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Konzertfotografie – Konzertberichte – Rezensionen

Shamrock Castle 2018 – 14.07.2018 – Schloß Jägersburg

Shamrock-Castle – Samstag, 14.07.2018

Strings & Drones

 

Die Band wird von Rainer von Fiddlers Green begrüßt und Rainers Namensvetter, anderen bekannt als Dextro von Schelmisch betritt, mit seinem Partner Mickey, die Bühne. Instrumentalisch beginnen die Beiden mit Westerngitarre und Uilleann Pipe. Als Beginn des Tages haben sie zwei Jigs, darunter „Cliffs of Moher“ gewählt. Weiter ging es mit zwei Reels. Unterlegt mit einem Backtrack, erklingt als Duo „Dirty old Town“. Neben dem Backtrack ist Gitarre und sowohl abwechselnd Tin Wistle und Uilleann Pipe zu hören. Mit warmer, leicht rauchiger Stimme und viel Gefühl erklingt Dextros Stimme absolut träumerisch.

„Back to the roots“, heißt das Album, was die beiden aufgenommen haben und ist darin begründet, dass sich Dextro nach Schelmischs Auflösung an seine Zeit als Straßenmusiker zurück erinnert hat und dazu seinen alten Freund Mickey animieren konnte nun Irish, Scottish Folk zu spielen.

Nach einer kleinen Ankdote zum Thema Zaunkönig bzw. Krähen, haben sich die Beiden für eine Kombination aus vier verschiedenen Polkas entschieden. Rhythmus des Backtracks und die einnehmende Art von Rainer bringen das Publikum in Bewegung und auch die ersten Festivalbesucher beginnen im Takt zu klatschen. Bei den Iren geht es in den Songs eigentlich immer ums saufen oder die Liebe und saufen und…., es wird ein Lied gespielt, welches weniger bekannt ist und handelt um eine Frau, deren Verlobter zur Marine gegangen ist und bittet ihren Vater um ein Boot. Sie fährt aufs Meer, findet einen Captain und er erzählt ihr, dass der Verlobte gestorben ist. Daraufhin bittet sie ihren Vater ein tiefes Grab zu schaufeln. „Sailor Boy“ mit heroischem Backtrack, viel Atmosphäre und Hall lässt der Song Gänsehaut entstehen. Das letzte Stück ist absolut „schwer“ und wurde von einem Iren, der betrunken in Schweden war, geschrieben. „The Swedish Jig“, ein ruhiger, interessanter Jig, der mit rhythmischen Besonderheiten und verschiedenen Tonartwechseln aufwartet. Sehr interessant und bezaubernd nimmt er das Publikum in den Bann.

Als letztes wird eine Kombination aus drei verschiedenen Reels und einer Zugabe aus zwei verschiedenen Jigs gespielt, welche wieder mit viel Atmosphäre und Kraft träumerisch nach Irland blicken lassen. Alles in Allem war Strings & Drones ein sehr schöner, ruhiger Opener für den zweiten Festivaltag. Mit ihrer ruhigen, humorvollen Art haben sie nicht nur musikalisch das Publikum begeistern können.

 

Punch’N’Judy

Begrüßt werden Punch‘N‘Judy mit einem Trommelintro von Frank, bei dem das Publikum angehalten ist mitzumachen. Akkordeon und Schlagzeug beginnen, untermalt von Bass und anschließend Gitarre das Set der fünfköpfigen Truppe mit dem Titel „Vikings“. Eine direkte Überleitung zu „Mein Kind“ mit den Worten „Ach wie gut das niemand weiß…“. Mit dem Stil von Deutschrock gespart mit polkafeeling und Punkrock heizen die Musiker das Publikum an. Mit der Geschichte von „Störtebecker“ erklingt der erste Punch des Tages. Mit schnellem Polkarhythmus und zweistimmigem Gesang erklingt nun „Sanchez says ...“, gefolgt von „Neptune“. Das Anheizen hat bis hierher definitiv funktioniert, da in den ersten Reihen gesprungen und getanzt wird…
Flibberty“ reiht sich stilistisch den vorangegangenen ein und animiert weiter das Publikum. „The Witch“ startet mit einem mystisch, hämischen Gelächter und mündet in ein eher ruhiges, abwechslungsreiches Lied. Das Publikum animierend, erfolgt der stetige Anstieg der Spannung des Liedes, welche sich in einem sehr melodischen Gitarrensolo entlädt. Beim Thema der Hexe wird geblieben und mit „Tanz!“ beschreiben Punch‘ N‘ Judy, dass sich diese zu Tode tanzte. „Koboldkönig“ folgt nun mit einem ruhigen Gitarrenintro, das sich mit klarem und ruhigem Gesang mit starken Rhythmen präsentiert und vom Publikum gefeiert wird. Zum letzten Lied sind nun alle wach und stimmen in den flotten, harten Rhythmus von „Böses Erwachen“ ein.

Alles in Allem war Punch’ N’ Judy das genaue Gegenteil von Strings & Drones. Viele haben sich auf den Weg gemacht, um die Band bei ihrer Wiederholungstat von 2012 zu erleben. Sie haben das Publikum eingefangen und zum feiern animiert.

 

Tir Nan Og

Mit einem Sprechchor „Who the Fuck is Shaun O’Mally“ werden Tir Nan Og begrüßt. Sie beginnen mit „O‘ Hanlans“, das melodisch im Violinpart den Glasgow Reel beinhaltet. Kaum einen Ton gespielt beginnen die Ersten im Publikum sich zu bewegen. Weiter geht es mit viel Enthusiasmus und einem wirklich begeistertem Publikum. Dies ist der dritte Auftritt der Musiker hier auf dem Shamrock Festival und während das zweite Lied, „Bastard Reel“, läuft, strömen Besucher immer weiter auf den Platz. Die Begeisterung ist enorm. Beim nächsten Song geht es um Verarbeitung von verschiedenen Traumata von Robert, hier allen voran die vergebliche Suche nach einem ONS, „3 Night“. Eine Polonaise zieht sich durch das Publikum und heizt dabei die Anwesenden immer weiter an. „Fire Storm“ folgt ohne weitere Worte. Die ersten Kinder werden auf die Schultern der Eltern gehoben, damit man noch etwas sehen kann. Der Platz hat sich mittlerweile so gut gefüllt, dass nur noch wenige freie Stellen zu sehen sind. Nun wird Robert philosophisch mit einer Botschaft eines jungen Geigenspielers, welche positiv interpretiert werden soll mit „Live Sucks“. Ohne Umschweife greifen sie die hervorragende Stimmung auf und stimmen in „Troosers“ ein. Troosers beinhaltet einen HipHop-Teil, bei dem das Publikum mitmacht mit einem „JO!“ und dies funktioniert mit dem wirklich absolut begeisterungsfähigen Publikum. Dies wird mit einem bombastischen Applaus belohnt. Weiter geht es mit einem traurigen Lied, welches von einem Mann spricht, der alles in Hochprozentiges angelegt hat. Wie bei Troosers gibt es auch bei „All for me Grog“ einen Publikumsteil, der mit lautem Zuruf der Anwesenden durchgeführt wird.

Der laute Applaus wird sofort genutzt, um die Hände bei bei einer Einlage von Matze und Andy in der Höhe zu belassen und diese wird mit lautem Befall honoriert. Imaginär geht es nun nach Schottland und „Raggle Taggle“. Mit der Energie, welche die band an die Zuschauer überträgt werden die Anwesenden zum Springen animiert und an mehreren Stellen des Publikums kommt es dazu. „To Hell“ wird nun angespielt und die Stimmung kocht. Auch wenn das Programm noch lange nicht vorbei ist, aber schon einige Songs gespielt wurden, strömen immer noch Zuschauer auf den Platz. Die Treppen zum Zugang zum Merch stehen voll, damit jeder etwas sehen kann und die hinteren Reihen recken und strecken sich, wenn sie nicht tanzen. Mit einem musikalischen Spannungsbogen aus ansteigender Tonleiter und dezent gespieltem Schlagzeug steigen Tir Nan Og in „Monday’s Stroll“ ein. Natürlich möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht vergessen, dass der Fanclub der Band sehr viel Stimmung bereitet und diverse witzige Situationen für die Band bereithält. Ob Seifenblasen oder fliegende Ballons, der Fanclub hat sich einiges ausgedacht!

Nun erklingt das wohl atmosphärischste Lied der Truppe. „Monster“ aus dem aktuellen Album, welches auch im Publikum ankommt, da das komplette Zentrum bis zur ersten Reihe tanzt. Das Publikum ist vollends begeistert. Nun kommt es zu der Frage, die alle beschäftigt. „Who the f**k is Shawn O‘Malley“ und das komplette Publikum singt mit den bayrischen Iren oder irischen Bayern?! Diese Frage zu beantworten ist jedoch nicht Teil des Berichtes. ;-) Als letztes Lied erklingt das einzig deutsche Lied der sechs Musiker. „Wenn ich tot bin“ … dann sollst du tanzen! Das Publikum nimmt die Aufforderung des Tanzens und Springens ernst und der komplette Platz springt. Der Applaus am Ende des Liedes ist lang und herzlich.

Der Auftritt von Tir Nan Og wurde nicht nur gut besucht und angehört, er wurde vom Publikum gefeiert und genossen. Eine sehr gelungene Leistung!

 

Sir Reg

Albi kommt auf die Bühne und begrüßt die nun folgende Band. Er berichtet von einer sehr denkwürdigen Nacht in Moskau. Ein heroisches Intro begrüßt die hier Anwesenden im Namen von Sir Reg. Schlagartig geht es los mit Speedfolk. Stimmlich kann man Sir Reg in Richtung Placebo bzw. Billy Talent einordnen, musikalisch eine Mischung aus Peter Pan Speedrock und Irish Folk. Das Publikum startet direkt im ersten Lied einen Pogo und darüber hinaus ist die Begeisterung spürbar. Sir Reg zeigen den Einfluss des Folkes, wie andere Bands des Wochenendes, indem sie verschiedenste Rythmen kombinieren. Das zweite Lied beispielsweise findet seinen Ursprung in der Polka. „Holidays“ und ein Publikum, welches kaum noch stillstehen kann, begeistert. Ein Geigenintro lässt das nächste Lied erklingen, welches absolut begeistert. Schnelle Rythmen und viel Bewegung begleiten „A Sign of the times“. Eine eingängige Melodie gepaart mit einer Menge Spaß, „21st Century Loser“ wird gespielt.
Ruhig startet das nun folgende Lied, „All Saints’ Day“ mit viel Gefühl und einer der Bedeutung, die Whiskey im Leben spielen kann. Diese Abwechslung kommt hervorragend beim Publikum an.
Nun folgt ein absolut neuer Song der sechsköpfigen Band. Dieser nennt sich „Fool“ und kommt gut bei den Anwesenden an. Ein weiterer ruhiger Song mit der Unterstützung des Publikums wird gespielt. Die Hände im Publikum formen ein Meer, welches von links nach rechts geschwenkt wird. Der Song kommt sehr gut an und zeigt, dass Sir Reg nicht nur die schnelle „Schiene“ bedienen kann, sondern auch die ruhige, gefühlvolle. Auf „Far Away“ folgt „Emigrate“, welches in Sachen Tempo und Partystimmung zulegt. „Cairbre“, erneut ein ruhigeres Lied, lässt das Irish Folk-Feeling, sofern man dies so bezeichnen kann, aufleben. Neben dem Pogo, der im vorderen Teil seit Beginn an durchgeführt wird, wird im hinteren Bereich eine zweite Runde gestartet.
Das Tempo steigt erneut mit „This Century‘s for sale“ und der erste Crowdsurfer des Tages ist unterwegs Richtung Bühne. „Boys of St. Pauli“ erhöht das Tempo unweigerlich nach oben.
The Wrong Bar“ lädt zum Mitsingen und Mittanzen ein. Dies nimmt das Publikum bis zum letzten Platz wahr, durch erhobene, klatschende Hände der Tanz. „Dublin City“ erinnert bei den ersten Akkorden an „Knocking on Heavens Door“, doch ändert schlagartig die Richtung, während der Gesang einsetzt. Im Gegensatz zum Beginn, fahren Sir Reg nun ein wenig vom Tempo herunter, aber nicht von der Atmosphäre, der Fülle oder dem Gefühl. Ein träumerisch, wunderschöner Song, der auch vom Publikum so gehuldigt wird. Man stelle sich vor, dass ein Schalter umgelegt wird und die Band ändert Tempo und Rhythmus schlagartig zu „We‘ll Rise Again“. Geschwindigkeit, Druck und der ein oder andere Pogo zeigen, dass eine Ballade mitten im Programm die Stimmung nicht kippen lassen kann. Die Band fragt, wer gestern hier gewesen ist und der komplette Platz meldet sich. Die Band war auch seit gestern schon da. Sie war somit der Underdog des gestrigen Tages, hat sich also nicht zu erkennen gegeben. „Underdogs“ ist auch der Titel des letzten Liedes. Sir Reg ergehen von der Bühne und werden um Zugaben geben. Diese erfüllen sie dem Publikum und spielen zwei Zugaben.

 

Fiddlers Green

Der Platz füllt sich in 5 Minuten, bevor es los geht, warten alle auf das Event des Festivals, den Headliner und die „Instanz“ dieses Festivals. Fiddlers Green! Die Bühne ist verhangen und das Licht scheint rot.

Es ist 22:02 und die Leute werden ungeduldig. Das Intro beginnt just in dem Moment. Donnergrollen und verlöschendes Licht verkünden den Beginn. „Boat on the River“ erklingt bzw. „Down“ und die Silhouetten der Musiker sind in orangenfarbenem Licht auf dem Vorhang erkennbar.

Dieser fällt und los geht es. Unter rotem und gelbem Licht erklingt das erste Lied, während sich der Platz füllt und füllt. Der Applaus ist grandios, doch nicht unerwartet. Mit einem Lichtspektakel geht es weiter. Sound und musikalische Qualität passen, wie man es von Fiddlers Green gewohnt ist. Die Hände gehen klatschend in die Höhe und die Stimmung ist ungebremst. Alte Lieder sind zu hören darunter „P Stands for Paddy“. Das komplette Publikum springt und bewegt sich, wie bei keiner Band zuvor. Der Applaus ist stürmisch und direkt wird dieser weiter verwandelt, um ins nächste Lied einzusteigen. Speedfolk mit einem vollkommen motivierten Publikum. „Perfect Gang“ ist das nächste Lied und der nächste Crowdsurfer ist auf dem Weg nach vorn. Doch er bleibt nicht der Einzige in diesem Lied. Albi möchte sich nun durch das Publikum tragen lassen, doch ist er sich noch unsicher. Es folgt nun die Reise in ein fachfremdes Genre. Es wird nach HipHop Fans gefragt. Diese scheinen sich eher nicht zu trauen, aber es wird nach Anwesenden gefragt, die offen gegenüber anderen Musikrichtungen sind. „Bottoms Up“ ist eines der Beispiele, für die Kombination zweier artverwandter Stilrichtungen…

A Night in Dublin“ ist der nächste Song, bei dem sich das Publikum kaum halten kann. Der folgende Song ist für alle Bands und Fans des Wochenendes „Greens and Fellows“ und die Hände werden zu einem Händemeer nach oben gerissen. Dazu kommt der Publikumsgesang, der mit der Band im Einklang zu einem wunderschönen Moment führt. Das Licht erlischt und die Snare-Drum erklingt. Es folgt die Violine und „Oh Danny Boy“ wird gespielt. Anschließend erfolgt ein Drum und Violinspiel mit Gießkanne und Tom. – Eine kleine Umbaupause – „John Kanaka“ (Becherlied) – riesiger Applaus hat das Lied begleitet und auch am Schluss.

Beim nächsten Song waren sich Fiddlers unsicher, ob dies gespielt wird. „Another Spring Song“, eine Ballade, die das Publikum zum Mitsingen einlädt. Heute wird kein Lied weggelassen. „Das Ritual“ „Rocky Road To Dublin“, eine Gasse wird gebildet und Albi wandernd hindurch zum Merch und zurück. Auch werden viele der Shirts in der Luft herum gewirbelt. Die Begeisterung im Lied war absolut fesselnd. Doch lange verharren Fiddlers Green nicht bei einem Lied und es geht weiter. „We Don‘t Care“ mit Pogo und viel Bewegung wird von den Herren auf der Bühne verlangt. Dies ermöglicht das Publikum natürlich und kaum das der Song begonnen hat, ist bis zur Hälfte des Publikums Bewegung zu sehen. Der vordere Teil im Pogo, der hintere tanzend. Nachdem das Festival jährlich stattfindet und jedes Jahr die Stimmung gestiegen ist scheint dies in diesem Jahr erneut ein Höhepunkt zu sein. Dies soll mit „Yindy“ springend gefeiert werden. Instrumentalisch geht es nun weiter und anschließend steigt die Band in den Song „Never Hide“ ein, bei dem das Publikum lautstark mitgröhlt. Als Zwischenstück wird hier „Fields of Athenry“ gespielt, welches sehr gut ankommt. Fiddlers Green brauchen um die maximale Wirkung zu erzeugen des Songs die Zeile „MacIntyre“ zum Song „Old Dun Cow“. Das komplette Publikum schreit laut den Namen „MacIntyre“, was Albi mit einem „GEIL!“ bewertet. Als lautestes jemals erklungene MacIntyre bei einem Shamrock Castle, wird wohl dieses Jahr in die Geschichte eingehen.

Paddy Murphy“ wird als vorletztes Lied direkt gespielt.  Den Abschluss macht „Folks Not Dead“. Das Publikum ist ihre Euphorie, die in springen und Tanzen, wie auch lauten Rufen zu hören ist. Doch das Publikum kann nicht genug bekommen. Laute Zugaberufe holen Fiddlers Green wieder auf die Bühne. Das erste Lied der Zugabe ist „Leaving of Liverpool“. Mit enormer Bewegung des gesamten Publikums, egal ob vorn, Zentrum oder hinten, alles bewegt sich und niemand steht mehr still. Als zweites Lied erklingt „Victor and his Demons“. Alle sollen sich nun hinsetzen, klatschen und aufspringen. Dies setzt nahezu der komplette Platz um und am Ende sind lauter Applaus und erneute Zugaberufe zu hören. Pat fragt, ob das Publikum für ein Sauflied bereit ist. Dies wird bejaht und so wird dem Wunsch mit einem weiteren Lied nachgegangen.

Als allerletztes Lied erklingt „Blarney Roses”. Das Konzert endet mit lautem Applaus für die Band und alle anderen Bands, die auf die Bühne gebeten wurden.

 

Fiddlers Green / Löwensaal Nürnberg

Fiddler’s Green / LKA Stuttgart

Feuertal Festival / Wuppertal

 Ab ins Feuertal!

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Seinem Namen seit zehn Jahren alle Ehre macht das idyllisch zwischen Felsen und Bäumen gelegene Festival, welches erstaunlich zentral und doch grün im Wuppertaler Stadtgebiet liegt. In fußläufiger Entfernung vom Hauptbahnhof erstreckt sich das Festivalgelände hangaufwärts Richtung botanischer Garten und ist damit so gut erreichbar wie kaum ein anderes Sommerfestival. Als eines der letzten im Jahr muss es seinen Besuchern auch einiges bieten, um die bereits gesehenen Highlights zu übertreffen. Veranstalter, Unterkunft und Location geben dabei erfolgreich ihr Bestes. Die übliche angeschlossene Campingwiese fehlt aufgrund der städtischen Lage, dafür wird das historische Freibad „In der Mirke“ zum ungewöhnlichen, wenn auch abgelegenen Zeltgelände. Dass man nachts auf dem abschüssigen Gelände durchs Zelt kullert, wird durch Aftershow-Partys, warme Duschen, Frühstück und spaßige Planschbecken in außergewöhnlichem Ambiente wettgemacht. Das Festival selbst ist 2013 zum zweiten Mal zweitägig, was die recht zünftigen Eintrittspreise erträglicher macht. Wer allerdings einmal drin ist, bekommt Speis‘ und Trank zu fairen Preisen, somit ist dies auch wieder ausgeglichen.

Musikalisch gab es den eher mittelalterlich angehauchten Freitag sowie einen schwärzeren und härteren Samstag, beides allerdings gut durchmischt mit genügend Abwechslung für alle Ohren. Erwähnenswert sind auch die beiden Moderatoren, keine geringeren als Eric Fish von Subway To Sally am Freitag und Teufel von Tanzwut am Samstag.

Freitag, 23.08.2013:

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Den mittelalterlichen Anfang am Freitag machen vor bereits locker gefüllten Reihen die bayrischen Mannen und Frau Vivianne von Vermaledeyt. Nach einem rhythmus- und melodienreichen Einstieg gaben die Meister des Dudelsack und der Schalmei alles, um das Festivalpublikum zu begeistern, welches dies auch willig mit sich machen ließ. Ob Jean der Franzose jedoch das Versprechen, im Nachgang noch mit allen Interessierten zu trinken, überlebt hat, ist nicht bekannt.

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Ein zeitlicher Sprung ins späte neunzehnte Jahrhundert erfolgt mit dem gewohnt chaotisch-rasanten Auftritt der befrackten Herrschaften von Coppelius samt ihrem Butler Bastille, die Bühne und Zuschauerbereich mit einer wahnwitzigen Show und wohlchoreografierter Anarchie erfüllen. Besonders des Butlers Ausflüge ins Publikum sind legendär. Diesmal waren leider keine Sektgläser zur Hand, so wurde zu Esc. I der Sekt direkt vom Butler in die brav aufgesperrten Schnäbel gekippt. Viel zu schnell geht die Stunde coppelianischer Harmonien vorbei. Da capo!

Bei fünf Bands am Tag spielt ja jede Gruppierung erfreulich lang, so ist der Auftritt der Dritten im Bunde, Fiddler’s Green, mit einer starken Stunde schon fast ein eigenes kleines Konzert. Der gutgelaunte Folkrock der gebürtigen Deutschen gibt jedes Mal Anlass zu spontaner Freude und wildem Gehüpfe. Die ersten Reihen füllen sich zunehmend mit einem nackten Durcheinander aus Armen, Haaren und Trinkhörnern. Wie immer bleibt aber alles friedlich und die nach hinten ansteigenden Stufen ermöglichen einen unverstellten Blick auf die sechs, an eine durchgeknallte und gealterte Schulband erinnernden, Musiker.

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Mit zwei großen Bands endet der temporeiche erste Tag – den Anfang macht die Letzte Instanz, bei deren vielschichtigen Texten und Balladen auch mal ein paar Momente zum Innehalten dabei sind. Nichtsdestotrotz füllt sich das Halbrund vor der Waldbühne zusehends und die Atmosphäre wird dichter. Der Tag vergeht, aber es bleibt warm und angenehm. So lässt es sich gemütlich aushalten, bis die letzte Band des Tages, die alten Hasen von Saltatio Mortis das Feld betreten. Viele Stücke aus ihrer neuen Platte werden angespielt und selbst nach der frühen anwohnerfreundlichen Beendigung des Konzertes gegen zweiundzwanzig Uhr sind die letzten Töne nicht gespielt. Es vergeht keine Viertelstunde, da entern die SaMos den unteren Getränkestand, was diesem zwar die Einnahmen verhagelt, ein beglücktes Häufchen Fans jedoch mit einem außergewöhnlichen Festivalerlebnis in den Feierabend entlässt.

 

 


Samstag, 24.08.2013:

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Der Samstag fängt mit einem der vielversprechendsten Newcomer der Szene an – die Unzucht lässt mit ihren unverschämten und freizügigen Texten die Menge begeistert erbeben. Erst 2009 gegründet, machen sie bereits beim zweiten Album professionellen Gothic Rock bei gutem Sound und intensiver Bühnenpräsenz. Und Frontmann Daniel Schulz sollte man auch nicht zum letzten Mal an diesem Tag gesehen haben.

2013-08-24_Nachtgeschrei_Bild_1147Doch zuerst folgen die düsteren und schwarzbelederten Männer von Nachtgeschrei, deren Outfit schweres Metall vermuten lässt. Sie erfreuen jedoch die Mittelalter-Fraktion unter den Fans mit den typischen Instrumenten wie Drehleier und Dudelsack. Hinzu kommt, dass sie seit kurzem einen neuen Sänger ihr eigen nennen, der der Band ein neues Gesicht wie auch eine neue und andere Stimme gibt.

Härter geht es weiter – die silbernen Jungs von Stahlmann kommen ganz in der Tradition des Rammstein’schen Sounds daher, bringen aber eine seit neustem auch ungewohnt melodische Note zum Tragen. Ob Stahlmänner rosten?

2013-08-24_Stahlmann_Bild_4326Frontmann Martin lässt sich jedoch vom einsetzenden Regen nicht beirren und auch die Zuschauer nehmen es mit Gelassenheit und feiern ungetrübt weiter, besonders als es sich der Teufel höchstpersönlich nicht nehmen lässt, auf der Bühne zu erscheinen. Die harten Klänge von Stahlmann bereiten wunderbar das Feld für die Durchstarter der Szene, Mono Inc.. Das finden diese wohl auch, schließlich waren sie auch schon gemeinsam auf Tour.
2013-08-24_Mono_Inc_Bild_1475Mono Inc. legt die üblich rasante Show mit ihren dunklen, von elektronischen Klängen durchwebten Songs hin. Neu ist, dass Martin seit dem letzten Album auch auf Deutsch singt, was wohl das Interesse der Bildzeitung geweckt hat. Der ehemals freundliche Trommler und nun Gruftirocker Martin nimmt’s mit Humor und sorgt wie so oft mit seinen kurzen Anekdoten für herzliche Lacher im Publikum. Ein Wiedersehen gibt es mit Herrn Schulz von Unzucht, der mit Martin Viva Hades im Duett zum Besten gibt. Es haben sich alle offenbar sehr lieb, so viel wird da umarmt und geküsst.

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Derart aufgewärmt sind es nur noch ein paar Grad Unterschied bis zur folgenden Feuershow von Subway To Sally, die diese schon fast vorlegen müssen, um nicht hinter sich selbst zurückzustehen. Seit zwanzig Jahren sorgen die Mittelaltermetaller mit ihren eingängigen Texten und treibenden Melodien für wilde Eruptionen im Publikum. Ob Frau Schmidt feuerumtobt ein Violinensolo spielt oder Eric Fish selbst zum Feuerstab greift, bei Subway geht es immer heiß her. Mit einer inzwischen langen Reihe an wohlbekannten Hits sorgen sie für einen würdig heißen Abschluss des feurigen Festivals.

Autorin: K. von Koriolis

Fiddler’s Green / Feuertal Festival

Fiddlers’s Green / LKA

Fiddler’s Green / Arena Ludwigsburg