangwelten zu erschaffen.

Doch weiter im Text: Den Herren sieht man ihre zweihundert Jahre wahrlich nicht an, vor allem Max Coppella überrascht durch akrobatisch anmutende Leibesübungen. Der legendäre Streit um erste oder zweite Klarinette ging nun vorgestern ins zweihundertundzehnte Jahr und ist bis dato ungeklärt. Die Rivalität der beiden wird auf der Bühne aber ungebrochen zelebriert und so bietet die coppelianische Bühnenshow wie immer schauspielerischen Hochgenuss und ist mit ihrem Detailreichtum ein wahrer Augenschmaus.

Nach einer durchgehend temporeichen Show (langsamere Stücke wie 1803 oder Ade mein Lieb wurden diesmal nicht gespielt) waren Band wie Publikum ziemlich eingeweicht, fehlt es der Brauerei doch leider an einer ausreichenden Belüftung für eine vielhundertköpfige begeisterte Truppe. Gleichwohl wurde die Band aber nicht sang- und klanglos entlassen, sondern nach den obligatorischen Da Capo-Rufen gaben sie immerhin eine Zugabe von drei Stücken.

Wer nun eine der zahlreichen Waren der coppelianischen Krämerin Kunigunde von Heller signiert haben wollte, wurde wie immer nicht enttäuscht. Nach einer kurzen Umzieh- und Abbaupause zeigten sich die Herren zu einer ausgiebigen Plauderstunde, bevor sie sich zu später Stunde wieder in ihre abfahrtbereite Schlafwagen-Kutsche schwangen.

Fazit: Ein ausgesprochen gelungener Jahres- und Tourabschluss, der nach Wiederholung ruft und die Vorfreude auf das neue Album schürt. Wer einmal dabei war, wird es wieder sein und die Kunde wird eifrig ins Land getragen. Ich befürchte, die Brauerei muss bald anbauen!

Setlist Coppelius am 29.12.2012 in Annaberg-Buchholz

1. Transilvania
2. Der Advokat
3. Risiko
4. Dreaming
5. Nachtwache
6. Rightful King
7. Murder in the Rue Morgue
8. To my Creator
9. Urinstinkt
10. Ouvertüre
11. Reichtum
12. Esc. I
13. Lilienthal
14. Welt im Wahn
15. Outlaw
16. Innocent exile
17. Die Glocke
18. Schöne Augen
19. Habgier
20. Der Handschuh

Da Capo
* Running Free
* Time-Zeit
* Operation

Bericht von K. von Koriolis

Zu den Bildern von:
Roseelius
Eden weint im Grab
Coppelius

Roseelius / Annaberg-Buchholz